Samstag 22.November 2008 | 05:00
Culture / Art

Von Red Bull Art of Can am 12.07.2008

Der Countdown zur großen Red Bull Art Of Can-Ausstellung in Houston läuft. Red Bulletin stellt die Künstler und ihre Exponate vor. Heute: „Red Bull Exposed“.


„Red Bull Speedster“
Rafael Salazar Jr.
Lebt und arbeitet in Houston, Texas.
Alter: 56
Beruf: Computer-Spezialist

„Meine Eltern waren künstlerische, sehr praktisch orientierte Menschen“, sagt Rafael Salazar. „Sie verdienten ihr Geld mit Fähigkeiten, die sie sich selbst beigebracht hatten. Das imponierte mir immer sehr.“

Auch der Computer-Experte benutzt gern seine Hände, gerade wenn es um sein Hobby geht. In seiner Freizeit bastelt er Automodelle und verwendet dafür ausschließlich recycelte Materialien wie Aluminium, Metallabfälle, Plastik oder Gummi. Aus dieser Lust heraus hat der 56-Jährige seinen „Red Bull Speedster“ entwickelt.

Salazars Exponat besteht fast ausschließlich aus Dosen, 30 an der Zahl. Nur ganz wenig Holz und Draht habe er zur Befestigung verwendet, erzählt er. Sonst sei sein Renner aber ganz aus Aluminium. Die Herstellung des 25-Zentimeter-großen Speedsters war trotz seiner Größe alles andere als ein Kinderspiel. Fast ein Jahr hat Salazar daran gebastelt.

„Den Motor zu bauen war die größte Herausforderung“, sagt der Künstler rückblickend, „aber je weiter ich damit kam, desto mehr hat mich die Arbeit daran gefesselt.“
Mit seinem feingliedrigen Modell hebt Salazar die Miniatur-Kunst auf ein neues Level. Er hofft, dass auch die Besucher seine Liebe zum Detail nachvollziehen können.

„Fly Fishing“
Kathryn Jane Beale
Lebt und arbeitet in Granger, Texas
Alter: 52
Beruf: Künstlerin

Kathryn Beale ist keine Unbekannte im Kunstgeschäft. Vor 4 Jahren wurde sie von der Stadt Omaha beauftragt, eine der größten Wände des Orts zu bemalen, beim Red Bull Art Of Can in Chicago belegte sie im vergangenen Jahr den dritten Platz.

Dennoch, die Arbeit an ihrer Skulptur „Fly Fishing“ stellte für die 52-jähirge Künstlerin eine besonders schöne Herausforderung dar. „Im Gegensatz zu Auftragsarbeiten konnte ich an dieses Projekt völlig frei herangehen. Wenn was nicht so funktionierte, wie ich es mir vorgestellt hatte, egal, dann versuchte ich einfach etwas anderes. Und siehe da: Am Ende brachte der neue Weg oft bessere Resultate!“ sagt Beale begeistert.

Außerdem meint sie, dass die Arbeit an „Fly Fishing“ eine Art Selbstfindung war. „Als ich mit der Skulptur fertig war, bemerkte ich, dass der Frosch Riley quasi mein Alter Ego ist.“ Dem blauen Fliegenfänger hat Beale daraufhin sogar ein kleines Gedicht gewidmet:

„Riley / Life is so good / as I fl oat in my pond / while the sun bakes my back /
all my worries are gone / so I sip on my drink / watch the fl ies gather near /
never stopping to think / I await in the rear / what luck! I must smile /
for discovering a way / to order in lunch / and never, ever / have to pay!“



„Red Bull Party Hat“
Maria Dempsey Gould
Lebt und arbeitet in Houston, Texas
Alter: 49
Beruf: Kunstlehrerin

„Um Halloween herum veranstaltete ich für meine Schüler einen Verkleidungswettbewerb, bei dem sie nur recycelte Materialien verwenden durften. Um ihnen zu verdeutlichen, dass es viel lustiger ist sich ein Kostüm selbst zu basteln, anstatt eines zu kaufen“, sagt Maria Dempsey Gould, Kunstlehrerin der sechsten Klassen in Houston.

„Ich hoffe, dass ich meinen Schülern damit auch vermitteln konnte, dass man nicht reich sein muss, um sich kreativ zu betätigen. Dass sie kein Geld brauchen, um sich auszudrücken.“

Und die enthusiastische Lehrerin machte es den Kindern vor. Ihr „Red Bull Party Hat“ besteht aus circa 12 Dosen. Die Federn wurden mit einer Technik namens „Repussé“ in Form gebracht, bei der durch Druck im Metall eine feine Textur entsteht.

Maria Dempsey Goulds Ziel ist es, ihre Schüler und Mitmenschen für die Handarbeit zu begeistern. „Das Beste am Red Bull Art Of Can ist, dass es meinen Ehemann und mich noch näher zusammengebracht hat“, sagt sie. Denn auch Mr. Gould hat im Zuge der Ausstellungsvorbereitungen Gefallen an der Dosenkunst gefunden und sogar eine eigene Skulptur kreiert.

Maria und Ken Gould sind damit das einzige Ehepaar, das mit zwei Objekten an der Red Bull Art Of Can Ausstellung teilnimmt.



„Unbridled“
Michael Fiedler
Lebt und arbeitet in Horsham, Pennsylvania
Alter: 45
Beruf: Künstler

Michael Fiedler war 13, als ihn die Muse küsste. Damals besuchte er die Enthüllung von Claes Oldenburgs Skulptur „Clothespin“, einer überdimensionalen Wäscheklammer, und verkündete seinen Eltern: „Künstler, das will ich auch werden!“ Heute, 32 Jahre später, sagt Fieder: „Und seit diesem Tag arbeite ich daran.“

Trotz eines schweren Unfalls 1982 gab er seine Leidenschaft nicht auf und betätigte sich in verschiedensten Feldern: Von Fotografie über Malerei bis hin zu Computeranimation. „Ich probierte damals viel aus, konnte mich aber einfach nicht für eine Richtung entscheiden“, sagt er.

Erst auf der Pennsylvania Academy Of Fine Arts fand sich Fiedler selbst. „Als ich 2001 zum ersten Mal einen Schweißbrenner in der Hand hatte, wusste ich, was ich machen will“, erinnert er sich. Seit dem arbeitet der Künstler mit Stahl und metallischen Abfallprodukten. Da kommen ihm auch mal Flugzeugtüren oder Autoteile auf die Werkbank. Oder eben Red Bull Dosen.

Seine Skulptur „Unbridled“ (dt: ungezügelt) zeigt, dass es manchmal einfacher ist ein Kunstwerk herzustellen, als es abzugeben. Denn eigentlich wollte Fiedler seinen Dosen-Stier per Truck persönlich nach Housten zur Red Bull Art Of Can-Ausstellung bringen. Leider gab sein Wagen auf halber Strecke den Geist auf. „Ich habe gestoppt. Die Leute, die mich mitgenommen haben waren total begeistert von meiner Skulptur. Mal sehen, ob sie auch hier in Texas so gut ankommt!“ sagt Fieder vorfreudig.



„Red Bull Nation“
Juan Lozano
Lebt und arbeitet in Houston, Texas
Alter: 23
Beruf: Friseur

Juan Lozano ist Künstler. Seine Arbeitsmaterialien sind aber normalerweise weder Holz noch Metall, Lozano ist Haar-Skulpteur. Jemand, der die Haarformen und -konturen seiner Mitbürger in Houston in wallende Kunstwerke verwandelt. „Ich liebe es, Haare zu bearbeiten. Und in dem Salon, in dem ich arbeite, bin ich der Fachmann für kreative Frisuren“ , sagt der 23-Jährige.

Als Haar-Stylist lässt er seiner Fantasie freien Lauf. Ziegenhorn-Frisuren, Riesen-Iros oder Locken-Variationen. „Alles was ich mache, versuche ich künstlerisch anzugehen“, sagt er. So auch seine Skulptur für Red Bull Art Of Can. Als Lozano von seinem Chef einige Kisten Red Bull-Dosen geschenkt bekam, wollte er sie nach dem Genuss nicht einfach wegwerfen und entschloss sich, Lady Liberty daraus zu formen.

150 Dosen, über 100 Stunden Arbeit. Dann war „Red Bull Nation“ fertig. Die glänzende Robe und die Energie spendende Fackel zeichnen das Konterfeit der Freiheitsstatue aus. Die Krone war für Lozano aber die größte Herausforderung. „Ich hab‘ die unglaublich oft umgeändert. Aber jetzt ist es perfekt!“

„Big Ass Boot“
Christian Azul/Reverend Butter
Leben und arbeiten in Houston, Texas
Alter: 30/34
Berufe: Künstler/Bildhauer

Die Red Bull Art Of Can Ausstellung im Vorjahr inspirierte die beiden Künstler Reverend Butter und Christian Azul zu einer spannenden Zusammenarbeit: Bildhauer Butters hat die Fähigkeit, Dreidimensionalität kreativ darzustellen. Azul hat das Talent, Objekte zu dekonstruieren, sie aus ihrem ursprünglichen Kontext zu lösen.

„Gemeinsam haben wir in Kleinstarbeit eine ein Meter lange Stiefel-Skulptur gebastelt“, sagt Azul. Sein Partner Butter fügt hinzu: „Einen Westernstiefel, Größe 100 plus sozusagen.“

Beide Männer leben und lieben die Kunst. Azul leitet die Houstoner Künstlergruppe Aerosol Warfare, die seit zwei Jahrzehnten Museen auf der ganzen Welt unsicher macht. Ausstellungen im In- und Ausland gehören für ihn zur Tagesordnung.

Reverend Butter ist seit 1997 professioneller Eis-Skulpteur. Von Tokyo bis Texas fräst Butter lebensgroße Motorräder oder dreidimensionale Akte aus Eis. Doch sogar trotz ihrer jahrelangen Erfahrung war die Arbeit am kolossalen Dosen-Stiefel eine Herausforderung. Einerseits wegen der Größe, andererseits wegen der Form.

„Wir hätten nie gedacht, dass ein Cowboy-Stiefel so gefinkelt aufgebaut ist. Eine interessante Erfahrung“, kommentieren die Künstler ihr Werk schmunzelnd.

„Unstoppable Wings“
Sally Arizona
Lebt und arbeitet in Seattle, Washington
Alter: 37
Beruf: Transkriptionistin

„Ich habe die Kunst immer als Hobby betrieben“, sagt Sally Arizona. „Obwohl ich in meinen jungen Jahren sogar Ambitionen hatte, mich professionell von der Muse küssen zu lassen. Ich habe damals Computer-Animation und Graphik-Design studiert, irgendwie hat es mich aber ins medizinische Feld verschlagen.“

So gibt Arizona untertags die ordentliche Transkriptionistin in einer Arznei-Firma, nachts aber wird sie zur Popart-Künstlerin, die mit Pinsel, Meisel und sogar Tortenglasur ihre wildesten Fantasien auslebt. In ihren Händen werden unschuldige Puppen zu Zombies, Gummibälle zu schaurigen Spielzeugwaffen.

Die Seattler Künstlerin ist über die Website auf Red Bull Art Of Can gestoßen und war sofort inspiriert. „Wenn ich an Red Bull denke, denke ich an Energie und Flügel. Und was hat mehr Energie als die flinken Flügel eines Kolibris? Ich wusste also sofort, was ich machen will“, sagt sie.

Dafür musste sie hunderte von kleinen Kreisen aus Dosen ausschneiden und diese in Kleinstarbeit neu aneinanderkleben. Außerdem war es nicht leicht das Gewicht des Schmetterlings genau mit dem der Kolibris auszubalancieren, damit die Skulptur auch gerade hängt.

Was war aber die größte Herausforderung? „Das Zeitlimit“, antwortet Arizone grinsend, „Deadlines kann ich überhaupt nicht leiden.“



„Red Bull Exposed“
Jason Brzezinski
Lebt und arbeitet in Wadsworth, Ohio
Alter: 28
Beruf: Anlageberater

Wenn es um Kunst geht, fangen Jason Brzezinskis Augen an zu leuchten. „Sie fasziniert mich schon mein ganzes Leben lang“, sagt er. Und schaut man sich seine Skulptur „Red Bull Exposed“ an, wird schnell klar, welche Kunstströmung ihn am meisten begeistert: Film.

In Brzezinskis Sicht „ist die Kraft, Freiheit und Kreativität, die uns eine Kamera gibt, um das Leben einzufangen, teils spannender als die Realität selbst“. Ebenso spannend ist seine Skulptur. Eine Kamera mit Stativ und Filmrolle. Und sie funktioniert sogar, zumindest ansatzweise.

Die Rollen drehen sich und wenn man durch den Sucher blickt, prangt am Ende des Objektivs ein Red Bull Logo. „Ich wollte eben nicht nur eine statische Skulptur bauen, sondern etwas Interaktives schaffen“.

150 Dosen hat der 28-Jährige für das Projekt verwendet, ganz abgesehen von dem Monat an Arbeit, für das er sich Urlaub von seinem Job als Anlageberater genommen hat. In der Zukunft möchte Brzezinski die Kunst zu seinem Beruf erheben.

„Mich interessiert Bühnendesign für Theater und Fernsehen“, verrät er. Passt ja auch gut zu seiner Skulptur.




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