
Du bist heuer erstmals als Doppel-Skiflugweltmeister
in die Sommerpause gegangen - braucht man nach den ganzen Feiern mehr Urlaub
als sonst?
Nach der WM war es in der
Schule noch einmal so richtig stressig, erst danach habe ich das
Weltmeister-Gefühl so richtig genießen können. Aber ansonsten hat sich zum
Glück nur wenig geändert. Die Familie behandelt mich wie immer und schaut, dass
ich am Boden bleibe. Im Freundeskreis hat sich der Stellenwert ein bisschen geändert.
Mit dem Führerschein hast du nach der Saison eines
deiner privaten Ziele erreicht. Was hat dein Leben in den letzten Monaten mehr
verändert: die sportlichen Erfolge oder der Führerschein?
Der Führerschein - das ist eine neue Freiheit, dadurch
bin ich in den letzten Monaten viel mobiler und unabhängiger geworden. Jetzt
nehme ich mir einfach den Autoschlüssel, fahre selbst zum Training und muss
mich nicht mehr von den Eltern chauffieren lassen.
Zum Trainingsauftakt ist die Mannschaft heuer eher
ungewöhnliche Wege gegangen - zum Beispiel mit einem
Improvisationstheater-Workshop. Was bringt dir das denn fürs Skispringen?
Beim Workshop haben wir
Situationen aus dem Weltcup nachgespielt und gesehen, welchen Eindruck wir bei
den anderen hinterlassen. Die Übungen haben uns auch gezeigt, wie wichtig
selbstbewusstes Auftreten in vielen Situationen ist: Schon beim Aufwärmen muss
man der Konkurrenz zeigen, dass man gut drauf ist - auch wenn es vielleicht gar
nicht so ist.
Im Vergleich zu dir gilt Thomas Morgenstern im Team
ja als Draufgänger - wie hat sich das beim Schauspielen bemerkbar gemacht?
Morgi hat sich mit dem
selbstbewussten Auftreten schon ein bisschen leichter getan - man hat aber
gesehen, dass selbst er manchmal mehr Selbstvertrauen zeigen kann.
Euer Lehrer war Jonathan Briefs, der unter anderen
schon mit dem deutschen Comedian Dirk Bach zusammengearbeitet hat. Habt ihr
euch bei ihm für weitere Aufgaben als Darsteller empfohlen?
Unsere Hemmschwelle war
jedenfalls sehr niedrig und wir haben ihm angeboten, dass wir auch für eine
seiner Shows zur Verfügung stehen. Warten wir einmal ab, ob er dieses Angebot
auch wirklich annehmen wird.
Momentan wird für solche Auftritte wohl wenig Zeit
sein. Immerhin hat in Hinterzarten bereits der Sommer-Grand-Prix begonnen. Dein
Erwartungen?
Ich sehe den Sommer-Grand-Prix
als gute Vorbereitung, weil man ähnlich wie im Winter über einen längeren
Zeitraum konstant gute Leistungen bringen muss, um vorne dabei zu sein. Ich
mache mir zwar keinen Druck und muss nicht unbedingt gewinnen. Aber ich möchte
schon zeigen, dass ich in guter Form bin.
In welchen Bereichen besteht Aufholbedarf, damit du
wieder bei deiner WM-Form aus dem Vorjahr bist?
Das ist schwer zu sagen,
aber mit der Vorbereitung bin ich bis jetzt sehr zufrieden. Es gibt aber
natürlich immer Dinge, die man verbessern kann. Heuer haben wir im Training
sehr viel Wert auf die Landung gelegt. Es ist eine eigene Kunst, den Telemark
auch bei hohen Weiten schön zu setzen, und gerade bei der Landung kann man viele
Punkte verlieren.
Im Vorjahr habt ihr der Konkurrenz nur wenig Siege
überlassen und euch dabei gut abgesprochen: Morgi hat den Gesamtweltcup
gewonnen, du hast bei der WM abgeräumt. Was ist für heuer geplant?
Darüber haben wir heuer
noch gar nicht geredet, aber unsere Ziele sind wahrscheinlich sehr ähnlich.
Seit dem Weltmeistertitel sind meine Ziele gewachsen: Bei der WM in Liberec
will ich um die Medaillen mitspringen und ein Sieg bei der Vierschanzentournee
fehlt auch noch. Ich war schon zweimal Halbzeit-Führender, jetzt will ich auch
einmal am Ende vorne sein.