Samstag 22.November 2008 | 08:18
Sports / Skijumping

Von Clara Fall am 02.08.2008

Der Führerschein hat sein Leben mehr verändert als der WM-Titel. Sagt Superadler Gregor Schlierenzauer im großen Sommer-Interview.


Du bist heuer erstmals als Doppel-Skiflugweltmeister in die Sommerpause gegangen - braucht man nach den ganzen Feiern mehr Urlaub als sonst?
Nach der WM war es in der Schule noch einmal so richtig stressig, erst danach habe ich das Weltmeister-Gefühl so richtig genießen können. Aber ansonsten hat sich zum Glück nur wenig geändert. Die Familie behandelt mich wie immer und schaut, dass ich am Boden bleibe. Im Freundeskreis hat sich der Stellenwert ein bisschen geändert.

Mit dem Führerschein hast du nach der Saison eines deiner privaten Ziele erreicht. Was hat dein Leben in den letzten Monaten mehr verändert: die sportlichen Erfolge oder der Führerschein?
Der Führerschein - das ist eine neue Freiheit, dadurch bin ich in den letzten Monaten viel mobiler und unabhängiger geworden. Jetzt nehme ich mir einfach den Autoschlüssel, fahre selbst zum Training und muss mich nicht mehr von den Eltern chauffieren lassen.

Zum Trainingsauftakt ist die Mannschaft heuer eher ungewöhnliche Wege gegangen - zum Beispiel mit einem Improvisationstheater-Workshop. Was bringt dir das denn fürs Skispringen?
Beim Workshop haben wir Situationen aus dem Weltcup nachgespielt und gesehen, welchen Eindruck wir bei den anderen hinterlassen. Die Übungen haben uns auch gezeigt, wie wichtig selbstbewusstes Auftreten in vielen Situationen ist: Schon beim Aufwärmen muss man der Konkurrenz zeigen, dass man gut drauf ist - auch wenn es vielleicht gar nicht so ist.

Im Vergleich zu dir gilt Thomas Morgenstern im Team ja als Draufgänger - wie hat sich das beim Schauspielen bemerkbar gemacht?
Morgi hat sich mit dem selbstbewussten Auftreten schon ein bisschen leichter getan - man hat aber gesehen, dass selbst er manchmal mehr Selbstvertrauen zeigen kann.

Euer Lehrer war Jonathan Briefs, der unter anderen schon mit dem deutschen Comedian Dirk Bach zusammengearbeitet hat. Habt ihr euch bei ihm für weitere Aufgaben als Darsteller empfohlen?
Unsere Hemmschwelle war jedenfalls sehr niedrig und wir haben ihm angeboten, dass wir auch für eine seiner Shows zur Verfügung stehen. Warten wir einmal ab, ob er dieses Angebot auch wirklich annehmen wird.

Momentan wird für solche Auftritte wohl wenig Zeit sein. Immerhin hat in Hinterzarten bereits der Sommer-Grand-Prix begonnen. Dein Erwartungen?
Ich sehe den Sommer-Grand-Prix als gute Vorbereitung, weil man ähnlich wie im Winter über einen längeren Zeitraum konstant gute Leistungen bringen muss, um vorne dabei zu sein. Ich mache mir zwar keinen Druck und muss nicht unbedingt gewinnen. Aber ich möchte schon zeigen, dass ich in guter Form bin.

In welchen Bereichen besteht Aufholbedarf, damit du wieder bei deiner WM-Form aus dem Vorjahr bist?
Das ist schwer zu sagen, aber mit der Vorbereitung bin ich bis jetzt sehr zufrieden. Es gibt aber natürlich immer Dinge, die man verbessern kann. Heuer haben wir im Training sehr viel Wert auf die Landung gelegt. Es ist eine eigene Kunst, den Telemark auch bei hohen Weiten schön zu setzen, und gerade bei der Landung kann man viele Punkte verlieren.

Im Vorjahr habt ihr der Konkurrenz nur wenig Siege überlassen und euch dabei gut abgesprochen: Morgi hat den Gesamtweltcup gewonnen, du hast bei der WM abgeräumt. Was ist für heuer geplant?
Darüber haben wir heuer noch gar nicht geredet, aber unsere Ziele sind wahrscheinlich sehr ähnlich. Seit dem Weltmeistertitel sind meine Ziele gewachsen: Bei der WM in Liberec will ich um die Medaillen mitspringen und ein Sieg bei der Vierschanzentournee fehlt auch noch. Ich war schon zweimal Halbzeit-Führender, jetzt will ich auch einmal am Ende vorne sein.


Gregor Schlierenzauer und seine neue Freiheit. Letzte Saison kürte er sich mit 18 zum jüngsten Skiflugweltmeister aller Zeiten. Dass er jetzt den Führerschein hat, veränderte sein Leben aber mehr.


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