
Es klingt wie eine inszenierte Stuntszene aus Hollywood, ist aber „made in Salzburg“: Paul Steiner klettert in 1.800 Metern Höhe aus dem Cockpit eines Blanik-Segelfliegers, hält sich beim Sturzflug an dessen Tragfläche fest. 200 Höhenmeter tiefer, mit 160 km/h und 2G Belastung, reißt der Pilot des Aigener Segelkunstflug-Teams Blanix das Ruder nach oben und dreht auf den Rücken. Diese Sekunden sind für Steiner entscheidend, wie in Zeitlupe erinnert er sich daran zurück: „Das Timing ist ausschlaggebend. Ich musste genau im richtigen Augenblick die Seite der Tragfläche wechseln, um nicht den Halt zu verlieren.“
Der Stunt glückt, Steiner sitzt wie ein Reiter auf der Unterseite des Flugzeugs. „Zu Beginn war ich sehr angespannt, aber als ich es auf den Bauch des Blanik geschafft hatte, war das Gefühl überwältigend“, beschreibt er seine Emotionen nach dem spektakulären Manöver. Als zusätzliche Einlage begleitet ihn ein zweiter Blanik im Spiegelflug. Erst danach springt der Salzburger mit dem Fallschirm sicher in die Tiefe.
Was in Worten relativ einfach erklärt ist, ist natürlich in der Luft ein einzigartiges Husarenstück: „Für den Piloten war es enorm schwierig, die Kontrolle über das Flugzeug zu behalten. Die ursprüngliche Aerodynamik war durch mich gestört, der gesamte Blanik vibrierte stark. Dadurch brauchte ich sehr viel Kraft, denn im falschen Moment den Halt zu verlieren, wäre nicht ratsam“, brachte es Steiner auf den Punkt.
Warum der gelernte Schlosser in seiner Freizeit dennoch lieber auf Flugzeugen als im Park spazieren geht? „Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Das Blanix-Team bezweifelte zwar die Durchführbarkeit dieses Manövers, aber mein Motto ist ‚Sag niemals nie‘", schmunzelte der 45-Jährige, der schon 3.000 Absprünge auf seiner Visitenkarte stehen hat.
Nach diesem Stunt, der ein dreiviertel Jahr lang unter dem Codenamen „Akte Blanix“ akribisch vorbereitet wurde und schon im ersten Anlauf geglückt ist, wird bereits die nächste Aktion geplant: „Das ist streng geheim, aber 2009 werden wir noch einen Schritt weiter gehen“, verrät Steiner – ein Quantum Trost also für all jene Kinogeher, die im neuen James Bond keine gleichwertige Action finden werden.
Und hier gibt's noch ein ausführliches Interview mit Paul Steiner.