
Formel-1-Star Mark Webber schreibt über seine "Tour Tortur" daheim in Australien.
Ich finde ja, dass ein Kajak zu den meist geschätzten Besitztümern zählt, und ein friedlicher und geruhsamer Winter so ganz und gar nicht den Vorstellungen eines Fahrers des Teams Red Bull Racing Teams entspricht. Darum muss die Zeit bis zum Beginn der Grand Prix-Saison im kommenden März sinnvoll genutzt werden.
In der Vorwoche war ich bei der Pure Tasmania Challenge am Start.
Das Event ging natürlich in Tasmanien, bekannt als Australiens Abenteuer-Hochburg, über die Bühne. Die Prüfung bestand aus einer siebentägigen nervenaufreibenden Folter. Als Teilnehmer ist jener Menschentyp angesprochen, der nicht einmal die Zeit findet, ein neues Sofa aus der Verpackung zu nehmen - Cellophan und Kartonage sitzen deshalb alleine vor dem Fernseher.
An jedem Tag stand ein Mix aus Fahrradfahren, meist im Gelände, Laufen und Kajakfahren auf dem Programm. Eine Tagesetappe war bis zu 80 Kilometer lang. Das heißt: Bei diesem Event handelte es sich wahrhaftig um Sport und keineswegs um eine Publicity-Show. Publicity an sich war dennoch willkommen, denn es ging in erster Linie darum, Geld für wohltätige Zwecke aufzutreiben.
Die Herausforderung begann am Cradle Mountain, wo das 60köpfige Startfeld, darunter drei Olympioniken, die erste Etappe in dem Bewusstsein anging, dass insgesamt 450 Kilometer vor ihm lag. Abgesehen von den körperlichen Anforderungen war bei diesem Event auch ein wenig Hirnschmalz gefragt, denn Kartenlesen und andere Formen der Orientierung zählten mit zum täglichen Arbeitspensum.
Für mich war es ein kleiner Schock, da wir Formel-1-Fahrer doch normalerweise lediglich auf deutlich markierten Pisten einige Male korrekt am Lenkrad drehen müssen.
Doch der Siegeswille ist bei uns auch abseits der Rennstrecken extrem ausgeprägt. Einmal sorgte ich bei meinen Kontrahenten für Gelächter, nur weil ich von einem Floß auf ein anderes sprang, weil mir das Ding ein wenig schneller vorankam. Ein Konkurrent meinte, dass ich es nur wegen des anstehenden Mittagessens so eilig hatte.
Am 23. November endete der Event mit einigen "städtischen Herausforderungen", wobei elf Kilometer mit dem Fahrrad zurückgelegt werden mussten sowie sechs weitere an Bord eines Kajaks. Danach ging es um eine wirklich ungewöhnliche Aufgabe - das Abseilen vom Wrest Point Casino Tower, der zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der tasmanischen Hauptstadt Hobart zählt. Das Ziel wurde anschließend nach einem Lauf durch die City erreicht.
Obwohl es für mich zum Tagwerk zählt, ein F1-Auto mit wahnsinnigem Tempo zu bewegen, bin ich kein Freund großer Höhen. Das Abseilen war bei diesem Event jedenfalls nicht meine Lieblingsaufgabe.
Gesamtsieger wurde ein verheiratetes Team - die neuseeländischen Eheleute Richard und Elina Ussher.
Ich bin auf jeden Fall stolz, den Event vom Anfang bis zum bitteren Ende gemeistert zu haben und innerhalb der ersten 50 Prozent der Starter ins Ziel gekommen zu sein.
Bis bald,
Euer Mark
Die perfekte Vorbereitung auf die nächste Formel 1-Saison