
Kreiselturbinen oder Propeller, die sich mit hoher Geschwindigkeit im Wasser bewegen, verursachen Kavitation: Der Wasserdruck sinkt so weit, dass das Wasser an den Stellen, an denen es den sich schnell bewegenden Körper berührt, verdampft - und das schon bei weit niedrigeren Temperaturen als den dafür normalerweise nötigen 100 Grad.
Beim Red Bull Cliff Diving in St. Gilgen reichten dafür zum Beispiel 21 Grad Celsius (69,8 Fahrenheit) - die aktuelle Wassertemperatur des Wolfgangsees. Die zwölf besten Klippenspringer der Welt knallten nämlich aus einer Absprunghöhe von 27,5 Metern mit 90 km/h auf die Wasserfläche. Die Luftblasen, die jeweils ein bis zwei Sekunden nach ihrem Eintauchen aufstiegen, waren die so genannten Sekundärspritzer - und das Resultat von Kavitation.
Orlando Duque unschlagbar. Die 5.500 Zuschauer der ungewöhnlichen Flugshow waren allerdings weniger an seltenen physikalischen Phänomenen interessiert als an der Performance der Springer. Von rund 1000 Fischerbooten, Flößen, Kanus, Luftmatratzen oder sonstigen schwimmenden Konstruktionen aus verfolgten sie die Leistungen von Orlando Duque, dem neunfachen Weltmeister, und seinen Konkurrenten. Trotz der starken Konkurrenz aus acht Ländern gewann der Kolumbianer auch diesen Event. Im finalen Durchgang brachten ihm ein dreifacher Rückwärtssalto und eine zweifache Schraube gehechtet die Tageshöchstwertung von 343,70 Punkten.
Schlieri: „Hat nichts mit Schwimmbadspringen zu tun". Von Duques Performance waren auch prominente Zaungäste aus mehr oder weniger verwandten Sportarten begeistert: Kampfrichter Niki Stajkovic, selbst sechsfacher Olympiateilnehmer im Turmspringen, konnte kaum glauben, „wie sich die Sportart in den letzten drei Jahren weiterentwickelt hat". Und Gregor Schlierenzauer befiel schon beim Besichtigen der Absprungrampe „ein flaues Gefühl im Magen. Beim Skispringen habe ich wenigstens Schuhe und Skier, die mir Sicherheit und Halt geben."
Die versunkene Braut. Die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen von Red Bull Cliff Diving blieben übrigens nicht ungenützt: Am Heimweg von der Veranstaltung musste das Wasserrettungsteam eine Braut, die beim allzu ausgelassenen Feiern mit Brautkleid, Schleppe und Brautstrauß am Wolfgangsee Schiffbruch erlitten hatte, patschnass aus dem Wasser ziehen ...