
Sebastian Vettel wird mit dem Radlader in die Arena eingefahren, hoch oben in der Schaufel steht er, in 7 Meter Höhe. Er zieht den Gewinner der Tombola. Eine 250 KTM ist der Hauptpreis, der Glückliche hat ein Air Force One T-Shirt an. Damit können aber nur die fliegenden Jungs auf ihren FMX-Bikes gemeint sein, und sicher nicht der Formel1 Pilot. „Von Zeit zu Zeit fahre ich auch mal mit dem Motorrad, aber nicht oft und nur auf der Straße", so der Deutsche.
Jürgen Vogel, Schauspieler in der ersten Reihe der neuen deutschen Kinogeneration, sitzt in der Jury und ist für die Wertung „Show" verantwortlich. Eine schwere Aufgabe. Denn Vogel wird wohl bei einem Tsunami-Backflip genau so die Spucke wegbleiben wie bei einen No-Handed-Backflip. Was ist da nun mehr Show? Vielleicht die Gestiken der Rider als Bewertungskriterium heranziehen?
DTM-Pilot Martin Tomczyk will mit den Freestyle-Assen nicht tauschen. Mit einem VW Touareg (der auch bei der Dakar-Rallye zum Einsatz kommt) cruist er gemütlich im 75 Meter tiefen Steinbruch herum. Wo die Red Bull X-Fighters 10 Meter Luftstand haben, lenkt er den VW vorsichtig umher. „Ich bin fasziniert von diesen Kerlen und was sie mit ihren zwei Rädern anstellen. Respekt. Ich würde mich auf zwei Rädern ganz und gar nicht wohl fühlen. Für mich sind vier Räder klar besser!"
Die Stars sind die Rider auf ihren Maschinen.
Denn wer zum ersten mal einen Cliffhanger-Backflip sieht, dem stockt zwangsläufig der Atem. Immer wieder schreien Männer auf, kreischen Frauen, wenn eine Whip so extrem ausfällt, das der Fahrer fast schon Up-Side-Down, also mit dem Kopf unter dem Motorrad, ist.
Man glaubt, sie seien außer Kontrolle, blickt weg oder schleißt die Augen - man will den Sturz nicht sehen. Aber die Jungs landen. Immer. Wenn nicht? Was da passieren könnte, daran will man eigentlich nicht denken.
Vor ihren Läufen heizen die Fahrer die Stimmung auf, drehen ein paar Runden in der Arena, bleiben vor den Tribünen stehen und geben im Leerlauf ordentlich Gas, strecken ihre Faust in die Höhe. Die Motoren brüllen auf, das Publikum tut es den Maschinen gleich.
Kein
Trip-Hop, kein Easy-Listening. Metall, Rock und Punk dröhnt aus den
Boxentürmen während der Läufe der Rider. Es pusht sie, setzt sie zusätzlich unter Strom.
Zu "Thunderstorm" von ACDC, oder "Blitzkrieg Pop" von den Ramones zeigen sie in 90 Sekunden eine Stuntshow der Extraklasse.
Der Speaker ist trotz all seiner Routine von den Läufen noch immer
so beeindruckt, dass er schon mal alle Regeln der Grammatik vergisst.
Es ist ein Zirkus, und die Jungs auf den Motorrädern sind Artisten, Clowns und Löwenbändiger in einer Person.
40 Jahre alte schwer tätowierte Hooligans werden auf den
Rängen zu kleinen Kindern, denen das Eis schmilzt und auf die Hose tropft, weil
sie anstatt zu schlecken, nur noch auf diese total irren Männchen auf ihren
fliegenden Mopeds starren können.
"Was tun diese Freaks da unten nur? Wissen die nicht, dass sie sich jeder Zeit den Hals brechen könnten? Cool sind sie aber, die Jungs! Mann, wie gerne wäre ich da unten, und würde die Menge zum Ausraten bringen... Inge, vergiss das mit dem neuen Kombi, ich kauf mir ein Motorrad!"
Der Faszination aus scheinbar unkontrollierbarem Risiko und gleichzeitig überlebensnotwendiger Präzision kann man sich nur schwer entziehen.
Die Red Bull X-Fighters sind eine wahnwitzige Show.
Doch nicht Promis, Feuerwerk oder Afercontest-Partys machen es zu dieser. Es sind die Jungs auf den Motorrädern.
Respekt vor diesen wilden Kerlen