Samstag 22.November 2008 | 03:06
Culture / Music

Von Hubert von Goisern am 04.08.2008

Hubert von Goisern über die Tristesse deutscher Industriegebiete, die daraus resultierende Realitätsflucht und die Ankunft des Soul-Barden Xavier Naidoo.


„Songs are like dreams, and you try to make them come true. They are like strange countries that you have to enter. You can write a song anywhere, in a railroad compartment, on a boat, on horseback – it helps to be moving. Sometimes people who have the greatest talent for writing songs never write any because they are not moving."
(Bob Dylan, Chronicles)

Der Tag beginnt wolkenverhangen. Umgeben von Industriebauten, die in ihrer sonntäglichen Ruhe noch lebloser wirken als sonst, liegen wir vertäut in einem Seitenbecken des hiesigen Hafens, in einem betongrauen Niemandsland mit Kaimauern so hoch, dass man den Kopf in den Nacken legen muss, um den Himmel zu sehen. Außer uns sind die einzigen atmenden Wesen drei Enten, die in der Hoffnung auf essbare Abfälle um das Schiff paddeln. Nicht einmal Möven verirren sich hierher.

Irgendwo in der Nähe braust unsichtbar, aber umso geräuschvoller, alle paar Minuten eine S-Bahn oder ein Zug durch. Tristesse pur. Angesichts dessen vertiefe ich mich lieber in einen Roman von Martin Suter und entfliehe, es seinen Protagonisten gleichtuend, der Realität. Mit fortschreitender Stunde lösen sich die Wolken auf und die Sonne beginnt zu brüten. Wir vergehen fast in der windstillen Betonwanne, die unser Schiff umschließt.

Holger und Annette bekommen heute einen freien Tag, und so gehen wir gegen Abend in kleinen Gruppen Richtung Stadt, um unseren Hunger zu stillen. Gerade als wir aufbrechen, trifft Xavier mit seinen Freunden ein.


Auch Marie Daulne, ihres Zeichens Zap Mama - Frontfrau, wird für drei Konzerte in den Niederlanden an Deck kommen.
© Petra Hinterberger


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