
Um 10 Uhr verlassen wir endlich den charmelosen Liegeplatz und fahren zum Spielort. Journalisten und Fotografen bevölkern das Schiff. Alle sehr nett, aber ich muss mich zwingen, nicht gleich wieder die Flucht in meine Kabine anzutreten, als ich sie sehe.
Die Zeitung und ich. Die Medien sind so eine zwiespältige Sache. Einerseits lese ich selber gern Zeitung, andererseits geht mir überhaupt nichts ab, wenn ich, wie jetzt, schon seit Wochen keine mehr aufgeschlagen habe. Einerseits bin ich mir der Notwendigkeit bewusst, die Menschen auf mein Tun aufmerksam zu machen, andererseits stehe ich auf dem Standpunkt, mit meiner Musik, meinem Tun, auf meinen Konzerten eh alles zu sagen.
Am Nachmittag proben wir die gemeinsamen Stücke mit Xavier, Andi, Marlon und Timir. Proben ist zu viel gesagt, wir spielen sie genau einmal durch. Aber die Band hatte ja schon vor zwei Wochen ausgiebig mit Xavier zusammen geprobt und jenen Auftritt in Mainz mit Bravour bewältigt, an dem ich nicht anwesend sein konnte. So bin in erster Linie ich es, der Nachholbedarf hat. Vor allem bei jenen Stücken von Xavier, bei denen ich mitmache: „Was wir alleine nicht schaffen“ und „Was wird mich erwarten“.
Schwierige Voraussetzungen. Die Location ist eine Herausforderung. Das Publikum sitzt 50 – 60 Meter weit entfernt. Xavier zuckt darob nur mit der Schulter, sieht es als besondere Herausforderung und schafft es scheinbar mühelos, einen Kontakt aufzubauen. Er ist großartig.
Dann bin ich an der Reihe. Nach eineinhalb Stunden kommen Xavier und seine Musiker noch einmal auf die Bühne. Wir spielen ein fulminantes, fast eine stunde dauerndes, gemeinsames Set, das keinen unberührt lässt. Zusammen feiern wir noch bis in die Morgenstunden und nehmen mit dem Vorsatz, einander bald wieder zu sehen, Abschied voneinander.