Samstag 22.November 2008 | 08:29
Culture / Music / Blog

Von Hubert von Goisern am 08.08.2008

Von Arnheim nach Amsterdam: Hubert von Goisern schwärmt für Holland und bloggt über Brueghel’sches Licht, behördliches Mühsal und buchstäbliche Grenzerfahrungen.


Bei Tagesanbruch, etwa um 4 Uhr, brechen wir auf. Gleich nach Arnheim die erste Schleuse seit langem, seit dem Neckar. Die Landschaft gefällt mir gut. Zwischen den Buhnen sieht man Scharen von Gänsen, Enten und anderen Wasservögeln. Begleitet von Gekreische und Gequäke gleiten wir durch die hügellose, im wahrsten Sinne Nieder(en)lande.

An den Ufern der Wasserstraße weiden Pferde und Kühe, verstreut stehen reetgedeckte Bauernhöfe. Alles getaucht in Brueghel’sches Licht. Ein herrlicher Morgen. Die Sonne, ein roter Riese am Horizont.

Etwa 200 Zuhörer kamen in Arnheim zum Konzert. Nicht berauschend, aber immerhin. Ich will und darf mich nicht beschweren. Man kann sagen, wir machten Fluss-Straßen-Musik. Natürlich hätten wir uns einen freien Tag machen können, es war ja auch einer vorgesehen. Aber ein Tag ohne Konzert ist ein verlorener Tag.

So haben wir nichts unversucht gelassen und die Abwehr-Reflexe der Behörden geduldig überwunden. Am blödesten war der Polizeichef. Er war sich seiner Autorität offensichtlich so unsicher, dass er jedem seinen Ausweis buchstäblich unter die Nase halten musste. Ich musste mich sehr zusammenreißen, um die ganze Sache nicht abzublasen.

Seine Arroganz war unerträglich. Er stellte uns hin wie einen Haufen Kinder, die Ärger machen wollen. Er meinte doch glatt, bis 23 Uhr dürfen wir unseren Spaß haben, danach müssten wir alles aufräumen und auch den Müll der Zuschauer entsorgen.

Es war eine Grenzerfahrung der besonderen Art. Wie oft hab ich mir in der Vergangenheit schon gesagt, Menschen zwangsbeglücken, das mach ich nicht mehr. Hab ich auch einen Reflex, einen Musizier-Reflex, einen akustischen Angriffs-Reflex?

Aber hey, ich hatte mein erstes Konzert in Holland. Das ist doch super. Heute kommt Marie von Zap Mama an Bord. Ich bin gespannt. Und heute spielen wir in Amsterdam! Das ist, zusammen mit Rotterdam, wo wir morgen sein werden, eines der großen Ziele dieser Reise.

Es wird dort auch nicht leicht sein. Aber es gibt zumindest einen lokalen Veranstalter, der behördliche Bedingungen im Vorfeld (hoffentlich) geklärt hat, und der sich (hoffentlich auch) um eine Vorberichterstattung gekümmert hat.

Wie gesagt: Grenzerfahrungen.


Hubert von Goisern beim Spontan-Gig in Arnheim.
© Petra Hinterberger


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