Samstag 22.November 2008 | 08:49
Culture / Music / Blog

Von Hubert von Goisern am 23.08.2008

Auf dem Weg nach Köln: Seit schon 26 Stunden sitzt Hubert von Goisern in seiner Kabine und bloggt über Probleme mit dem Schiff und den guten Geist der Wallsse.


Im klaren herbstlichen Morgenlicht ragen Industriebauten und ein qualmendes Kraftwerk apokalyptisch in den Himmel. Seit 26 Stunden sind wir unterwegs. Außer einem zweistündigen Tankstop hatten wir keinen Aufenthalt und doch liegen noch 100 Kilometer zwischen uns und Köln. Das Bergwärtsfahren fordert unserem Schubschiff das Letzte ab. Die Motoren pfeifen aus dem letzten Loch. Wir machen mit Ach und Krach sechs Kilometer in der Stunde. Die Backbordmaschine leckt Öl und Siegi, der eigentlich an Bord ist, um die komplexe elektronische Anlage und Datenverarbeitung zu betreuen, muss sich immer wieder um sie kümmern; das Schicksal des technischen Genies.

Kühlung, Keilriemen, Hydraulikpumpe, Dichtungen, Sicherungen, undichte Seeventile, durchgerostete Siebe, die Radaranlage, Scheinwerfer bis hin zur Klospülung ... Es gibt kaum etwas, was er auf der Wallsee noch nicht repariert hat. Meistens während der Fahrt, bei dröhnendem Lärm und sengender Hitze im Maschinenraum. Denn da die Kühlung nur über Ventilatoren funktioniert, heizen sich Wände und Boden derart auf, dass man sich verbrennt, wenn man sie berührt. Dasselbe gilt für länger abgelegtes Werkzeug.

Die Wallsee ist ein Oldtimer und hat Charme. Aber wie es eben ist mit Oldtimern, sie wollen gepflegt und gehegt werden. Wir können nur hoffen, dass sie auch die letzten zwei Wochen noch tapfer durchhält. Der heilige Nepomuk, Patron aller Schiffe, stehe ihr und uns bei.


Auf der Reise nach Köln, Grüße vom Ufer.
© Petra Hinterberger


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