Samstag 22.November 2008 | 05:26
Culture / Science

Von RedBulletin am 22.08.2008

Herbert Resch ist Rektor der einzigen medizinischen Privatuniversität in Österreich. Dass es diese überhaupt gibt, ist seiner Entschlossenheit zu verdanken.


„Mein Lebenswerk? Das könnte ich so nicht sagen." Nur kurz ist Prof. Herbert Resch leicht irritiert, um sich sofort ernsthaft mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Wenn er etwas macht, dann gründlich, und wenn er nach Wert und Wichtigkeit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in seinem Leben gefragt wird, dann müssen schon ein paar Gedankengänge mehr drinnen sein.

Obwohl es ja vielleicht etwas zu früh ist, einen 58-Jährigen quasi zu einem Lebensresümee zu zwingen. Drum also: „Es ist ein Baby, das mir ans Herz gewachsen ist, das jetzt laufen gelernt hat und nach wie vor hoch schutzbedürftig ist."

„Baby" - ja, das passt. Denn zu Beginn hatte Herbert Resch lediglich eine Vision. Und ohne seinen unermüdlichen Einsatz hätte Salzburg noch heute keine medizinische Fakultät. Vierzig Jahre lang, sagt er, hätten Politiker immer wieder eine öffentliche medizinische Universität versprochen. Vierzig Jahre lang sei nichts weitergegangen.

„Wir konnten es schon nicht mehr hören!" Wir, das sagt er gerne, denn als Einzelkämpfer möchte er sich nicht sehen. Ohne Team und Teamgeist wäre nichts gegangen. Aber Herbert Resch war einer der vehementesten Kämpfer für die Idee des Uni-Standortes Salzburg. Immerhin war 1993 die Aussicht auf eine Medizin-Uni ein wesentlicher Beweggrund für den gebürtigen Steirer, als Leiter der Unfallchirurgie ans LKH Salzburg zu wechseln.

Da hatte er sich längst schon einen Namen als Schulterchirurg gemacht und einige Operationsmethoden entwickelt, die allesamt nach ihm benannt sind. Aber sich jetzt deswegen zurücklehnen, das würde wohl kaum in die Lebensphilosophie des Arztes passen. „Alles geht weiter. Alles entwickelt sich. Man muss ein Leben lang immer lernen."

Übrigens ein Grundsatz, der nicht nur für den Professor selbst gilt, sondern einer, der den Studenten auf der Paracelsus-Uni so lange eingeprägt wird, bis sie ihn als Teil ihres Denkens betrachten. Dass dazu für ihn plötzlich auch die Kunstfertigkeit, private Sponsoren aufzutreiben, gehört, hätte sich Resch wohl in den Anfängen seiner Uni-Bemühungen nicht gedacht.



Noch glaubte man den Regierungsversprechungen. Und hoffte auf öffentliche Vollfinanzierung. Bis Herbert Resch 1998 in einer Chefarztklausur zum Thema „Uni in Salzburg" sprichwörtlich der Geduldsfaden riss. Schluss damit, sich allein auf den Staat zu verlassen! Treiben wir doch selber einen Teil des Geldes auf. Machen wir einfach halbe-halbe und zwingen damit den Staat zum Handeln, so sein Vorschlag.

Und weil immer der, der aufzeigt, auch der ist, dem man gerne die Verantwortung gibt, verließ er die Sitzung mit dem Auftrag, sich um Sponsorengelder zu kümmern. „Da habe ich dann gesehen, wie schwer es wirklich ist, Geld aufzutreiben."

Aber sich unterkriegen zu lassen war nicht drinnen. Also holte er sich Rat von Dekan Anthony J. Windebank von der Mayo Medical School in Minnesota/USA, die komplett privatfinanziert den Ärztenachwuchs ausbildet. Ein Jahr später wurde die „Stiftung medizinische Schule Salzburg" gegründet, in die 50 Menschen aus dem Klinikum je 10.000 Schilling (ca. 730 Euro) einzahlten, die restlichen 500.000 Schilling waren vom Land Salzburg versprochen. Nach der Regierungsumbildung im Jahr 2000 hieß es allerdings wieder einmal: Geld - leider nein! Sparen, sparen, sparen! „Da wussten wir: Entweder wir warten jetzt noch einmal vierzig Jahre, oder wir gehen einen komplett neuen Weg."

Die Paracelsus Medizinische Universität. Um die neue medizinische Privatuniversität auf die Beine zu stellen, wurden 25 Millionen Euro für die ersten fünf Jahre budgetiert. Ein Drittel davon übernahmen Stadt und Land Salzburg, ein Drittel musste über Sponsoren finanziert werden, und das restliche Drittel wollte man über Studiengebühren und Forschungsaufträge hereinbekommen. Aber erst als ein Sponsor eine Ausfallshaftung über zwei Millionen Euro jährlich bis 2018 garantierte, war man finanziell auf der sicheren Seite. „Es war wunderbar. Zu Beginn hatten wir ja nur eine Vision, und plötzlich hat sie funktioniert."

Auch philosophisch und inhaltlich war klar, dass man sich von den öffentlichen Unis unterscheiden musste. „Wir wollten eine neue Marke schaffen. Geringe Studentenzahl, die aber dafür ganz besonders ausbilden."

Nur 42 Studenten werden seit dem Startschuss 2003 pro Jahr aufgenommen. Da sich an die 650 Interessenten bewerben, ist das Auswahlverfahren dementsprechend streng. Dafür aber auch die Drop-out-Quote extrem niedrig. Denn wer sich für die Paracelsus Medizinische Universität entscheidet, weiß, was er will: schnell, konzentriert undzielgerichtet fertig werden, da die Studienzeit mit fünf Jahren um ein Jahr kürzer ist als an der öffent­lichen Uni. Und man muss dafür jährlich mittlerweile 9500 Euro aufbringen.

Klingt fast nach einer Elite­-Schmiede à la Großbritannien. „Jede Gesellschaft braucht eine Avantgarde, damit sie sich weiterentwi­ckelt. Also ein Ja zur Elite, aber nur einer geistigen. Auf keinen Fall einer finanziellen, das würde meiner Geisteshaltung komplett widersprechen. Darum ha­ben wir ein sehr effizientes Stipendiensystem erar­beitet."

In welchem Ausmaß eine Studentin bzw. ein Student unterstützt werden, richtet sich nicht nur nach ihrer respektive seiner sozialen Herkunft, son­ dern auch nach der Anzahl der Geschwister und sonstigen familiären Besonderheiten. „Jeder soll sich bei uns bewerben. Schafft er es, schaffen wir es auch, dass er sich das leisten kann."


Der Campus. Mitten in Salzburg wurde in den letzten fünf Jahren ein eigenes Uni-Gelände errichtet.

Intensiver Patientenkontakt. „Als ich im Internet von den Studiengebühren der PMU gelesen habe, war ich leicht geschockt." Sarah Lengauer, 23, muss­te 2003 lange nach der Salzburger Uni googeln. Um ihr das Studium zu finanzieren, hätte damals die ge­ samte Familie zusammengelegt, da war das Teilsti­pendium eine große Erleichterung. Trotzdem hat die Absolventin des ersten Jahrgangs nebenher noch gejobbt. Bei einem Catering, einer Info­Hotline und mit Sitzwachen im Krankenhaus auf der Psychiatrie.

„Man arbeitet hier überhaupt in sehr engem Kontakt mit den Patienten. Das ist ein großer Vorteil, da man auf den Berufsalltag besser vorbereitet wird." Lehrbücher gut und schön, aber der reale Patient kommt nicht mit den ideal definierten Symptomen ins Krankenhaus. Und live ist auch eine Geburt alles andere als eine theoretische Abhandlung. „Meine erste Geburt war so ein ergreifendes Erlebnis, dass ich mich auf Gynäkologie spezialisiert habe", so Sarah Lengauer.

Auch Christoph Griessenauer, 24, hatte schlussendlich dann Spaß am intensiven Patientenkontakt. „Ich bin nicht so zugänglich, habe aber gelernt, nicht so steif zu sein." Der Leoganger promovierte als Bes­ ter des ersten Jahrgangs und übersiedelte im Som­ mer mit einem Fix­Vertrag für ein Jahr Forschung an die Mayo­Universität in den USA. In den Staaten will er sich später zum Neurochirurgen ausbilden lassen, dafür hat er bereits in Salzburg nebenbei die amerikanischen Zulassungsprüfungen absolviert.

Hohe soziale Kompetenz. Insgesamt 38 „neue" Doktoren dürfen von sich behaupten, als die ersten Stu­ denten der PMU Pionierarbeit geleistet zu haben. An ihnen hat man erfahren, wo das Uni­Konzept noch etwas hapert, worauf man mehr Wert legen soll und worauf weniger. Und wo, glaubt man da als Rektor, werden diese besonderen Schützlinge in zehn Jahren stehen? Prof. Resch: „Zehn Jahre sind wenig in der Medizin. Die braucht man, um den Sprung zur Karriere vorzubereiten."

Aber wünschen wird man sich doch was dürfen? „Also gut: Zwei Drittel sehe ich in­ ternational und national in führenden Positionen. Der Rest wird sich der Forschung widmen. Und alle werden durch Vernetzung und wissenschaftliches Ar­beiten weiterhin mit uns in Kontakt stehen."

Vor allem aber werden alle eine sehr hohe soziale Kompetenz in den Berufsstand Arzt einbringen. Zum einen muss jeder, noch bevor er sein Studium an der PMU beginnt, ein einmonatiges Sozialpraktikum machen. Zwingend. Zum anderen zählt der respektvolle Umgang mit Patienten und Kollegen zu den wichtigsten Basics, die man den Studenten mit auf den Weg geben will. „Denn", so Prof. Resch, „Arroganz hat keinen Platz bei uns."


Spondeo: Der erste Jahrgang der Paracelsus Universität bei der Promotion im Hangar-7.


Paracelsus Medizinische Universität
Von Racebarb am 02.09.08 17:23
Eine tolle Idee, innovativ und großartig. Ich wünsche Dr. Resch und seinem Team, allen Studenten viel Erfolg und hoffe, dass dieser Weg Schule macht. Aus einer Vision wird eine Passion - diese Passion brauchen wir alle für unsere Arbeit. Egal was wir tun. Nur so sind wir gut.

 
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