Samstag 22.November 2008 | 03:27
Culture / Music / Blog

Von Hubert von Goisern am 22.08.2008

Der Schiffstacho zeigt Kilometer 976, Hubert von Goisern hat den Wendepunkt seiner Reise erreicht. Im Blog zieht er ein erstes Resümee und schwärmt vom Dordrecht-Konzert.


„Wäre jede Handlung einmalig, gäbe es keine Möglichkeit einer moralischen Bewertung. Einmaligkeit zu beanspruchen, ist deshalb auch die einfachste Strategie, um einer moralischen Bewertung zu entgehen.

Falls wir überhaupt moralische Kriterien – sei es an unseren Handlungen, sei es an der Geschichte – anlegen wollen, müssen wir deshalb notgedrungen mit dem Modell der Wiederholung arbeiten, das heißt voraussetzen, dass sich etwas durch die Wiederholung in Differenz zu sich selbst setzen kann.“ (Konrad Paul Lissmann – Ästethik der Verführung)

In Dordrecht, dort war es dann doch Recht. Nach all den Aufregungen und Befürchtungen gab es abends vor etwa 500 Zuschauern ein wirklich tolles Konzert.

Vielleicht waren es auch mehr, denn allein in den umliegenden Häusern standen auf Balkonen und in den Fenstern viele Menschen, die das Konzert mitverfolgten. Bei den ersten Tönen der „soliden Alm“ liefen einer Frau die Tränen über das Gesicht.

Überhaupt war dies das stimmigste Konzert des belgisch-niederländischen Tourabschnitts und ein würdiger Abschluss. Der Wind und die Wellen schaukelten uns zwar kräftig durch und nach einer halben Stunde begann es derart zu regnen, dass ich einen Abbruch fürchtete als das Wasser in Gischten über die Monitore und Mikrofone peitschte. Aber die Leute hielten ihre Stellung und wir auch. Es dauerte nicht lange, da wichen die nachtschwarzen Wolken einem dunklen Abendrot und auch der Regen endete.

Dordrecht markierte den Wendepunkt der Reise. Ja, wir waren in Rotterdam um ein paar Kilometer nördlicher und in Antwerpen einen hauch westlicher, aber seit heute sind wir auf der Rückreise.

Wir feierten bis lange in die Nacht hinein, doch als um 6 Uhr die Motoren angingen, stand ich schlaftrunken mit einer Tasse Tee am Dach des Küchencontainers und nahm Abschied von Dordrecht, vom Kilometer 976 des Rheins, der hier Merwede, ab 953 Waal und erst bei Kilometer 867 wieder zum Rhein wird.

Wir steuern auf unser nächstes Ziel zu: Kilometer 687 - Köln. 30 Stunden fahrt liegen vor uns.


Hubert und sein Team erkunden Dordrecht.
© Petra Hinterberger


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