Satoshi Nakamoto: Das anonyme Finanzgenie

Wer steckt hinter dem Namen Satoshi Nakamoto? Alle bisherigen Spekulationen gingen ins Leere. Oder doch nicht? 

1. November 2008. 1 Bitcoin = 0,00 US-$

„Ich habe an einem neuen, elektronischen Geldsystem gearbeitet, das vollständig im Peer-to-Peer-Verfahren funktioniert“, so beginnt der Eintrag, den die Mit­glieder einer obskuren Kryptographie-Mailingliste ­eines Morgens zugeschickt bekommen. Der Absender: ein gewisser Satoshi Nakamoto. Er beschreib­t eine neue Art von Währung, die auf einem Computernetzwerk und einem raffinierten Verschlüsselungssystem basiert. Nakamoto nennt dieses System Bitcoin. „Probiert es mal aus“, schreibt Nakamoto. In den folgenden Jahren werden Millionen Menschen genau das tun.

18. Mai 2010. 1 Bitcoin < 0,004 US-$

BITCOIN…

… ist ein anonymes und sicheres Zahlungsmittel im Netz, das 2008 aus dem Nichts geschaffen wurde. Mit dem Vertrauen in die digitale Währung stieg im Lauf der Zeit auch ihr Wert in „echtem“ Geld.

Bitcoin wird zum ersten Mal als Zahlungsmittel verwendet: Ein Mitglied des Forums bitcointalk.org lässt einem anderen zwei Pizzen liefern – im Tausch für 10.000 Bitcoins. (Nach heutigem Kurs wären das etwa 2,5 Millionen Dollar.) Satoshi Nakamoto lässt sich aber immer seltener online blicken. Bald zieht er sich komplett zurück. Und beantwortet keinerlei E‑Mails mehr. Der Mythos um den Bitcoin-Erfinder entwickelt ein Eigenleben.

10. Oktober 2011. 1 Bitcoin = 4,25 US-$ 

Der Autor Joshua Davis begibt sich für das Magazin „The New Yorker“ auf die Spur von Satoshi Nakamot­o. Davis’ Recherchen führen ihn zu Michael Clear, einem damals 23-jährigen Kryptographie-Studenten aus Irland. Doch der dementiert sofort: „Ich bin nicht ­Satoshi – und wenn ich es wäre, würde ich es nicht zugeben.“ Im Netz häufen sich die Spekulationen über Nakamotos Identität. Oder Identitäten. „Entweder hat daran ein Team von Experten gearbeitet“, meint der IT-Sicherheitsforscher Dan Kaminsky, „oder dieser Typ ist ein Genie.“

”Ich habe an einem neuen Geldsystem gearbeitet. Probiert es mal aus!“
Satoshi Nakamoto

30. November 2013. 1 Bitcoin = 1119,96 US-$

Der Informatik-Blogger Skye Grey kommt nach einer Schreibstilanalyse zu dem Schluss, dass es sich bei Nakamoto um Nick Szabo handeln muss, einen amerikanischen Professor, der schon in den 1990ern über Krypto-Währungen forschte und seinem Konzept damals sogar den Namen „bit gold“ gab. „Not Satoshi, but thank you“, richtet Szabo über Twitter aus.

6. März 2014. 1 Bitcoin = 657,02 US-$

Bitcoin

„In 20 Jahren wird es eine riesige Geldmenge in Bitcoins geben. Oder gar keine“

 

Eine Reporterin des Magazins „Newsweek“ behauptet, den echten Namen von Satoshi Nakamoto herausgefunden zu haben. Und der laute – Dorian Satoshi Nakamoto. So heißt ein Ingenieur japanischer Abstammung, der in Kalifornien lebt. Auch dieser dementiert sofort. Nur einen Tag später wird Satoshi Nakamotos Account bei einem Bitcoin-Forum plötzlich wieder aktiv – nach fast vier Jahren Funkstille. Er schreibt nur fünf Worte: „Ich bin nicht Dorian Nakamoto.“ Und verschwindet wieder.

5. April 2015. 1 Bitcoin = 257,03 US-$

In seinem Online-Profil hatte Nakamoto einmal ein ­Geburtsdatum angegeben: den 5. April 1975. Deshalb feiert die Bitcoin-Community jeden 5. April den Satoshi Nakamoto Day. Wer auch immer hinter ­diesem Namen steckt, besitzt übrigens noch etwa eine Million Bitcoins – derzeit etwa 250 Millionen Dollar. Bitcoin-Enthusiasten beteiligen sich aber ­immer ­seltener am Rätselraten – die meisten sähen es lieber, wenn das Geheimnis um Satoshi Nakamoto nie gelüftet würde: Schließlich ist die beste Galions­figur für ein anonymes Geldsystem ohne Zentralbank ein namenloser Erfinder, der mit seiner eigenen Kreation nichts mehr zu tun hat.

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07 2015 The Red Bulletin

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