Yes Men

”Wir müssen die Regeln der Wirtschaft ändern“

Bild: Corbis

Weltrettende Ja-Sager: Jacques Servin und Igor Vamo­s machen Satire. Aber dort, wo man sie nicht sofort erkennt: im echten Leben.

Jacques Servin und Igor Vamo­s hatten schon viele Jobs – Pressesprecher für Dow Chemical, Produktentwickler für Exxon­Mobil, Herausgeber der „New York Times“. Das Problem dabei: Die Unternehmen wussten nichts davon. Servin und Vamos sind die Yes Men. Sie machen Satire. Aber dort, wo man sie nicht sofort erkennt: im echten Leben.

THE RED BULLETIN: Ihr habt in den letzten Jahren mehrere unglaubliche satirische Knüller geliefert. Warum kaufen euch die Leute das alles ab?

YES MEN: Als wir als Dow Chemical ankündigten, das Richtige zu tun und Verantwortung für das Bhopal-Unglück zu übernehmen, war das eine „positive“ Ankündigung. Die Menschen wollten die Nachricht glauben, weil sie mit ihrem Empfinden von Gerechtigkeit übereinstimmte. Es war eine klassische Erlösungsgeschichte, die von einer Läuterung erzählte.

Und bei den eher schaurigen und düsteren Aktionen?

Da kommen andere Faktoren zum Tragen. Menschen neigen eher dazu, vermeintlichen Autoritäten und Experten zu glauben. Zudem passieren ständig furchtbare Dinge auf der Welt, was es leichter macht, ein weiteres furchtbares Ding zu glauben – und sei es noch so absurd.

Wie die beiden weltrettenden Ja-Sager versuchen, auf wahnwitzige und verrückte Art und Weise, die Welt zu ändern.

Ihr greift die Regeln des Wirtschaftssystems an, in dem wir leben. Was sollte sich ändern?

Wir müssen die ökonomischen Regeln ändern, nach denen der kurzfristige Profit über alles andere gestellt wird. Der Kapitalismus verlangt drei Prozent Wachstum, um nicht zusammenzubrechen. Aber wir haben nur einen Planeten und keine unendlichen Ressourcen. Wir müssen die Regeln so ändern, dass die Wirtschaft der Umwelt und den ärmsten Menschen zugutekommt.

Sind die „Opfer“ eurer Scherze nicht auch irgendwie Rebellen? Die kommen im echten Leben ja davon mit ihren Gaunereien.

Keinesfalls! Natürlich sind wir die Rebellen. Während unsere Satiren immer recht schnell aufgedeckt werden, erzählen die PR-Abteilungen uns jeden Tag ihre Lügen, ohne dass die entlarvt würden. Dagegen protestieren wir.

Yes Men: Hier als Dow Chemical Sprecher auf BBC, der die Verantwortung für die Katastrophe von Bophal übernimmt.

Dreimal Fake? Yes!

2004 
Am 20. Jahrestag des Unfalls im Dow-Chemical-Werk in Bhopal (Indien), bei dem tausende Menschen ums Leben kamen, übernimmt ein Konzernsprecher im TV die „volle Verantwortung“ für das Unglück. Dow Chemicals Aktienkurs stürzt ab.

2007 
Zwei Ver­treter von ExxonMobil stellen auf einer Konferenz das neueste Firmenprodukt vor: „Vivoleum“ – Öl, gewonnen aus mensch­lichen Leichnamen. 

2008 
Eine Woche nach Barack Obamas Wahlsieg wird eine „New York Times“-Ausgabe verteilt. Auf der Titelseite steht: Der Irakkrieg ist be­endet, und George W. Bush wird angeklagt.

 

Könnt ihr noch immer Aktionen durchführen, oder werdet ihr mittlerweile zu oft erkannt?

Es geht immer noch. Und wenn wir erkannt werden, ist es umso lustiger, zu beobachten, wie manche Leute versuchen zu intervenieren. In unserem neuen Film „The Yes Men Are Revolting“ sieht man Jacques sogar verkleidet. Es ist die schlechteste Verkleidung der Welt.

Wie haben sich eure Aktionen verändert, seit ihr vor 15 Jahren damit begonnen habt?

Anfangs haben wir nur improvisiert. Aus Spaß. Und weil wir wichtige Themen in die öffentliche Diskussion bringen wollten. Jetzt denken wir uns bessere Strategien aus, um größere politische Bewegungen ­gezielt zu unterstützen.

Was ist die beste Motivation für eine Rebellion? 

Liebe!

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07 2015 THE RED BULLETIN

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