Abigail Spencer

Abigail Spencers und ihr „dunkles“ Geheimnis

Interview: Holger Potye
Fotos: Getty Images 

„True Detective“-Star Abigail Spencer spricht über die heilenden Kräfte der Schauspielerei und offenbart, dass sie alles persönlich nimmt. Also aufpassen!

Abigail Spencer hat beruflich gerade alle Hände voll zu tun. Einerseits mimt sie in der Hitserie „True Detective Season 2“ Colin Farrells Ex-Frau, andererseits ist sie als Amantha Holden in der Dramaserie „Rectify“ im Einsatz. Abigail hat mit THE RED BULLETIN beim TV-Festival in Monte Carlo über True Detective, die Schwierigkeiten als Schauspielerin und alleinerziehende Mutter erfolgreich zu sein, über ihre Lieblings-TV-Shows und ihre größte Schwäche gesprochen. Letztere ist im wahrsten Sinne des Wortes ein dunkles Geheimnis.

Die neue Staffel von True Detective ist auf HBO zu sehen.

© YouTube/ HBO

Sie waren die letzten Monate rund um die Uhr im Einsatz …

Ja, ich habe viel gearbeitet. Ich habe True Detective, Rectify und einen Kinofilm am Stück gedreht. Ich hatte erst vor wenigen Wochen Drehschluss.

Sie müssen Ihr Leben gerade in vollen Zügen genießen, angesichts all der schönen Rollen, die Sie spielen durften …

Absolut. Ich bin schon gespannt, wie das Publikum auf die verschiedenen Geschichten reagieren wird. Es war nicht ganz leicht, weil du dir als Schauspieler, wenn du mehrere Rollen spielst, nie sicher bist, ob du sie auch unterschiedlich genug angelegt hast. Du kreierst verschiedene Charaktere und willst jeder einzelnen Figur eine Seele geben, ihr Leben einhauchen. Das ist die große Herausforderung.  

Wie bereitet man sich auf so viele unterschiedliche Charaktere vor?

Ich wusste, dass ich einen echten Rollen-Marathon vor mir hatte, deshalb habe ich im Herbst gar nichts gemacht. Ich habe alle Angebote abgesagt. Da ich einen sechs Jahre alten Sohn habe, bin ich einfach zuhause geblieben. Ich habe die Kindergarten-Phase meines Sohnes versäumt, also wollte ich jetzt bei meinem Sohn sein. Während dieser Zeit arbeitete ich mit meinem Schauspiellehrer, um mich auf True Detective, Rectify und meinen Kinofilm The Sweet Life vorzubereiten. 

Was können Sie uns über True Detective Season 2 verraten?

Die Erwartungshaltung an die zweite Staffel ist äußerst hoch. Es würde mich freuen, wenn das Publikum alle acht Episoden anschaut, bevor es ein Urteil abgibt. Ich glaube, dass wir da etwas ganz Besonderes zustande gebracht haben. Ich spiele Colin Farrells Ex-Frau und bringe quasi seine persönliche Backstory in die Serie ein. Wir haben ein gemeinsames Kind. Mehr darf ich nicht verraten.

Wie war die Zusammenarbeit mit Colin Farrell?

Colin ist großartig. Er ist ein unglaublich guter Schauspieler. Ich habe ihn genau zur richtigen Zeit in der richtigen Rolle getroffen. Er ist so ein wundervoller, begabter, professioneller Darsteller, der auch bereit ist, sein Wissen zu teilen. Ich habe so viel von ihm gelernt. Es war toll. 

Und wie ist Vince Vaughn im Vergleich zu Colin?

Ha, Vince! Ich kenne ihn schon seit Jahren. Ich habe Cowboys und Aliens gedreht. Jon Favreau war der Regisseur. Er kannte Vince und hat uns einander vorgestellt. Vince ist ein extrem umgänglicher Zeitgenosse. Und er ist eine echte Frohnatur, ein geborener Anführer. Die ganze Zeit am Set von True Detective sagte er Sachen wie: „Ist das nicht großartig? Ist unser Leben nicht toll? Was haben wir für ein Glück, dass wir diesen Job machen dürfen.“ Er ist unglaublich lustig und ein guter Zuhörer. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich mit ihm Zeit verbringen kann.

Abigail Spencer

Abigail Spencer beim 55. TV-Festival in Monte Carlo.

Wenn Sie für einen Tag lang eine historische Figur sein könnten, welche würden Sie wählen?

Eine interessante Frage. Abraham Lincoln! Speziell in der amerikanischen Geschichte war er eine enorm wichtige Figur. Er war im Zentrum großer Umbrüche und ich mag es, wie er in den Geschichtsbüchern rüberkommt. Mein Sohn lernt gerade über Lincoln in der Schule, daher ist es kein Wunder, dass er in meinem Gedächtnis als Erster aufpoppt.

Wie gehen Sie mit der Doppelbelastung alleinerziehende Mutter/Schauspielerin um?

Es ist schwierig. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Ich mache es einfach. Selbst wenn ich manchmal nicht dazu bereit bin, mache ich es einfach. Es geht immer irgendwie.

Nach welchen Kriterien suchen Sie ihre Rollen aus? 

Nach der Geburt meines Sohnes  - er ist jetzt sechs Jahre alt – war Mad Men der erste Job, den ich angenommen habe. Es war der erste Job, der es meinem Gefühl nach rechtfertigte, Zeit ohne mein Kind zu verbringen. Das war und ist immer das entscheidende Kriterium bei meiner Rollenwahl . Ich muss zu meinem Sohn sagen können: Liebling, deine Mami hat gerade eine tolle Rolle bekommen. Ich kann oft nicht heimkommen, wenn ich drehe. Es muss also eine Rolle sein, an die ich glaube.  Zum Beispiel liebe ich meine Rolle in Suits. Die Produzenten versuchen immer, alles so hinzudrehen, dass ich entweder daheim schlafen kann oder sie fliegen meinen Sohn ans Set und wir können zusammen sein. Ich habe im vergangenen Herbst alle Jobangebote abgelehnt. True Detective war die erste Rolle, die ich angenommen habe. Wir haben in Los Angeles gedreht, also konnte ich bei meinem Sohn sein. Dann kamen Rectify und mein Kinofilm The Sweet Life. Alle drei Projekte waren etwas Besonderes.

Die Schauspielerei hilft mir dabei, in einen Heilungsprozess einzutreten. Ich bin nämlich der Ansicht, dass ein Teil unseres Jobs darin besteht, sich in anderen (Charakteren) zu finden. Das hat in gewisser Weise eine heilende Wirkung für mich. Im Grunde besteht mein Job darin, Empathie mit Menschen zu empfinden, denen ich im richtigen Leben wohl nie begegnen würde. Für mich ist das eine große Chance etwas zu lernen.

„Die Schauspielerei hilft mir dabei, in einen Heilungsprozess einzutreten.“
Abigail Spencer

Reizen Sie TV-Serien momentan mehr als Kino?

Das hält sich die Waage. Bevor ich in Rectify mitspielte, habe ich nur Filme gedreht. Ich kann mir vorstellen, einen Charakter wie Amantha aus Rectify noch sehr lange zu spielen. Das Schöne an TV-Serien ist, dass man viel Freizeit hat. Ich habe True Detective und Rectify abgedreht und hatte danach wieder Zeit einen Film zu drehen. 

Versteht Ihr Sohn den Trubel um seine Mutter, also ihren Celebrity-Status?

Er kam eines Tages von der Schule nach Hause und fragte: „Mami, bist Du ein Filmstar?“ Und ich antwortete: „Nein, ich bin eine arbeitende Schauspielerin!“ Manchmal erzählen ihm andere Kids, dass seine Mama berühmt ist, aber das ist in unserer Beziehung kein Thema. Er besucht mich manchmal am Set. Er hat heuer in der Schule in „Sound of Music“ mitgemacht. Er hat Talent, das muss ich sagen. Er liebt es, in andere Rollen zu schlüpfen und wenn er auf der Bühne steht, kennt er den Text von allen anderen Kids. Er weiß genau, wann die anderen ihren Einsatz verpasst haben. Er ist erst sechs!

„Ich habe viele Schwächen. Sie sind für mich einfach ein Teil des Lebens.“
Abigail Spencer

Könnten Sie sich vorstellen, dass ihr Sohn ebenfalls Schauspieler wird?

Das ist eine schwierige Frage. Etwas in mir sagt: Nein! All die Jahre der Enttäuschungen und Zurückweisungen will ich ihm ersparen. Aber ich liebe, was ich tue. Und wenn die Liebe zur Schauspielerei etwas ist, was wir gemeinsam haben, ist das auch gut so. Ich wünsche mir nur, dass er in seinem Leben etwas findet, das ihn glücklich macht.

Stimmt es, dass Sie eine Schwäche für dunkle Schokolade haben?

(Lacht.) Ja, haben Sie welche dabei?

Nein, sorry! Aber das nächste Mal bin ich besser vorbereitet. Sie haben erwähnt, dass sie etwas Heilendes in ihrem Job finden. Könnten Sie das genauer erklären?

Als ich The Sweet Life drehte, hatte ich gerade private Troubles und der Dreh half mir dabei, sie zu verarbeiten. Im Film geht es um zwei Personen, die sich auf einer Brücke in Chicago treffen und herausfinden, dass sie denselben Therapeuten haben. Sie beschließen, gemeinsam eine Reise zu unternehmen und am Ende gemeinsam von der Golden Gate Bridge zu springen. Es ist eine schwarze Komödie. Es ist eine Art selbstmörderisches „Sideways“ - ohne das ganze Herumgetrinke. Für mich war der Dreh des Films auch ein Heilungsprozess. Man kann nicht jemanden spielen, der durch solche Höhen und Tiefen geht, ohne sie selbst zu erleben. Aber so bin ich eben. Ich nehme alles sehr persönlich. Als ich bei Rectify angefangen habe, ging meine Beziehung gerade in die Brüche und meine Familie wurde auseinandergerissen. Dabei sehnte ich mich zu dem Zeitpunkt nach nichts mehr als nach Familie. Also wurde das Team von Rectify zu meiner neuen Familie. Sie haben mich aufgenommen und mir geholfen diese schwierige Zeit in meinem Leben zu überstehen.  

Welche anderen Schwächen haben Sie noch, abgesehen von Ihrer Liebe zu dunkler Schokolade?

Oh Gott, ich habe so viele Schwächen! Ich bin ein schwacher Mensch. Ich liebe Rosé-Wein und Champagner. Ich liebe es zu reisen. Ich liebe all die schönen Versuchungen des Lebens. Ich versuche immer, nicht in ein Extrem zu kippen, aber so ist das Leben eben. Ich habe viele Schwächen. Sie sind für mich einfach ein Teil des Lebens. 

Letzte Frage: Welche TV-Serien lieben Sie im Moment?

Ich mag The Knick und die HBO-Show Togetherness sehr gerne. Ich mag aber auch Girls und Mad Men. Verraten Sie mir nicht, wie Mad Men endet. Ich habe das Finale noch nicht gesehen!

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07 2015 Redbulletin.com

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