Auf Festivals schleichen: So geht's!

11 Tricks, sich auf ein Festival zu schleichen

Foto: Getty Images

Mit diesen (fast) narrensicheren Tipps gelangst du hinter die Kulissen der Live-Konzerte auf deinen Lieblings-Festivals.

Ein Zugang zum „Backstage“ war schon seit den Zeiten von Arena Rock der Heilige Gral für Konzertbesucher. Gewinnspiele und VIP-Pakete mit einem „Backstage-Pass“ bieten praktisch immer eine reingewaschene Version der Wahrheit an, die meistens wirklich nur aus haarigen Typen besteht, die Roadcases herumschieben und sich anschreien.

Davon abgesehen gibt es hinter den Kulissen eines Live-Konzerts aber viel zu sehen und zu erleben, zum Beispiel Suiten, VIP-Bereiche, Privatpartys in Tourbussen oder anderen Bereichen, die normale Ticketbesitzer eigentlich nicht zu sehen bekommen. Aber es gibt Wege, oh ja, es gibt sie.

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1. VERHALTE DICH, ALS WÜRDEST DU DICH AUSKENNEN    

Wo immer du auch hingehst, ob du was beim Catering futterst, dir die Show von einem Viewing-Bereich im Backstage aus ansiehst oder den Backstage auskundschaftest, benimm dich so, als würdest du dazugehören und als sei dieses Umfeld für dich völlig normal. Lauf mit einem fachmännischen Ausdruck herum, als müsstest du zu einem ganz bestimmten Ort. Wenn du gerade der Show folgst, tu so, als würdest du das Lichtrigg prüfen und dir dabei mentale Notizen machen. Wenn du überhaupt mit jemanden Augenkontakt aufnehmen musst, nicke allen Roadies und Anzugträgern zu, gib ihnen ein „Ich-bin-einer-von-Euch“-Erkennungszeichen.

Die beste Weise so auszusehen, als hätte man Ahnung, ist, sich einen laminierten Backstage-Pass zu besorgen, egal welchen, und besser gleich ein halbes Dutzend davon. Die müssen nicht unbedingt von der Show oder Tour sein, auf der du dich gerade eingeschlichen hast, aber ein paar Laminatkarten, die an einem Band um deinen Hals hängen, funktionieren erstaunlich gut (am besten, man dreht sie so, dass die Grafik sichtbar ist).

Kichern, Becker-Faust, High-Fives, die Unfähigkeit seine Rauschmittel unter Kontrolle zu halten, Selfies und unprofessionelles Benehmen allgemein verraten dich. Das bedeutet nicht, dass man kein Spaß haben soll. Obwohl es harte Arbeit ist, ist das Musikgeschäft ein Wahnsinnsspaß und die Profis sind begeistert, dazuzugehören. Tu einfach so, als wäre all das für dich nichts Neues.

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„Die absolut beste Weise so auszusehen, als hätte man Ahnung, ist, sich einen laminierten Backstage-Pass zu besorgen.“

© WIN-Initiative

2. SUCH DIR EINEN ZUGANG

Du möchtest nicht schon vor dem Start gestoppt werden. Versuche also immer den Nebeneingang der Veranstaltung zu finden, da wo die Profis reingehen. Wenn dich ein Wächter stoppt, gib ihm irgendeinen erfunden Namen, wie „Ich bin Jack Frost von Poorly Kept Records, Bob Bobbington sagte, ich sei auf der Parkplatz-Liste.“

Besser noch: finde heraus, wer für den Veranstaltungsort zuständig ist, Manager oder Leiter. Tu als wärst du extrem verstört, wenn dich der Wächter nicht auf der Liste findet („Ich bringe den Bobbington UM!“) wehre dich bis zu einem gewissen Grad und wenn das nicht funktioniert, geh mit den normalen Konzertbesuchern rein. Ein gefaktes Schild hinter der Windschutzscheibe („Busparkplatz“ zum Beispiel) kann Wunder bewirken.

Eine andere Option: komm früh. Der Sicherheitsdienst wird in den paar Stunden, bevor die Tore geöffnet werden, superstreng. Laderampen, Verpflegungsbereiche, Verwaltungsbüros stellen eine Chance dar, sowie auch jede Information von einem Freund oder Bekannten, der bei der Veranstaltung oder für den Promoter arbeitet. Egal wie du reinkommst, halte dich immer an Regel Nr. 1 (oben).

3. SUCH DIR EINEN PARTNER

Ein Einzelgänger fällt auf. Häng nie einfach rum. Hab immer einen Flügelmann dabei und spreche ihn oft an, so dass man euch über Arbeit reden hört, „Das ist ein großartiges Lichtrigg, Clair Brothers hat den besten Ton“ oder „Mensch, der Typ war ‚98 mit Kravitz unterwegs, gibt’s den immer noch?“. Lauf an der Sicherheitskontrolle vorbei und unterhalte dich währenddessen, am besten über Geschäftsreisen oder das „Business“.

Du möchtest den Eindruck vermitteln, von woanders hergekommen zu sein (denk an Nashville, New York oder L.A.), aber ihr fühlt euch beide im Backstage absolut wohl. Genauso wichtig: keine Gruppen von mehr als zwei Leuten bilden, das wird unkontrollierbar und man wird euch entdecken. Wenn du gezwungen bist, alleine zu gehen, beschäftige dich mit deinem mobilen Gerät, chatte oder schreibe SMS, aber erweck nie den Eindruck, du würdest etwas aufnehmen oder in sozialen Netzwerken posten.

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„Komm früh. Der Sicherheitsdienst wird in den paar Stunden, bevor die Tore geöffnet werden, superstreng.“

© Marcus Haney

4. IGNORIERE DEN SICHERHEITSDIENST

Die allergrößte Mehrheit derer, die bei Live-Events ein Sicherheitsdienst-T-Shirt anhaben sind (unterbezahlte) Stundenlöhner, denen nichts weniger wichtig sein könnte als die Veranstaltung. Auf der anderen Seite haben tatsächliche Profis fast nichts mit dem Sicherheitspersonal zu tun, denn sie sind gefürchtet. Als Erstes versuch einfach am Sicherheitsdienst vorbeizulaufen, wobei du in eine geschäftliche Unterhaltung mit deinem Konzertcrash-Partner vertieft sein solltest, eine Taktik, die überraschend oft funktioniert. Geh nie freiwillig auf Sicherheitsleute zu, die versuchen, dich zu überprüfen. Meide vor allem solche, die mit Funkgeräten ausgestattet sind, bzw. überhaupt jeden, der mit einem Funkgerät rumläuft. Das ist immer ein Zeichen dafür, dass sie höher in der Hierarchie sind und dich auffliegen lassen.

5. STEH NICHT IM VERDAMMTEN WEG RUM

Das hier ist keine Disco. Der Backstage ist ein Arbeitsbereich und die, die hier arbeiten sind extrem im Stress. Wenn du sie dabei behinderst, egal wie, fällst du auf und fliegst raus. Behalte, was um dich herum los ist, immer im Auge, stolpere nicht über Kabelleitungen, stoße nicht gegen Roadcases und komm nicht ins Stolpern, wenn gerade ein Roadie ein Case an dir vorbeischiebt. Lass alle Geräte dort liegen, wo sie sind. Die schnellste Art rausgekickt zu werden ist, wenn man die Arbeit behindert. Dennoch, wenn dich ein Roadie oder ein anderer Arbeiter anspricht, eine bei dir schnorren möchte oder dich was fragt, sei freundlich und versuche, ihnen wenn möglich entgegenzukommen. Halte dich einfach an Regel Nr. 1.

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Tipp 5 ½: Schleich dich legal backstage! Mit Red Bull TV und stundenlangen Live-Konzerten und einzigartigen Blicken hinter die Kulissen deiner Lieblings-Festivals.

© YouTube // Red Bull Music

6. BLEIB IN BEWEGUNG (BIS DU AN DER PERFEKTEN STELLE BIST)

Wer rumhängt, wird erwischt. Wenn du etwas Interessantes entdeckst oder an eine Stelle kommst, an der du bleiben möchtest, halte an und unterhalte dich mit deinem Partner. Zeig auf dies, kommentiere das, sodass du einfach den Eindruck erweckst, du seist beruflich dort und – erneut – dich absolut wohl in deiner Umgebung fühlst. Sei kein Mauerklammerer, einer der im Backstage landet und nicht weiß, was er tun oder wohin er gehen soll, der mit verängstigtem Blick wie gelähmt an einer Wand hängt und aussieht, als wäre er hoffnungslos verloren.

Bleibe nicht untätig und bewege dich so, als hättest du ein Ziel. Wenn du das Catering entdeckst, oder eine Party, einen Umkleideraum, einen Tourbus und du meinst, deinen Ort gefunden zu haben, nutze es aus, aber halte immer deine Unterhaltung am Laufen. Erwecke nicht den Eindruck, als wärst du gerade ungestraft davongekommen und lenke keine Aufmerksamkeit auf dich. Es kann sein, dass du die Chance hast, deinen Lieblingsperformer aus drei Metern Entfernung zu sehen.

„Meide vor allem Sicherheitsleute, die mit Funkgeräten ausgestattet sind, bzw. überhaupt jeden, der mit einem Funkgerät rumläuft.“
Marcus Haney

„Es kann sein, dass du die Chance hast, deinen Lieblingsperformer aus drei Metern Entfernung zu sehen.“

© Marcus Haney

7. FAKE IT

Auch hier ist die Idee, so auszusehen, als gehöre man genau dorthin, wo man gerade ist oder hin will. Neben den laminierten Ausweisen, ist ein Walkie-Talkie ein nettes Accessoire, aber es muss echt genug sein (ein kleiner Polizeiscanner reicht schon). Wenn du dir keines dieser Täuschungsgadgets besorgen kannst, trage einen Pizzakarton und lauf einfach rein. Oder eine UPS-Mütze oder eine große Tüte von McDonald’s. Verkäufer und Dienstleister gehen im Backstage ein und aus, sowie auch Beschäftigte vieler Servicefirmen; fast jede Uniform (vor allem die des Sicherheitsdienstes) kann in diesem Umfeld funktionieren, solang man sich an Regel Nr. 1 hält. Requisiten sind immer gut, seien es Notizblöcke, Akkreditierungen oder Tablets, solang man sie zum eigenen Vorteil einsetzt.

8. SCHLEIME NIE UND NIEMALS

„Gherming“ ist ein in Amerika in der Musikindustrie verbreitetes Slangwort (angeblich ursprünglich aus Nashville) und bedeutet sich bei Musikern oder Musikmanagern einzuschleimen und ihnen eigene Musik zu pitchen. Ein „gherm“ (Schleimer) wird verachtet und die Leute der Musikindustrie meiden sie um jeden Preis. Sprich nie einen Musiker oder Musik-Biz-Profi an, um ihm eine Kassette, eine CD, eine Visitenkarte, einen Zettel oder eine Papierserviette mit deiner Telefonnummer oder dein neustes „Werk“ anzudrehen. Das tut man einfach nicht.

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Splendour in the Grass Festival in Byron Bay, Australien.

© AIMEE CATT

9. SEI KEIN FAN

Ähnlich wie gherms, gehören auch Fans in den Bereich vor der Bühne und nicht  dahinter. Musiker lieben ihre Fans natürlich, aber hinter der Bühne ist ihr Privatbereich und nicht der Ort, um sich den Fans zu widmen. Frag nie, unter keinen Umständen, nach einem Autogramm oder einem Foto; das würde wahrscheinlich eine Reaktion auslösen wie „Was zum Teufel macht der (oder die) hier hinten?!“, gefolgt von einem schnellen Rausschmiss.

An dieser Stelle wollen wir auch daran erinnern, dass man an Meet-and-Greet-Veranstaltungen mit Fanclubs nur in der gefakten „beruflichen Funktion“ teilnehmen und sich nicht mit dem normalen Volk in die Schlange stellen sollte. Meet-and-Greets sind Massenveranstaltungen, VIP-Angebote dagegen heutzutage ziemlich umfangreich und oft lohnt es sich dabei zu sein, auch wenn es nicht leicht ist, sich einen Zugang zu verschaffen. Essen und Getränk sind oft vom Feinsten, so wie auch Sponsorenzelte, Suiten oder Privatzimmer. Entscheide im Moment und siehe Regel Nr. 1.

10. HAB IMMER EINEN RESERVEPLAN

Es bestehen gute Chancen, dass du nicht damit durchkommst. Besorge dir auch eine Eintrittskarte, so dass du wenigsten die Show genießen kannst und gib nicht auf. Viele Wege führen zum Ziel. Aber vergiss nicht: wenn dich der gleiche Security-Typ zweimal erwischt, bist du mit großer Wahrscheinlichkeit ganz weg.

11. BETEILIGE DICH

Wenn du mal angekommen bist, wo du hinwolltest, wirst du mit den Früchten deiner Arbeit belohnt. Beim Catering gibt es heutzutage meistens ziemlich gutes Zeug und Bandmitglieder schauen öfters mal vorbei. Wenn es nicht gerade ein christliches Rockkonzert ist oder einer der Rocker gerade auf Entziehungskur, gibt es im Backstage auch reichlich Alkohol und auch wenn die legendären Tage von „sex, drugs & rock’n’roll“ von früher größtenteils vorbei sind, weiß man nie, wo man landen könnte.

Bei Festivals gibt es massenweise Sponsorenbereiche, Pressezelte, VIP-Partys und anderes cooles Zeug und solange du dich an Regel Nr. 1 hältst, steht alles zu deiner Verfügung. Sei freundlich, halt die Augen für Chancen offen (vor allem was After-Show-Partys betrifft), sei bereit, schnell zu reagieren und du könntest ein unvergessliches Erlebnis haben.

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10 2015 Redbulletin.com

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