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Die wilden „Burn-Babes“

Text: DYLAN MUHLENBERG
Bilder: Tyrone Bradley 

Bei AfrikaBurn geht es nicht darum, durch sein Outfit zu beeindrucken. Den Festival-Besucherinnen ist es weitaus wichtiger, ihre animalische Seite ausleben zu können. Und das tun sie in beeindruckender Manier.

AfrikaBurn ist nicht jedermanns Sache. Es ist keine Massenveranstaltung. Und man muss dafür eine spezielle Sorte von Frau sein, eine die freiwillig bereit ist, sich in die Wüste zu begeben und sich für eine Woche nur mit Feuchttüchern zu waschen. Die Mädels, die hierherkommen, möchten nicht diesen Kate-Moss-in-Jeans-Hotpants- oder Gummistiefel-in-Glastonbury-Look vermitteln. Und es ist ihnen auch völlig egal, was Sienna Miller zum diesjährigen Coachella geschrieben hat. Der gewöhnliche Selfie-Stick-Narzissmus kommt hier nicht gut an.

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Sie tanzt in der Sonne zu ihrem eigenen Beat. Die Musik von Tankwa Town im Hintergrund ist kaum hörbar. Der Moment gehört ihr ganz allein.

Die „Burn-Babes“ legen ihre Selbstbezogenheit und ihren üblichen Klamottengeschmack dort ab, wo die Teerstraße endet, und tauschen Blumenkronen gegen Indianer-Kopfschmuck, der nicht unbedingt zu Hippie-Gürteln und Fransenlederjacken passt.

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Eine himmlische Apachin, erleuchtet von den Flammen in den letzten Minuten vor Sonnenuntergang. AfrikaBurn ist eine Ansammlung von Stimmung, Unterhaltung und Schönheit.

Die „Burn-Babes“ zelebrieren die Haut, die ihnen geschenkt wurde

Als Jacki Bruniquel noch ein Kind war, starrte sie auf ihre Beine und wünschte, sie würden sich in einen Fischschwanz verwandeln. Und wenn sie nicht gerade auf dem Swimmingpool-Boden ihren Atem anhielt, schaute sie den Film „Splash – Eine Jungfrau am Haken“ an. „AfrikaBurn ist ein sicherer Ort, an dem das innere Kind mal seine wilde Seite zeigen kann“, sagt Jacki. „Ein Ort, wo meine innere Meerjungfrau frei schwimmen kann!“ 

Jacki Bruniquel ist eine der bekanntesten Hochzeitsfotografinnen Südafrikas und ihr Geburtstag fällt jedes Jahr genau in die Zeit von AfrikaBurn. Ihre Liebe zum Meer ist so groß, dass sie manche als halbe Meerjungfrau bezeichnen.

Das Foto von Jacki, das man hier sieht, zeigt sie an ihrem Geburtstag, an dem sie das Glück hatte, ihre Volljährigkeit bei dieser riesigen Kostümparty zu feiern. Jacki kaufte sich die Leggings online und beschaffte sich Stiefel von Grandt Mason Originals über Woodstock Exchange. Ihre Freundin Katherine Kidger half ihr, den Rest des Outfits zu designen und die Krone stellte sie selbst her.

„Meine Arbeit ist ziemlich anspruchsvoll, daher war es toll, einfach mal etwas nur aus Spaß zu machen. Die Krone habe ich mit einer Klebepistole aus einer Tiara aus dem Chinaladen gebastelt und mit Muscheln, die ich am Strand gefunden habe, kombiniert.“

Dieses Outfit ist Welten von Jackis täglicher Arbeitskleidung entfernt. Als Fotografin muss sie sich frei bewegen können und sich an ihre Umgebung anpassen. Aber für die paar magischen Tage in der Wüste hat sich Jacki in eine Meerjungfrau verwandelt und hohe Wellen geschlagen.

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Bereits durch einen Burning-Man-Besuch geeicht, besuchte die Londonerin Alice erstmals AfrikaBurn. Diese Aufnahme entstand am letzten Tag des Festivals und ihre heisere Stimme offenbarte die epische Zeit, die sie hatte.

Die Herangehensweise der meisten anderen „Burn-Babes“ ist eine Mischung aus Selbstgemachtem, Wiederverwertung und Öko. Handarbeit ist angesagt. Selbermachen anstatt faken. Eine Frau hat sich mit einem goldenen Bodysuit und einem Pelzmantel in eine Hummel verwandelt. Indianerkopfschmuck und andere überlebensgroße Kopfbedeckungen sind die Norm. Stark individualisierte BHs kombiniert mit Doc Martens, wie die von Tank Girl, sind Standard. Federleichte Kimonos und andere von den 70ern inspirierte Modeartikel flattern durch die Wüstenluft.

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Auch wenn gebeten wurde, (aus Gründen der Sauberkeit) keine Federn zu tragen, waren sie der Renner. Nur zu verständlich, sind sie doch für alle von Kabarett-Tänzerinnen bis zu Indianer-Squaws der perfekte Schmuck.

Ansonsten zelebrieren die „Burn-Babes“ die Haut, die ihnen geschenkt wurde. Brüste werden mit Nipple-Cover und Brustwarzen-Pasties, Klebeband oder Glitter und Farbe geschmückt. Ob tagsüber verblassende Bräunungsstreifen zur Schau stellend oder nachts um eines der riesigen Feuer tanzend - das Eva-Kostüm ist vielleicht das einzige, das beim Burn jede irgendwann tragen wird.

aa

„Erleuchtet“ scheint der richtige Begriff für die Lage dieser Besucherin zu sein.

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08 2015 The Red Bulletin

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