Cakes da Killa

Cakes da Killa: „Das Leben ist zu kurz für Negativität“

Text: Florian Obkircher 

Cakes Da Killa ist nicht nur der Paradiesvogel der Hip-Hop-Szene, sondern auch einer der Wortgewandtesten. Der 24-Jährige über Herzschmerz und Stereotype bei Rappern.

THE RED BULLETIN: Deine letzte EP heißt #IMF. Laut Urban Dictionary könnte diese Abkürzung für Illegal Monetary Fund [Illegaler Währungsfond], Impossible Mission Force [eine fiktive Spionage-Behörde] oder für Ignorant Motherf****r [das übersetzen wir lieber nicht] stehen. Welche ist es?

CAKES DA KILLA: Hilfe, es ist definitiv keine davon. (Lacht.) Ignorant Motherf****r? Das wäre eine Idee für mein Debüt-Album. IMF steht für In My Feelings. Das ist eine Phrase, die verwendet wird, wenn du emotional bist, nachdem dir jemand das Herz gebrochen hat, oder dein Hund gestorben ist.

Was war es in deinem Fall?

Ersteres. Ich bin wirklich traurig, dass ich das durchmachen musste. Aber ich bin froh, dass ich es geschafft habe, diese Emotionen in etwas Positives umwandeln zu können, anstatt monatelang nur zu weinen, was ich davor gemacht habe.

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Funktioniert das für dich? Enttäuschung in Kreativität umzuwandeln?

Normalerweise halte ich nicht viel von diesen „Adele Momenten“, aber dieses Mal habe ich mich dazu entschieden, mich dem hinzugeben, weil ich finde, dass das jeder hin und wieder machen sollte. Ich musste es einfach loswerden, weil die Leute versucht haben, mich in eine Schublade zu stecken, mit dem Argument, dass ich nur über bestimmte Dinge spreche. Also wollte ich eine neue Facette zeigen. 

Cakes da Killa

Deine erste Single Easy Bake Oven und die Veröffentlichung von The Eulogy wurden von der Kritik gefeiert, wegen deines außergewöhnlichen Flows und deiner expliziten Sprache. #IMF scheint im Vergleich dazu, ein wenig ruhiger zu sein. Stimmst du dem zu? 

Wenn #IMF ein Leitbild hätte, dann wäre es ‚neue Facetten zeigen‘. Aber das würde nicht in dieselbe Richtung wie meine anderen EP’s gehen. Denn das war vielmehr etwas, was ich persönlich kreativ umsetzen wollte, ein Projekt aus Leidenschaft. 

Deine Musik zu hören und deine Videos anzuschauen … 

… yeah, das ist mir scheißegal …

… aber du scheinst sehr fokussiert zu sein. 

Ich berücksichtige definitiv die Handwerkskunst des Rap, die viele meiner Zeitgenossen außer Acht lassen. Ich habe enorm viel Respekt vor Rap. Ich war nie ein extremer Fan von Rapmusik, aber als ich begonnen habe, selbst diese Art von Musik zu machen, war ich gezwungen, es als Kunstrichtung zu respektieren. Du kannst kein Maler sein und nicht dein Fach beherrschen, indem du die Maler vor dir nicht kennst. 

Als du in der High School zu rappen begonnen hast, hat sich das angefühlt, als würdest du feindliches Gebiet betreten, wenn man bedenkt, dass Homophobie ein viel diskutiertes Thema im Hip-Hop ist?

Das ist mir scheißegal. Die Leute versuchen Hip-Hop als einen Bereich zu definieren, wo Homophobie speziell ansässig ist. Aber weißt du was? Homophobie ist überall. Egal ob im Rock, in Country-Musik oder im R&B. Die Menschen wollen, dass Rapper einem speziellen Bild enstprechen und dann gibt es eben jene, die diesen Anforderungen nicht gerecht werden. Trotzdem wollen sie Rapmusik machen, also sollten sie genau so respektiert werden, wie jeder andere auch. 

Cakes da Killa

Cakes da Killa’s Name kommt daher, dass er süß, aber hart und vulgär zur selben Zeit ist. 

Welchen Platz nimmst du in der Sache ein? 

Ich bin in der glücklichen Lage, sagen zu können, dass ich mich nicht wirklich beklagen kann. Ich kenne nicht viele unabhängige Künstler, die ihr erstes Interview mit Pitchfork hatten oder so viel reisen, wie ich. Also kann ich nicht wirklich viel über das Stigma der Homophobie in der Hip-Hop-Musik sagen, weil ich ja als Rapper arbeite.

Wieso verbinden Menschen, Homophobie eher mit Hip-Hop, als mit anderen Genres?

Weil die Hip-Hop Szene von Farbigen angeführt wird. Naja, vielleicht nicht angeführt, aber Menschen mit Farbe haben zumindest damit begonnen und Themen wie Armut, psychische Gesundheit, ethnische Beziehungen und Sexualität sind noch immer sehr heikel. Also wenn Menschen über Homophobie im Hip-Hop sprechen, dann ist das wirklich nur ein Mikroding. 

„Die Menschen wollen, dass Rapper einem speziellen Bild enstprechen und dann gibt es eben jene, die diesen Anforderungen nicht gerecht werden.“
Cakes da Killa

In einem Interview hast du vor Kurzem gesagt, dass viele dich als einen Außenseiter ansehen. Wieso glaubst du das?

Viele Menschen sind unsicher und projizieren einige dieser Ängste auf mich. Vielleicht denken sie, dass ich ein Arsch bin, aufgrund dessen, wie ich mich benehme, weil ich mich in meiner Haut wohl fühle. Das kann Menschen, die mit sich nicht im Reinen sind, verunsichern. Es wird immer Leute geben, die rassistisch sind und es wird immer Leute geben, die homophob sind, aber das beeinflusst mich nicht in dem, was ich tue. Ich kann nicht herumsitzen und ständig darüber nachdenken, was andere von mir denken könnten.

Siehst du dich in diesem Sinne als Aktivist?

Ich erkenne langsam, dass das, was ich tue, irgendwie revolutionär ist, aber für mich bedeutet das nur, dass ich so bin, wie ich bin. Fans schreiben mir Sachen wie, ‚du inspirierst mich dieses oder jenes zu tun‘. Und ich denke mir, es ist großartig, wenn jemand so ergriffen ist, von dem was ich tue. Das ist cool.

Auf der anderen Seite, wie gehst du mit hasserfüllten Kommentaren um?

Den Blockier-Knopf auf Twitter zu drücken, geht mir ohne Probleme von der Hand. Ich blockiere einfach viel. Negativität ist nicht etwas, worauf ich mich fokussieren will. Das Leben ist zu kurz dafür.

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06 2015 Redbulletin.com 

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