Channing Tatum

Channing Tatum: Der gereifte Stripper

Text: Rüdiger Sturm
Foto oben: Action Press

Channing Tatum ist ein Selfmade-Star. Während andere Kollegen ihre oftmals peinlichen Anfänge im Showbusiness verschweigen und auf Angebote warten, verwandelte der 35-Jährige seine Jugenderinnerungen in den Erfolgsfilm “Magic Mike”.

THE RED BULLETIN: Wie wir inzwischen wissen, waren Sie Stripper – eine Erfahrung, die Sie in den „Magic Mike”-Filmen verarbeiteten. Wie verzweifelt muss man sein, um so etwas zu machen?

CHANNING TATUM: Das war keine Verzweiflung, sondern eine Mischung aus Stolz und Wahnsinn. Ich war 19 und pleite. Aber ich wollte meine Eltern nicht um Geld fragen. Stattdessen zog ich los, um das Verrückteste zu tun, was du dir vorstellen kannst.

Es ist Ihnen nicht peinlich?

Absolut nicht. Abgesehen von bestimmten Kostümen. Wobei ich mich nie ganz ausgezogen habe. Die Sache ist natürlich kein Ding auf Dauer, und du musst es rechtzeitig schaffen, da wieder auszusteigen. Das gelingt nicht allen.

Wie schafft man es, von so einem Job zum Hollywoodstar aufzusteigen?

Ich wusste immer, dass da draußen noch etwas Größeres auf mich wartete. Ich konnte nur nicht sagen, was es war. In dem Alter war ich ich etwas konfus. Ich steckte auch voller Aggression, denn ich kam mit der Verantwortung des Erwachsenenlebens nicht zurecht. Genau aus dem Grund landete ich bei so etwas Ausgeflipptem wie der Stripperei. Aber ich war ehrgeizig, ließ mich auf keine Kompromisse ein, sondern schaute nur nach oben. Das gilt weiterhin. Egal, was ich angefangen hätte, ich hätte etwas Großartiges draus gemacht, weil ich so hart arbeite wie kein anderer. Eine Zeitlang jobbte ich mal in einer Tierhandlung, und ich spielte mit dem Gedanken, ein tolles Tierheim zu gründen.

channing tatum

Joe Manganiello und Channing Tatum auf der Bühne der MTV Movie Awards 2012.

© Jeff Kravitz

Aber dann landeten Sie im Showbusiness.

Ich hatte keine Ahnung, dass Schauspielerei eine ernsthafte Option war. Das war für mich etwas, was du an der Highschool machst. Per Zufall wurde ich Model, aber nach einiger Zeit befriedigte mich das nicht mehr, ich wollte mich weiterentwickeln und besuchte einen Schauspiel-Workshop. Und diese ständige Arbeit an mir selbst führte dazu, dass ich „Magic Mike” entwickelte und produzierte. Bald gebe ich mein Regiedebüt, das ist jetzt der nächste logische Schritt.

Mittlerweile sind Sie auch Vater einer zweijährigen Tochter. Haben Sie da noch die gleiche Energie für Ihre beruflichen Pläne?

Meine Frau, die auch Schauspielerin ist, und ich haben immer gehofft und gebetet, dass wir ein Kind bekommen, das uns aus unserer Selbsfixiertheit reißt. Jetzt gibt es jemanden, der wichtiger ist als wir beide. Und wir konzentrieren uns nicht mehr auf Fragen wie „Was soll ich jetzt gerade machen?“ Aber meine Träume sind noch größer geworden. Denn ich drehe jetzt keine Filme mehr, nur weil sie mir vielleicht Spaß machen. Ich spiele nur noch Rollen, die ich spielen muss. Denn wenn ich mich eine Zeitlang von meiner Frau und meinem Kind trenne, dann muss es dafür einen guten Grund geben.

Geld ist keiner?

Absolut nicht. Ich komme aus bescheidenen Verhältnissen, an die denke ich jeden Tag. Meine Eltern haben mir beigebracht, sparsam zu sein. Ich habe absolut kein Verlangen herumzuprotzen. In unserer Garage stehen keine fünf Autos.

Schau dir den Trailer zu Magic Mike XXL an!

© YouTube / Movieclips Trailers

Gibt es etwas, das Sie in Ihrem jetzigen Leben vermissen?

In früheren Jahren verbrachte ich viel Zeit auf der Ranch meines Onkels in Alabama. Das ist einer der schönsten Orte auf Erden für mich, und sie hat für immer einen festen Platz in meinen Gefühlen. Da bin ich schon lange nicht mehr gewesen, auch meine Eltern sehe ich zu selten. Aber ich habe kaum Zeit, um bei mir daheim in L.A. zu sein. Seit acht Jahren habe ich ein Haus dort, und in den letzten beiden Jahren habe ich kaum eine Nacht dort verbracht. Und es ist wirklich notwendig, dass ich bei meiner Familie bin.

Es nervt Sie nicht, dass Ihr Leben nicht mehr so einfach ist wie früher?

Nein, denn das war mir schon vorher klar. Und was verpasse ich schon? Ich habe nicht mehr so viel Zeit, um bei Freunden vorbeizuschauen und mit ihnen FIFA Football zu spielen. Auch wenn das nach einem Stereotyp klingt, ich wollte immer eine Familie haben, selbst in den verrückten Zeiten, als ich noch strippte. 

„Sie würden George Clooney doch auch nicht von der Bettkante stoßen, oder?“

Wie stark haben Sie sich als Familienvater verändert?

Ich bin viel geduldiger geworden. Denn da ist dieses kleine Wesen, das jede Sekunde des Tages neue Informationen herunterlädt – wie ein Computer. Und du musst diesen Prozess lieben. Du darfst nicht denken: „Warum kannst du nicht von selbst essen?”, sondern erklärst es deiner Kleinen ganz, ganz langsam. Aber ich habe gelernt, das zu genießen. 

Und wie stark hat Sie Ihre Frau geprägt? Männer haben manchmal Schwierigkeiten, das andere Geschlecht zu verstehen…

Das ist auch so richtig. Frauen sind viel komplizierter und gefühlsorientierter. Männer sind so etwas wie Binärzahlen – 0, 1, 10, 11, 100 – also sehr einfach. Und das weibliche Geschlecht ist total unbeständig, flatterhaft, empfindlich.

Wie gehen Sie selbst mit Ihren Gefühlen um?

Ich versuche, nichts zu verbergen, aber das musste ich erstmal lernen. Wenn ich unglücklich bin und nicht darüber spreche, dann werde ich depressiv oder wütend. Jenna hat mir das beigebracht, sodass ich an mir gearbeitet habe. Durch sie bin ich ein 100fach besserer Mensch geworden.

Sie sagten doch einmal, dass Sie George Clooney nicht von der Bettkante stoßen würden…

Sie würden das doch auch nicht tun.

Offen gestanden schon.

Dann gehören Sie zu dem einen Prozent auf der ganzen Welt, das nicht mit ihm Sex haben möche. Der Mann ist heiß, einer der interessantesten Typen überhaupt. Sie sollten auf den Zug aufspringen, bevor es zu spät ist.

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08 2015 RedBulletin.com

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