charli XCX

Die neue Pop-Prinzessin

Interview: Florian Obkircher
Fotos: Warner Music

Charli XCX schreibt einen Hit nach dem anderen. Für sich selbst und für Kollegen wie Icona Pop. Im Interview spricht die Britin über ihre Lust am Punk und ihre aktuelle Tour mit Katy Perry.

Die Karriere von Charli XCX begann vor zwei Jahren: Die damals Zwanzigjährige schrieb dem schwedischen Duo Icona Pop den Mega-Hit „I Love It“ auf den Leib und veröffentlichte ihr erstes volles Album „True Romance“. Im Sommer 2014 stürmte sie dann selbst die Charts: mit ihrem Ohrwurm „Boom Clap“, der allein in den USA eine Million Stück verkaufte.

Charlis Hitformel: elektronische Songs zwischen Punk und Pop, Texte, die vor jugendlichem Übermut strotzen. Ein Mix, der selbst Giorgio Moroder begeistert: Der Disco-Pionier engagierte Charli als Sängerin für seine Comeback-Platte. Vor kurzem erschein außerdem ihr eigenes neues Album „Sucker“. Die 22-jährige Hitschreiberin aus England im Interview.

THE RED BULLETIN: „Sucker“ klingt viel aggressiver, punkiger als deine früheren Sachen. 

Charli XCX: Da hast du Recht.

Woher kommt diese Lust an der härteren Gangart?

Ich war verärgert als ich an dem Album arbeitete. Der Song „I Love It“, den ich für Icona Pop geschrieben hatte, war zu der Zeit sehr erfolgreich. Und viele Leute drängten mich, den Song für mein eigenes Album zu kopieren. Die Frustration darüber spiegelt sich nun in der Platte wieder. Ich hatte genug von Popmusik und experimentierte mit neuen Ideen und Instrumenten. Ich musste Punksongs schreiben, um mich wieder mit der Popmusik zu versöhnen. 

Wenn du Songs schreibst, weißt du dann sofort, ob du ihn selber singen oder an Kollegen weitergeben wirst?

Meistens weiß ich es sofort, ja. Speziell wenn ich das Stück jemandem anderen geben will. Dann gibt es wiederum Songs wie „Break The Rules“, wo ich das Gefühl habe, dass es niemand so singen würde, wie ich mir das vorstelle. Oder anders gesagt: „Breaking The Rules“ fühlte sich perfekt für mich an. Spätestens als ich das Stück dann aufgenommen hatte, wollte ich es nicht mehr hergeben. Ein anderes Anzeichen ist: Wenn beim Schreiben unmittelbar ein Musikvideo in meinem Kopf entsteht, dann sollte ich den Song behalten. Bei „Break The Rules“ war das so. Ausgehend von dieser ersten Idee schrieb ich dann auch gleich das Drehbuch für das Video.

charli XCX

Shootingstar: Charli XCX gilt im Musik-Business derzeit als ganz heiße Aktie.

Vor kurzem wurde verlautbart, dass du auf Giorgio Moroders Comeback-Album singen wirst. Wie war die Zusammenarbeit?

Schwer zu sagen. Denn wir sind uns bis heute noch nie begegnet. Er schickte mir den Song per Email und ich nahm die Gesangsspuren dafür in London auf. Aber natürlich ist es eine sehr große Ehre, auf seinem Album dabei zu sein. Neben Sängerinnen wie Sia und Kylie Minogue. 

Moroder ist 74 Jahre alt. Siehst du dich in dem Alter noch auf der Bühne?

Ich denke, ich werde dann wohle eher hinter den Kulissen tätig sein. Aber wer weiß? Vielleicht will ich ja gerade dann im Rampenlicht stehen. 

charli XCX

„Katys Show ist der Wahnsinn. Sie kreiert bei Konzerten jede Nacht eine neue, verrückte Welt.“

© Getty Images 

Auf deiner Tour mit Coldplay vor zwei Jahren hast du Chris Martin Tanztipps gegeben. Derzeit bist du mit Katy Perry unterwegs. Hast du ihr auch Ratschläge für die Bühne gegeben?

Nein (lacht). Sie kommt gut ohne Tipps von mir aus, denke ich. Ihre Show ist der Wahnsinn. Sie kreiert bei Konzerten jede Nacht eine neue, verrückte Welt. Ich kann vieles von ihr lernen.

Dein Song „Boom Clap“ war der Soundtrack des letztjährigen Filmhits „Das Schicksal ist ein mieser Verräter”. Der größte Wunsch der Protagonistin in dem Streifen ist es, ihren Lieblingsautor zu treffen. Gibt es in deinem Leben ein wichtiges Buch? 

Ja. „Kill Your Friends“ von John Niven. Der Roman handelt von Tücken der Musikindustrie. Was ich daraus gelernt habe: Traue niemandem (lacht). Ich wusste schon davor, dass das Musikgeschäft ein gefährliches Pflaster ist, aber das Buch hat es mir bestätigt. Ich kann es sehr empfehlen, es ist witzig und überraschend.

Wenn dein neues Album ein Film wäre, wer sollte Regie führen?

David La Chapelle würde das gut hinbekommen. Er würde einige abgedrehte Figuren hinzufügen. Oder Darren Aronofsky! Ich denke, er würde den surrealen Aspekt der Platte gut einfangen.

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02 2015 The Red Bulletin 

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