Cro

Mein Vollgas-Sommer

Interview: Manuel Kurzmann
Bilder: Delia Baum

Panda-Rapper Cro über sein neues Album „Melodie“, schlaflose Nächte im Tourbus und andere Themen, die ihm wichtig sind.

THE RED BULLETIN: Dein Debütalbum „Raop“ war 2012 auf Platz eins der deutschen und österreichischen Charts. Es verkaufte sich 500.000-mal und wurde mit Doppel-Platin ausgezeichnet. Und du hast dafür den Bambi-Musikpreis gewonnen. Jetzt warteten zwei Millionen Facebook-Fans auf deine neue Platte. Warst du nervös?

CRO: Klar ist die Aufmerksamkeit jetzt größer als vor „Raop“. Ich muss tief Luft holen, wenn ich mir denke: „Ey, das musst du irgendwie toppen.“ Habe ich deswegen Druck? Ja. Macht er mich verrückt? Nein.

Dein neues Album „Melodie“ ist am 6. Juni erschienen. Was unterscheidet es von „Raop“?

Cro


Es gibt mehr ruhige Tracks zum Chillen. Das Album ist durchdachter, individueller, ein bisschen cooler. Und ich finde, ich habe sauberer gearbeitet.

Sauberer? Das heißt …?

Bei „Raop“ habe ich zu oft gesagt: „Mir egal, bin fertig, wir nehmen das jetzt so.“ Dieses Mal habe mir ich bei jedem Song überlegt, wie man die Hook noch geiler und den Beat noch fetter machen kann.

Hast du dir überlegt, auch textlich in eine neue Richtung zu gehen? Nach dem Motto: Cro rappt über Weltpolitik statt über Frauen?

Da habe ich keinen Bock drauf. Warum sollte ich? Warum sollte ich ein Lied über, was weiß ich, einen grünen Kaktus machen? Um innovativ zu sein? So bin ich nicht. Es wird wieder um Themen gehen, die mich persönlich was angehen: Geld, Frauen, Alltag, Beruf, Stress, Freizeit, Jugend. Michael Jackson hat auch immer dasselbe gemacht, bis zu seinem Tod – und jedes seiner Alben war krass.

„Es geht um Themen, die mich bewegen: Frauen, Alltag, Beruf, Jugend, Stress.“
Cro

Auf „Raop“ hast du gesungen: „Doch ich gebe immer noch ’n Fick auf Zahl’n.“ Mittlerweile hast du gut verdient. Ist dir Geld noch immer egal?

Ja. Ich habe mir bisher nichts gekauft, was viel Geld gekostet hat. Kein Auto, keine Wohnung, gar nix.

Warum?

Weil meine Freiheit das Geilste ist, was ich habe. Klar gibt es Dinge, die ich trotzdem erledigen muss. Zum Beispiel dieses Interview.

… sorry.

Haha, nur Spaß! Ich meine damit die ganze Arbeit, die für so ein Album zu erledigen ist. Diesen ganzen Kram. Aber passt schon. Wenn der Trubel erst vorbei ist, kann ich wieder tun, was ich will, wann ich will, wie ich will.

Du klingst ein wenig wie jemand, der am Montag zur Arbeit geht und dabei schon ans Wochenende denkt. Ist das Leben auf Tour bloß ein Job für dich, oder freust du dich auf diese Zeit?

Beides. Manchmal denkt man sich: Ach, jetzt wieder Tourbus, 44 Stunden nach Rügen fahren oder sonst wohin. Man lebt aus dem Koffer, muss gucken, wo man sich waschen und duschen kann – das ist schon ekelhaft stressig.

Du bist offenbar kein Tourbus-Fan.

„Meine Freiheit ist das Geilste, was ich habe.“
Cro


Ich schlafe in diesen Dingern ganz schlecht. Manchmal drei Tage lang gar nicht – bis ich irgendwann so hundemüde bin, dass ich automatisch wegpenne.

Wie fühlen sich solche Nächte an?

Es ist immer viel zu kalt oder viel zu heiß. Man liegt drin wie in einem Sarg. Es wackelt die ganze Zeit, der Motor hört sich an, als würde man mit zweihundert-sechzig über die Straße donnern. Aber in Wahrheit sind’s hundert. Ich kann da nicht abschalten. Das kotzt mich an. Aber genauso dumm finde ich es, in ein Hotel zu gehen und morgens gemütlich aufzustehen, nur um danach vierzig Stunden im Bus zu sitzen. Tourbus ist also ein großes Übel. Aber immer noch das kleinere.

Und was steht diesen Sommer noch auf deiner To-do-Liste?

Irgendwann, wenn es richtig heiß ist, werde ich zu meinem Manager sagen: „Ey, ich will selber zum Gig fahren.“ Dann nehme ich mir eine arschgeile Karre, eine, die alles killt, am besten ein Cabrio, und donnere mit 360 Sachen zum Gig, wrrruummmmm! Ich spiele die Show, setze mich ins Auto, zische wieder ab. Perfekt, nicht?

AUSSERDEM: Wir haben Cro bei seinem „Red Bull Tag am See“ Konzert-Marathon begleitet. Zu seinem Album-Release hat er sich einiges vorgenommen: 3 Konzerte in 3 Ländern (Österreich, Deutschland, Schweiz) an einem einzigen Tag.
 

Wie das so war, seht ihr hier.

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06 2014 The Red Bulletin

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