Dan Auerbach

„Pfeif auf Perfektion!“

Text: Marcel Anders
Foto: ALYSSE GAFKJEN

Dan Auerbach hasst die Musikindustrie. Dennoch wurde er mit den Black Keys zum Star. Warum, das verrät er hier. (Und wieso Suppe dabei hilft.)

Mit seinem Blues-Rock-Duo The Black Keys hat Dan Auerbach sieben Grammys gewonnen und über zwei Millionen Platten verkauft. Keine schlechte Bilanz, wenn man bedenkt, dass er seit 14 Jahren konsequent die Gesetze des Business ignoriert: Der US-Musiker schreibt altmodische Songs, hasst mediale Aufmerksamkeit, boykottiert Musik im Internet. Das Geheimnis seines Erfolgs? „Traue keinem, der dir rät, dich an Regeln zu halten“, sagt er.

THE RED BULLETIN: Das aktuelle Black-Keys-Album „Turn Blue“ stand im Vorjahr auf Nummer 1 der US-Charts. Wie fühlt sich das an für jemanden, der von sich sagt, Erfolg sei ihm egal?

Dan Auerbach (lacht): Es fühlt sich gut an. Aber ich bleibe dabei. Ich mache Musik nicht des Ruhmes wegen. Bei Preisverleihungen wie den Grammys fühle ich mich wie im falschen Film. 

Wenn es nach den Trendforschern ginge, dürfte Ihr dreckiger, bluesgetränkter Sound gar nicht erfolgreich sein. Weil er so gar nicht dem Zeitgeist entspricht. 

Unsere Alben sind eine Reaktion darauf, was derzeit in der Musikindustrie passiert. Alles ist durchgestylt, kalkuliert, schrecklich perfekt. Unser Erfolg zeigt, dass es noch Menschen gibt, die Musik von richtigen Musikern wollen. Von Musikern, die sich den Arsch abspielen und mit Herz und Seele bei der Sache sind. 

The Black Keys - Lonely Boy

© YouTube/The Black Keys

Rock ’n’ Roll und Perfektion passen nicht zusammen?

Ich bin selbst kein Virtuose. Ich kann keine Noten lesen. Mein Bandkollege Pat ist ein schlechter Drummer – aus technischer Sicht. Aber wir kompensieren das mit Hingabe. Und darum geht es: Pfeif auf Perfektion! Du musst Spaß an dem haben, was du tust. Und voll dahinterstehen. Das ist wichtiger, als alles makellos hinzukriegen oder den Regeln der Industrie zu folgen. Denn genau deswegen klingt Musik heute oft so langweilig und austauschbar. Dem steuern wir bewusst entgegen.

Ein Aufruf zur Revolution?

Genau. Mach’s so wie wir: Traue keinem, der dir rät, dich an Regeln zu halten. 

Diese Haltung zeigt sich auch in Ihrer Entscheidung, Ihre Alben nicht auf Diensten wie Spotify anzubieten. Obwohl Branchenexperten darin die Zukunft sehen.

Das Problem bei Streaming-Plattformen ist, dass damit vor allem die Mittelsmänner der Industrie Geld verdienen, nicht die Musiker selbst. Wenn dein Song auf Spotify 100.000 Mal angehört wird, kriegst du als Künstler dafür zwölf Euro. Das finde ich nicht okay. Streaming-Dienste lassen die Leute glauben, Musik sei nichts weiter als ein Gratis-Gimmick.

„Wir waren sehr lange sehr pleite. Das war lehrreich.“
Dan Auerbach, 36

Wären Sie heute ein junger Musiker, würden Sie angesichts dieser Zukunftsaussichten aufgeben?

Nein. Was einen echten Musiker ausmacht, ist, dass er keinen Plan B hat. Er arbeitet und arbeitet. Wir sind mit den Black Keys seit Anfang unserer Karriere entweder auf Tour oder im Studio. Etwas anderes kennen wir nicht. 

Wie halten Sie dieses Tempo seit 14 Jahren durch?

Wir haben nie darüber nachgedacht, sondern einfach immer weitergemacht. Während Bands, die zeitgleich mit uns anfingen, schnell reich und berühmt waren, passierte das bei uns sehr schleppend. Wir waren sehr lange sehr pleite. Das war nicht immer leicht, aber lehrreich. Es lohnt sich, einen langem Atem zu haben.

Wie halten Sie sich fit?

Im Tour-Alltag ist richtige Ernährung das Wichtigste. Deshalb esse ich jeden Tag vietnamesische Pho-Nudelsuppe. Während zum Beispiel chinesisches Essen einmal gekocht und dann immer wieder aufgewärmt wird, wird Pho immer frisch zubereitet. 

Das klingt sehr vernünftig für einen Rocker.

Gesundes Essen ist die Grundlage für alles. Wenn du dich von Fastfood ernährst, geht es dir schlecht. Darunter leiden auch die Kreativität, der Antrieb – und auf Tour auch die Stimme. Das sollten sich auch Rock ’n’ Roller der sogenannten alten Schule hinter die Ohren schreiben: Du bist, was du isst. 

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10 2015 The Red Bulletin

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