Dave Bautista

Der schüchterne Bond-Bösewicht

Text: Rüdiger Sturm
Bilder:Dan MacMedan/Contour by Getty Images  

Der Mann ist sechsfacher Wrestling-Weltmeister, jagt James Bond und ist eigentlich schüchtern. Dave Bautista über die Überwindung von Panik.

THE RED BULLETIN: Herr Bautista, sind Sie ein Adrenalin-Junkie?

DAVE BAUTISTA: Wieso?

Sie haben die Statur eines Kriegs-Cyborgs, Sie jagen 007 mit einem Jaguar C-X75…

Also ich finde meine Figur in „Spectre“ elegant und ­kultiviert.

Kultiviert?

Na ja, zum Beispiel war ich extrem vorsichtig mit dem ­Jaguar. Damit ich ihn auf keinen Fall beschädige.

Sie sind also sechsfacher Wrestling-Weltmeister und vom Typ her zurückhaltend. Interessante Kombination.

Ich sage Ihnen was: Ich hatte als Wrestler Lampenfieber, wenn ich vor den Vorhang trat. Ich war sehr schüchtern.

So sieht ein schüchterner Mann auf der großen Leinwand aus. „Wrestling hilft“, sagt Dave Bautista, der Bond-Bösewicht in 007 Spectre.

© vipmagazin // YouTube

„Such dir eine Betätigung, für die du die Leidenschaft entwickeln kannst, richtig gut zu sein.“
Dave Bautista

Warum exponierten Sie sich dann so?

Aus Verzweiflung. Wrestling war meine letzte Chance, aus meinem Leben etwas Außergewöhnliches zu machen. Ich wuchs im Ghetto von Washington, D. C., auf, umgeben von Gewalt und Verbrechen. Ich war ein Problemkind, versagte in der Schule, in meinen Zwanzigern jobbte ich in Nachtclubs. Das wäre auch so weiter­gegangen. Dann aber wurde ich zweifacher Vater. Das ver­änderte alles. Wegen meiner Kinder lernte ich, für eine ­stabile Zukunft zu kämpfen.

Inwiefern?

Ich überlegte mir, in was ich richtig gut sein könnte, wenn ich mich richtig reinhänge. So fand ich zum Wrestling.

„… dann geh dieser Aktivität mit höchster Konsequenz nach und beweg dich raus aus deiner Komfortzone.”
Dave Bautista

Wieso Wrestling?

Das war eine Konsequenz aus meinen Erfahrungen im Fitnesscenter. Das Fitnesscenter war mein Zufluchtsort. Hier hatte ich es fast ausschließlich mit positiv eingestellten Leuten zu tun. Und beim Gewichtheben fühlte ich mich wohl in meiner Haut. Ich kann das jedem nur anraten: Such dir eine Betätigung, für die du die Leidenschaft entwickeln kannst, richtig gut zu sein. Dann geh dem mit höchster Konsequenz nach und beweg dich raus aus deiner Komfortzone.

Dave Bautista

An sich ein zurückhaltender Mensch, der sich nach Anerkennung sehnt: Dave Bautista, in diesem Fall „Drax der Zerstörer“ in „Guardians of the Galaxy“

© Picturedesk.com

Wann hat das bei Ihnen funktioniert? Wann haben Sie den Durchbruch geschafft?

Das hat gedauert. Am Anfang war ich als Wrestler furchtbar. Aber ich bin hartnäckig, und ich habe gelernt, meine Schüchternheit zu überwinden. Wenn es sein muss, mache ich mich lächerlich. Ich gehe Risiken ein, denn ich will etwas Außergewöhnliches schaffen.

Offenbar hat das geklappt. Sie sind nicht nur Wrestling-Champion, sondern auch Filmstar.

Ja, aber ich habe immer noch Panik, wenn ich für Rollen vorspreche. Ich sehe aus wie ein Gorilla und will aber so wahrgenommen werden, wie ich wirklich bin: als ernst­hafter Schauspieler.

Wer nimmt Sie so wahr, wie Sie wirklich sind?

Auf jeden Fall meine Mutter.­ Von ihr habe ich auch den starken Willen und das große­ Herz geerbt. Und mein Manager. Der ist zugleich auch mein bester Freund. Wann immer ich einen Traum hatte und alle anderen meinten, dies sei unmöglich, dann war er derjenige, der sagte: „Du schaffst das.“

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11 2015 the red bulletin

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