Deichkind

Deichkind: Fünf Wege zum Ruhm

Text: Andreas Rottenschlager
Bilder: Jonas Lindström

YouTube, Party, Nasenbluten: Uns haben die Pop-Rebellen Deichkind ihre fünf Erfolgsregeln verraten.

Sie singen über illegale Downloads und rollen Riesen-Bierfässer durchs Publikum. Nebenbei schreiben die Elektro-Rapper Deichkind die klügsten Songtexte deutscher Sprache („Leider geil“ über Sneakers aus Kinderarbeit, „Bück dich hoch“ über Stress im Büro und „Arbeit nervt“ über Arbeit, die nervt). Erst kürzlich erschien das neue Album der Hamburger Krawall- und Konzept-Künstler. Die Platte heißt „Niveau Weshalb Warum“ und schoss gleich auf Platz 1 der Album-Charts.

Wir haben die Deichkind-MCs Philipp Grütering und Sebastian Dürre sowie Band-Regisseur Henning Besser (er inszeniert die Live-Shows) in Berlin getroffen. Ergebnis: Fünf Fakten, die Deichkind zu Deutschlands spannendster Band machen.

1. Sie erfinden Trinkspiele.

Philipp Grütering: „Der Limited Edition unseres Albums liegt ein Gesellschaftsspiel bei, das wir auf Tour entwickelt haben. Es heißt ,BBBÄÄÄÄMMMM – das fertige Spiel‘ und soll zeigen, wie viel Niveau unsere Band hat. BBBÄÄÄÄMMMM ist ein Trinkspiel, bei dem du Aufgaben lösen musst. Außerdem solltest du keine Angst vor Klebeband und nackten Füßen haben. Wir haben ein YouTube-Video gedreht, das die Band beim Spielen zeigt. Der Clip erklärt eigentlich alles.“

2. Ihre Karriere basiert auf YouTube-Videos.

Henning Besser: „YouTube hilft in allen Lebenslagen: unternehmerisch, musikalisch oder wenn du neue Songs schreiben willst. Auf YouTube kannst du Gitarre spielen lernen oder deine Rap-Skills verbessern. Es gibt sogar Videos, die dich kreativer machen. Mein Tipp: ,Prof. Peter Kruse über Kreativität‘. Der Mann ist genial. Keine Verarsche.“

3. Sie schweißen ihre Requisiten selbst …

Henning Besser: „Wir brauchen acht Lastwagen, um das Equipment für unsere neue Liveshow zu transportieren. Die Bühnen-Requisiten bauen wir alle selbst. Bei schwierigen Installationen werden wir von einem Ingenieur und drei Lehrlingen unterstützt. Natürlich wäre es einfacher, den Bühnenbau ganz auszulagern, wie die meisten anderen Pop-Stars…“

Sebastian Dürre: „…aber das wollen wir nicht. Wir sind geiler als die und schweißen selbst.“

4. … und gehen bei jedem Scheißwetter auf die Bühne.

Sebastian Dürre: „Wir haben alles schon erlebt: minus 20 Grad in den Bergen vor der Skisprungschanze. Wir spielten im T-Shirt. Plus 42 Grad in Budapest. Da mussten sie die Teenies reihenweise aus dem Publikum ziehen. Wirklich verletzt habe ich mich auf der Bühne noch nie. Dafür habe ich Henning die Nase gebrochen – während eines Interviews. Ich klebte Gaffer-Tape auf mein Kostüm. Henning band sich neben mir die Schuhe. Ich riss das Tape nach hinten – knacks.“

5. Sie beschäftigen eine Party- und Facebook-Forschungsgruppe, die Berichte aus der Sicht von Jugendlichen an die Band schickt.

Henning Besser: „Eine Regel bei Deichkind lautet: die Song-Texte müssen immer nah am Zeitgeist sein. Deshalb haben wir eine Forschungsgruppe gegründet. Vier Angestellte, die für uns soziale Medien nach Trends durchforsten und in die Clubs feiern gehen. Die schreiben dann Berichte und schicken sie an die Band. In den Berichten steht zum Beispiel, dass Jugendliche sensibel auf Werbung reagieren – vor allem in sozialen Medien. Wir haben deshalb einen Song über Werbung geschrieben. Er heißt ,Powered by Emotion‘. Du kannst ihn dir am neuen Album anhören“. 

„Niveau Weshalb Warum“ erschien kürzlich bei Sultan Günther (Universal).

Das Interview zum Deichkind-Tourstart (8. März) gibt es in der April-Ausgabe des Red Bulletin.

Alle Konzert-Daten: www.deichkind.de

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02 2015 redbulletin.com

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