Agent Carter

Hayley Atwell über den Serien-Hit Agent Carter

Interview: Holger Potye
Bild (oben): Getty Images 

Als Peggy Carter verkörpert die Aktrice die Hauptrolle in der Marvel TV-Serie Agent Carter. Die Serie ist ein TV-Spinoff der erfolgreichen Captain-America-Kinoblockbuster.   

THE RED BULLETIN: Wie hat es  sich angefühlt eine alleinstehende Frau in den 40er-Jahren zu spielen? Mussten Sie viel für Ihre Rolle recherchieren?

HAYLEY ATWELL: Ja, ein bisschen. Aber wir wollten gar keine historisch korrekte Geschichte mit einer politischen Botschaft erzählen. Immerhin sind wir im Comic-Universum von Marvel – da darf alles ein bisschen fantastisch sein. Peggy lebt in einer von Männern dominierten Welt. Die Männer sehen in ihr eine typische Sekretärin aus der damaligen Zeit. Für sie kann Peggy vor allem gute Sandwiches und Kaffee zubereiten. Also muss sie in der Serie nicht nur gegen die bösen Buben kämpfen, sondern sich auch im Alltag mit Vorurteilen auseinandersetzen und gegen eine chauvinistische Männerwelt behaupten.

Fiel es Ihnen leicht in diese Welt einzutauchen?

Im Grunde war es dieselbe Welt, die wir aus den traditionell-patriotischen Captain America-Filmen kennen. Das war die Vorgabe der Produzenten. Als dann klar wurde, dass wir die TV-Serie tatsächlich machen würden, gab es eine schöne Überraschung für mich. Die Drehbuchautoren fragten mich nach meiner Meinung, wie ich persönlich die Figur von Peggy Carter sehen würde. Und sie wollten wissen, wie ich die Serie gestalten würde. Es ging also weniger darum eine Rolle zu spielen, als gemeinsamen mit den Autoren eine Figur für mich zu kreieren.

 

 

Ein kurzer Einblick in die erste Staffel von Marvel’s Agent Carter.

© YouTube // Marvel Entertainment

Haben Sie sofort Ja gesagt, als Sie das Angebot bekommen haben, die Hauptrolle in der Serie zu spielen?

Ja, absolut. Ich hatte schon beim ersten Captain-America-Film so viel Spaß und wurde sofort in die Marvel-Familie aufgenommen. Für mich bedeutete das, dass ich einen Charakter spielen konnte, den ich bereits gut kannte und gerne hatte. Und durch die Serie bekam ich die Gelegenheit mit der Figur mehr in die Tiefe zu gehen. Außerdem hat es geholfen, dass das Social Media-Universum die Peggy Carter aus den Filmen liebte. Sie wollten mehr von ihr, was bedeutete, dass ich bereits eine große Fan-Base hatte. Das verringerte das Risiko.

Warum glauben Sie, sind Comic-Superhelden gerade so beliebt? Sie dominieren zur Zeit Kino und TV …

Ich glaube Superheldenfilme und Serien sind gerade so populär, weil ihre Protagonisten alle - trotz ihrer Superkräfte - gewisse Schwächen haben. Schwächen, in denen wir uns als normales Publikum wiederfinden können. Es ist im Grunde eine archetypische, uralte Geschichte. Jemand muss sich gegen alle Widrigkeiten behaupten und seine Schwächen überwinden, um sich weiterzuentwickeln und ein besserer Mensch zu werden. Damit können wir uns leicht identifizieren.

„Für mich ist ein Held jemand, der die ewigen Wahrheiten kennt und mit ihnen im Einklang lebt.“
Hayley Atwell

Haben Sie als Kind Comics gelesen?

Nein! (Lacht.) Aber ich habe eine Menge Superheldenfilme gesehen. Aber ich wusste kaum etwas über die Comic-Buch-Welt, bevor ich ein Teil von ihr wurde.

Okay, aber jetzt ist sie Teil ihres Jobs. Also müssten Sie jetzt eigentlich Comics lesen …

Nein, ich habe seit Ewigkeiten kein Comic gelesen. Das ist ja das Tolle daran: Marvel und die Showrunners fragen mich immer um Input zu meiner Figur und basteln die Abenteuer dann rund um sie herum. Das erspart mir eine Menge an Nachforschungen.

Agent Carter

Von links nach rechts: Agent Daniel Sousa gespielt von Enver Gjokaj, Chad Michael Murray als Agent Jack Thompson, Shea Whigham als Agent Roger Dooley und Agent Peggy Carter, gespielt von Hayley Atwell.

© SYFY 

Wie stehen Sie zur Mode der 40er-Jahre? Sie war sehr elegant. Vermissen Sie diese Eleganz in unserer modernen Zeit?

Es war eine elegante Zeit, aber sie war nicht sehr praktisch. Ich musste die ganze Zeit in Bleistiftröcken und High Heels rumlaufen. Aber abgesehen davon liebte ich die Tatsache, dass Peggy eine streng vordefinierte Garderobe hat. Sie zieht ein eng anliegendes Shirt über und sieht so aus, als könnte sie jeden Augenblick die Welt erobern. Die Garderobe hat meine Körperhaltung und meine Art zu gehen beeinflusst. Die Kostüme halfen mir dabei, die Figur zu verstehen und in ihr aufzugehen. 

„Im echten Leben bin ich ganz schlecht darin, Geheimnisse zu bewahren. Ich würde vermutlich jedem erzählen, dass ich eine Geheimagentin bin.“
Hayley Atwell

Sie spielen eine Sekretärin, die als Nebenjob eine Geheimagentin ist. Könnten Sie sich vorstellen auch im echten Leben eine Geheimagentin zu sein?

Das wäre keine gute Idee. Ich bin nämlich ganz schlecht darin, Geheimnisse zu bewahren. Ich würde vermutlich jedem erzählen, dass ich eine Geheimagentin bin.

Ihre Definition von Held/Heldin ist …

Ein Held ist jemand, der uns dazu inspiriert ein besserer Mensch zu werden. Jemand, der die ewigen Wahrheiten kennt und mit ihnen im Einklang lebt. Ein Held ist die beste Variante von uns selbst, jemand der vor allem auch ein humanitäres Vorbild ist. Jemand, der über Fähigkeiten verfügt, die uns Normalsterblichen meist fehlen.

Agent Carter

Peggy Carter, gespielt von Hayley Atwell, ist in Marvel’s Agent Carter zugleich Sekretärin und Geheimagentin.

© SYFY

Stimmt es, dass Sie als Bild in Ihrem Führerschein ein Bild von Ihrem Seriencharakter Peggy Carter haben? Also Hayley Atwell im 40er-Jahre-Look?

Ja, das stimmt. Ich musste meinen Führerschein erneuern und ich hatte nur eine halbe Stunde Zeit, weil wir an dem Tag drehten. Also meinte unser Produzent, dass ich im Peggy-Carter-Outfit zur Führerschein-Behörde gehen müsste, sonst kämen wir zeitlich in Verzug. Also ging ich da als Peggy Carter rein. In meinem Kostüm, meiner Perücke, den aufgetrimmten Nägeln und jeder Menge Make-up. Und sie machten mein Foto. Es ist nun mein offizielles Führerscheinfoto.

Und das hat geklappt?

Ja, die waren ziemlich zufrieden damit. Sie haben nicht einmal mit der Wimper gezuckt bei der Behörde. Sie dachten wohl ich schaue jeden Tag so aus.

Agent Carter

Ihr Kollege Agent Jack Thompson, gespielt von Chad Michael Murray (in der Mitte), ist in Agent Carter Peggy’s Rivale. 

© SYFY

In den letzten Jahren wurden TV-Serien immer wichtiger. In gewisser Weise haben Sie ihren großen Bruder, das Kino, längst überholt. Wie sehen Sie das?

Ich glaube der Grund, warum so viele Schauspieler und Regisseure vom Kino zum Fernsehen wechseln, ist die Qualität der Geschichten, die dort erzählt werden. Die Drehbücher sind so viel besser als früher. Im Kino hast du für die Charakterisierung deiner Figuren gerade einmal zwei bis drei Stunden Zeit. Im TV hast du fünfzehn bis zwanzig Stunden, um deine Charaktere auszufeilen und spannende Geschichten mit großen Story-Bögen zu erzählen. Diese Chance ist für einen Schauspieler sehr verlockend.

Agent Carter

Patrick Robert Smith und Hayley Atwell kämpfen miteinander in der Agent Carter Episode namens „Time & Tide”. 

© SYFY

Was war für Sie die größte Herausforderung am Set von Agent Carter?

Das waren wohl die Kampfsequenzen. Es war manchmal eine unbarmherzige Tortur. Wir mussten so lange drehen und drehen und wieder drehen bis sie passte. Sie waren von der Choreographie her schwierig und verlangten viel Durchhaltevermögen von mir. Neben den emotionalen Szenen musste ich also auch körperlich Vollgas geben. Das war wohl die größte Herausforderung.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Ich hatte zwei Stunt-Koordinatoren die mich in Sachen Nahkampf und Martial Arts auf Vordermann brachten. Ich hatte in meiner klassischen Theaterausbildung vor allem auch gelernt wie wichtig Disziplin für das Schauspiel ist. Das kam mir nun zugute. Jeden Tag vor einer Action-Szene probte ich diese mit einem Stunt-Koordinator – nur die Choreographie und die Bewegungen. Je öfter du es machst, desto besser wirst du darin. Übung macht den Meister.

Agent Carter

Die Welt der Geheimagentin Peggy Carter ist in den 1940er Jahren angesiedelt.

© SYFY

Sind Sie sportlich?

Naja, in der Schule war ich sehr sportlich. Und ich mache noch immer regelmäßig mein Workout. Drei bis vier Mal in der Woche gehe ich ins Fitnesscenter, stemme Gewichte – solche Dinge. Außerdem schwimme ich gerne. Ich würde also sagen, dass ich eine recht aktive Person bin.

Betreiben Sie auch eine Extremsportart?

Geht Tauchen mit Haien als Exremsportart durch? Das mache ich nämlich recht gerne.

Es gibt gerade eine Menge TV-Shows von Marvel – Daredevil läuft gerade recht erfolgreich. Eine Punisher-Serie ist in Planung. Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie auch in anderen Marvel-Serien als Peggy Carter auftreten?

Ja, grundsätzlich kann ich mir das gut vorstellen. Im Marvel-Universum ist alles möglich. Ich hatte schon ein paar Cameo-Auftritt in Agents of S.H.I.E.L.D. Wenn man mich fragt, bin ich gerne dabei. Ich fände es großartig, wenn Peggy das ganze Marvel-Universum erobern würde. Das wäre ein Spaß!

Letzte Frage: Haben Sie einen Lieblingssong aus den 40er-Jahren?

Ich bin mir nicht sicher, ob das Lied aus den 40er-Jahren ist, aber ich mag „Clair de Lune“ sehr gerne.

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06 2015 Redbulletin.com

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