Emilia Clarke

„Auch Kakerlaken können Freunde sein“

Text: Rüdiger Sturm
Bilder: Getty Images

Emilia Clarke ist die schönste Frau in der Superserie „Game of Thrones“. Außerdem weiß sie, wie man zur Heldin wird.

Sie startete als Sexobjekt, stieg auf zur Kommandantin einer Armee und zur Königin in spe – selbst im turbulenten Universum der erfolgreichsten TV-Serie der Welt (inklusive der Kontinente Westeros und Essos) ist die Karriere der Daenerys Targaryen außergewöhnlich. Nicht zuletzt ­verantwortlich dafür ist ihre Darstellerin Emilia Clarke.
 

THE RED BULLETIN: Sie stecken gerade in der fünften Staffel. Glauben Sie, Sie werden das „Game of Thrones“ am Ende gewinnen?

EMILIA CLARKE: Natürlich (lacht). Ich sage zu meinen Co-Darstellern immer: „Entspannt euch. Ich bin es, die auf dem Thron landen wird.“ 

Wären Sie knallhart genug, um ein ganzes Reich in den Griff zu kriegen?

Ich bin weit davon entfernt, so zu sein wie meine Figuren. Ich habe ja nicht mal Drachen. Um ganz ehrlich zu sein, das Coolste und Schwierigste, was du als Frau erreichen kannst, ist etwas ganz anderes: zu akzeptieren, wer du bist, und damit glücklich zu sein.

Wenn schon keine Drachen, haben Sie andere Tiere gebändigt?

Oh ja, Kakerlaken. Vor vielen Monden lebte ich in einem Haus mit Kakerlaken. Mit einer von ihnen hab ich mich angefreundet. Ein riesiger Kerl von einer Kakerlake. Ich habe ihn Bob genannt.

Danaerys Targaryen, Game of Thrones

Emilia Clarke, 28. Als im April 2011 die HBO-Serie „Game of Thrones“ startete, wurde aus dem Nobody ein Star.

© HBO

Was wurde aus Bob?

Ich schätze, er ist nicht mehr unter uns. Aber ich muss gestehen, ich habe ihn aus den Augen verloren.

Daenerys Targaryen wurde vom naiven Mädchen zur cleveren Herrscherin und Sie von der Kakerlakendompteuse zum Star…

Gute Parallelen. Vor „Game of Thrones“ machte ich Catering – also in der Zeit, in der ich mit Bob zusammenwohnte. 

Sind Sie noch gut beim Cate­ring? Was wäre, wenn ich zum Beispiel jetzt ein Mittagessen wollte?

Ich könnte Ihnen wirklich guten Champagner und Kanapees servieren.

Manche Leute tun das für den Rest ihres Lebens, Sie wurden ein Star. Was machte den Unterschied?

Ich bin fest davon überzeugt, wenn du etwas lange genug wirklich willst, dich darauf konzentrierst und nie aufgibst, dann wirst du erreichen, was du willst. Und seit ich ganz, ganz klein war, wollte ich immer Schauspielerin werden. 

„Ganz, ganz klein“ heißt…

… drei. Mit drei war ich im Musical „Showboat“, und ich war wie hypnotisiert. Wenig später sah ich Audrey Hepburn in „My Fair Lady“. Ich entwickelte eine echte Obsession für sie. Zwei Jahre lang schaute ich mir jeden Tag diesen Film an.

Vor „Game of Thrones“ ­waren Sie noch kein wirk­licher Star. Sie bekamen die Rolle einfach so?

Ja, ein Jahr zuvor hatte ich die Theaterhochschule beendet. Ich sprach für die Rolle vor – mit geringer Erfahrung, aber großem Enthusiasmus – und wurde besetzt. Man kann mein damaliges Gefühl am ehesten mit dem eines kleinen Mädchens in einem Wirbelsturm wie in einem geheimnis­vollen Märchen vergleichen.

„Du musst deine Ziele entschlossen, aber ohne Egoismus  verfolgen. Und dabei der eigenen Eitelkeit entwischen.“
Emilia Clarke

Wahrscheinlich schlotternd vor Angst, dass Sie an der Aufgabe scheitern?

Vor Beginn der Dreharbeiten war die Angst riesig. Aber am Set blieb nur mehr das klassische Lampenfieber wie im Theater. Das ist das Tolle am Spielen: Sobald du auf der Bühne stehst, geht es nur um deine Figur. Bammel hatte ich nur vor einer Sache: Ich liebe Pferde und Reiten, aber nicht vor der Kamera. Wenn du so viel Equipment herumstehen hast, kann ein Idiot auf einem Pferd alles kaputtmachen. Und was war bei meiner allerersten Szene? Ich durfte reiten. Aber dann ging alles gut.

Hat Ihnen die Rolle bei­gebracht, was es braucht, ein Held zu sein?

Ich denke schon. Du musst deine Ziele entschlossen verfolgen, aber ohne Egoismus. Der Trick für einen kühlen Kopf ist, deiner eigenen Eitelkeit zu entwischen.

Wenn Sie eine Herrscherin in unserer Welt wären: Was wäre Ihre erste Entscheidung für das Gemeinwohl?

Hmmm … ich würde den Bierpreis halbieren (lacht schallend).

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05 2015 The Red Bulletin

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