Emilia Clarke

Die Drachenzähmerin 

Text: Holger Potye
Bilder: Getty Images 
 

In der fünften Staffel von Game of Thrones hat Daenerys Targaryen ihre besonderen Höhepunkte. Mit uns spricht Schauspielerin Emilia Clarke über Drachenerziehung, Girl Power und Arnold Schwarzenegger. 

THE RED BULLETIN: Wie läuft’s denn mit Ihren Drachenkindern? Haben Sie als Mutter einen guten Job gemacht?

EMILIA CLARKE: Oh ja, die Drachen! In Sachen Kindererziehung werde ich in Staffel 5 echt auf die Probe gestellt. Meine Drachen sind jetzt Teenager und benehmen sich auch so. Wir haben sie in der letzten Staffel nicht so toll behandelt und deshalb startet Staffel 5 mit einem großen „Bang“, was das anbelangt. 

Haben Sie eigentlich einen Lieblingsdrachen?

Hm, Mütter dürfen eigentlich keinen Liebling haben. Aber wenn ich ehrlich bin, wahrscheinlich Drogon, der Größte meiner Drachen. 

Die sechste Staffel von „Game of Thrones“ erscheint in den USA im April auf HBO.

© GameofThrones / Youtube

Die Beziehung zu Ihrer Dienerin Missandei hat sich in der letzten Staffel interessant entwickelt. Sie sind ein echtes Girl-Power-Team …

Ja, Daenerys lernt gerade viel dazu. Bisher war Sir Jorah (Mormont) ihr Berater und Fels in der Brandung. Da diese Beziehung auf einem Tiefpunkt angelangt ist, musste sie sich nach anderen Möglichkeiten umsehen. Daenerys schätzt Missandeis Scharfsicht. Sie weiß, dass sie von ihrer Sensibilität profitieren kann. Im Gegenzug dafür gibt sie Missandei Kraft und Selbstbewusstsein. Die Beziehung zu Missandei ist weniger einseitig, als die zu Sir Jorah war, weil beide Seiten davon profitieren. Sie ist gleichwertiger.  Bisher wurde Daenerys immer von älteren, klügeren Ratgebern gecoacht – mit Missandei ist es eine Beziehung auf Augenhöhe. 

Daenerys hat sich seit Staffel 1 im Vergleich zu anderen Charakteren etwas langsamer entwickelt. Sind Sie mit der Entwicklung ihrer Figur zufrieden?

Ich weiß, was Sie meinen. Aber Staffel 5 ist – was Daenerys angeht – vergleichbar mit der ersten Staffel. Daenerys ist in der Handlung wieder eine zentrale Figur. In den letzten Staffeln musste ich viel Land hinter mich bringen, da blieb wenig Zeit für meine Entwicklung. Jetzt habe ich fürs Erste eine Heimat gefunden und bleibe dort. Daher lerne ich auch wieder mehr dazu.

Ihr Charakter ist außergewöhnlich stark. Sehen Sie sich selbst als Vorbild?

Ja, das ist eine wunderbare Seite meines Jobs. Du kannst Menschen berühren und ihnen etwas für ihr Leben mitgeben. Selbstbewusstsein und der Glaube an sich selbst ist besonders wichtig für junge Frauen - das versuche ich ihnen zu geben. 

Emilia Clarke

Bitte lächeln

Emilia Clarke (ganz rechts) mit ihren GoT-Kollegen Maisie Williams und Kit Harington 

© Kevin Mazur/WireImage/Getty Images 

„Ich bin definitiv ein größerer Dummkopf als Daenerys.“
Emilia Clarke

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrer Serien-Figur?

Ich hoffe, dass wir einiges gemeinsam haben. Aber ich bin definitiv ein größerer Dummkopf als Daenerys. (Lacht.)

Wie sieht es mit Daenerys Liebesleben aus? Dürfen wir uns in Staffel 5 auf neue Romanzen freuen?

Hm, Romanze ist das falsche Wort. Es geht in Staffel 5 mehr um Lust als um Liebe. Es ist alles rein geschäftlich sozusagen. (Lacht.) Für Romantik ist da kaum Platz.

Welcher Charakter in „Game of Thrones“ wäre die große Liebe für Daenerys, wenn Sie das entscheiden könnten?

Der Hund? (Lacht.)

Im Ernst: Welchen Partner würden Sie sich wünschen, wenn Sie die Wahl hätten?

Im Ernst: Ich würde mich für Sandor Clegane, den „Hund“, entscheiden. Ich glaube ich könnte gut mit ihm. Oder Varys, eine Spinne. Den finde ich auch ganz toll.

Was war für Sie das Highlight der kommenden fünften Staffel?

Ich darf nichts verraten, aber während der gesamten Dreharbeiten herrschte eine ganz besondere Atmosphäre am Set. Das lag daran, dass die fünfte Staffel mächtiger ist als alle bisherigen. Es gibt mehr Schockmomente, mehr emotionale Szenen – von allem mehr als in den früheren Staffeln. Speziell meine Storyline hat diesmal sehr viele Höhepunkte.

Sex und Gewalt ist Teil des Erfolgsrezepts von „Game of Thrones“. Wird die Geschichte dadurch authentischer?

Für mich ja. Wir geben den Zusehern etwas, über das sie sich im Büro oder im Pub unterhalten können. Manchmal sind sie wirklich schockiert. Das alles macht das GoT-Universum echter und zieht die Leute in seinen Bann.

Gibt es eigentlich auch eine Porno-Parodie von „Game of Thrones“? Die Sexindustrie adaptiert Blockbuster normalerweise recht schnell …

Ganz bestimmt. Ob die Welt sie allerdings braucht, ist eine andere Frage.

Daenerys Targaryen ist mittlerweile fixer Bestandteil der Popkultur. Zudem werden Sie als Sarah Connor in „Terminator: Genisys“ ab Juli in einer weiteren starken Frauenrolle im Kino zu sehen sein. Was kommt da noch? Sehen wir Sie bald auch als Ripley in „Alien“?

Ich weiß, ich weiß! Aber keine Angst, mein nächster Film ist ziemlich genau das Gegenteil davon. Es ist eine Art „Bridget-Jones“-Geschichte. Ich werde eine verletzliche junge Frau spielen. 

Welcher Part war für Sie schwieriger: Daenerys Targaryen oder Sarah Connor?

Beide sind komplexe, vielschichtige Charaktere. Daenerys lernen wir in Game of Thrones als verwundbares, junges Mädchen kennen, das sich zu einer starken Frau entwickelt. Sarah Connor ist bereits supertaff, wenn wir ihr das erste Mal begegnen. Sie ist ein „Bad Ass“ und muss ihre sensible Seite erst finden. Im Grunde sind die Entwicklungsstufen von Daenerys und Sarah genau umgekehrt. Es ist also nett, beide zu verkörpern.

Wie war der Dreh mit Arnold Schwarzenegger? Er ist in Österreich ja eine Legende…

Arnie ist einfach wunderbar. Verdammt wunderbar sogar! Du siehst ihn und denkst dir: „Oh, Mann! Da steht eine echte Filmikone vor dir und du darfst mit ihm drehen.“ Und du bist ziemlich nervös. Und dann findest du heraus, dass er ganz unkompliziert und locker ist. Er ist einfach ein zugänglicher Kerl. Allerdings ein sehr großer, zugänglicher Kerl.

Warum glauben Sie ist „Game of Thrones“ weltweit so erfolgreich?

Ich denke wir behandeln in der Serie universelle Themen – egal, aus welcher Kultur man kommt und welche Sprache man spricht. Und Davids (Benioff) und Daniels (B. Weiss) Bücher sind eine Offenbarung. Sie sind Genies. Die Komplexität der Charaktere – niemand ist nur gut oder böse – macht es dem Publikum leicht sich in ihnen wiederzufinden. Gleichzeitig ist GoT eine wunderbare Fantasie-Welt, in die man entfliehen kann. Es ist die perfekte Mischung.

„Arnie (Schwarzenegger) ist einfach wunderbar!“
Emilia Clarke

Was glauben Sie, würden sich einige unserer Politiker in der Welt von Westeros wohl fühlen?

Gute Frage! Hm, vielleicht unser Premierminister David Cameron. Er könnte es sich in King’s Landing gemütlich machen und ein paar Kinder kaufen. (Lacht.)

Aidan Gillen (Littlefinger) meinte, dass er sich für seine Figur vom britischen Politiker Peter Mandelson inspirieren ließ. Gibt es vielleicht auch Gemeinsamkeiten zwischen Daenerys und Margaret Thatcher?

Oh, wie gemein! Ich bin doch viel netter als Maggie!! Sie hat alles privatisiert, ich versuche alles und alle frei zu machen. (Lacht.)

Wie lange dauert es bis sich Emilia Clarke in Daenerys Targaryen verwandelt?

Ich sitze zweieinhalb Stunden in der Maske bevor ich fürs Set bereit bin. Die meiste Zeit brauche ich für meine Haare. Die weiß-blonde Langhaarperücke macht ganz schön viel Arbeit.

Der Daenerys-Look war letztes Jahr eines der beliebtesten Halloween-Kostüme…

Ja, ich hab mich königlich darüber amüsiert. Einmal zeigte mir jemand das „Naked Daenerys“-Kostüm. Es war ein Hauch von einem Bodysuit mit drei Drachen, die auf die entscheidenden Stellen drapiert waren. (Lacht.) Die Drachen waren allerdings echt klein. Das war ganz schön weird.

„Jap, noch immer eine Perücke - noch immer nicht meine Haare.“

Es gibt mittlerweile auch „Daenerys“-Action-Figuren. Was ist das für ein Gefühl, wenn man die eigene Puppe in Händen hält?

Es ist ein bisschen unheimlich. Vor allem weil meine Figur recht männlich wirkt. Ich sehe aus wie ein Mann in Frauenkleidern. Emilia, die Drag-Queen. Meine Action-Figur hat noch dazu ein sehr ausgeprägtes, markantes Kinn. Autsch! (Lacht.)

Wie reagieren Fans, wenn Sie sie auf der Straße treffen?

Die meisten sind überrascht, dass meine blonde Mähne nicht echt ist. Was soll ich tun? Darüber kommen sie einfach nicht hinweg. (Lacht.)

Gab es auch einige schräge Momente am Set?

(Lacht.) Jede Menge! Aber die sind nicht für Journalisten-Ohren bestimmt. Sorry!

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03 2015 The Red Bulletin 

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