Emma Stone

„Helden nehmen Dinge leicht“

Text: Rüdiger Sturm
Bild: Carolyn Cole/Contour by Getty Images

Emma Stone war Spider-Mans Flamme und Birdmans Küken, ehe sie der Liebling des Broadways wurde. Sie verdankt das nicht zuletzt ihrem Talent für Panik. 
 

THE RED BULLETIN: „Birdman“ brachte Ihnen die erste Oscar-Nominierung Ihrer Karriere, die Kritiker feierten Sie für Ihr Broadway-Debüt „Cabaret“. Aber da ist etwas noch faszinierender an Ihnen …

Emma Stone: … ach ja? 

Das Tattoo auf Ihrem Handgelenk. Was nicht viele wissen: Es wurde von Paul McCartney speziell für Sie entworfen. Verraten Sie uns, was es bedeutet?

Das sind zwei Vogelfüße, wegen des Lieblingssongs meiner Mutter, „Blackbird“ von den Beatles, und wegen der großartigen Zeile darin: „Take these broken wings and learn to fly“.

Ihnen wurden die Flügel gebrochen?

Zu Beginn meiner Karriere sprach ich für die TV-Serie „Heroes“ vor. Bevor ich hineinging, hörte ich durch die Wand, wie man dem Mädchen vor mir sagte: „Du hast die Rolle. Du bist die Beste.“ Das war Hayden Panettiere. In diesem Moment brach vieles in mir zusammen. Ich dachte: „Fuck, ich werde mein ganzes Leben lang nur Absagen kriegen. Immer nur nein, nein, nein hören.“ 

Und wie haben Sie danach wieder zu fliegen gelernt?

Schon zwei Wochen danach bekam ich die Rolle in „Superbad“. Die veränderte mein Leben für immer. Das hat mich gelehrt, zu versuchen, aus schwierigen Situationen das Beste zu machen.

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Haben Sie da ein Beispiel für uns?

Ich leide an Panikattacken, seit ich acht bin. Zwei Jahre ging ich zu einem Psychotherapeuten. Das half mir, mich selbst klar zu sehen. Nur dieser Hang, mich selbst fertigzumachen, der blieb. Und ich kann ganz schön nervös werden. Aber ich habe eben auch diese Bewältigungsmechanismen.

Wie sehen die aus?

Einer der besten geht so, dass du dir vorsagst: „In 98 Prozent der Zeit ist alles okay. Ich kriege jetzt keine Panik. Ich sitze auf einer Couch mit einer Tasse Kaffee in der Hand. Wenn ich Essen will, kann ich es haben. Bin ich okay? Ja, ich bin okay. Keine Angst. Niemand stirbt.“

„Du merkst, wenn das mit Schauspielern passiert. Es ist so, als würde ein Nilpferd spielen.“
Emma Stone

Okay, das ist ein recht kurzer Weg von der Kaffeetasse zum Tod. Ist der ein so großes Thema für Sie? 

Als ich jünger war, hatte ich eine Schwäche für alles Gruselige. Ich ging auf Friedhöfe. Und das alles interessiert mich noch immer, nicht auf negative Weise. Wenn du dir klarmachst, dass deine Zeit begrenzt ist, lebst du viel bewusster. Warum soll ich mir über alles andere Sorgen machen? Die wahre Realität ist der Tod. Und damit hat er etwas seltsam Beruhigendes an sich.

Ist die Schauspielerei bei Ihrer emotionalen Veranlagung nicht der völlig falsche Beruf?

Im Gegenteil. Die Schauspielerei ist ein Bewältigungsmechanismus. Ich habe viele Emotionen und eine dünne Haut, eine harte Kombination eigentlich, aber mein Job hilft mir, sie produktiv zu nutzen. Natürlich können Rollen auch Panik fördern, wenn die Herausforderungen zu hoch sind. Aber je verletzlicher du bist, je mehr Angst du hast, desto besser ist normalerweise das Resultat. Als Schauspieler bist du da in einer merkwürdigen Situation: Die eine Hälfte von dir will dich vor deiner natürlichen Sensibilität schützen, und die andere weiß, dass du genau das brauchst, um deinen Job gut zu machen.

Wie bleiben Sie mit dieser dünnen Haut im Hollywoodwahnsinn normal?

Zum Glück habe ich Leute, die ich liebe und denen ich vertraue. Und die Beziehungen in meinem Leben haben gegenüber meiner Arbeit absolute Priorität. Aber ich will auch gar keine dicke Haut bekommen. Du merkst, wenn das mit Schauspielern passiert. Es ist so, als würde ein Nilpferd spielen.

Sie haben in „The Amazing Spider-Man 2“ die Freundin eines Superhelden gespielt. Könnten Sie einen Helden gebrauchen, um mit dem realen Leben fertig zu werden?

Das hängt davon ab, was er für eine Art Held ist. Ich suche jemanden, der lacht, wenn du hingefallen bist. Denn ich mag Menschen, die die Dinge leichtnehmen. Das sind meine Helden im täglichen Leben.

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06 2015 The Red Bulletin

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