Valeska Steiner und Sonja Glass von Boy

„Lieber ein Bier trinken“  

Interview: Andreas Rottenschlager
Foto: Debora Mittelstaedt

Das deutsch-schweizerische Frauen-Duo BOY schreibt verträumte Popsongs. Und weiß, wie sich Erfolg verlängern lässt.

Ihr Debüt-Album „Mutual Friends“ erreichte 2012 Goldstatus in Deutschland, ihre Single „Little Numbers“ sammelte 14 Millionen Klicks auf YouTube: Seit 2007 versorgt das deutsch-schweizer Frauenduo BOY seine Fans mit feinstem Indie-Pop. Nun legen Sängerin Valeska Steiner und Bassistin Sonja Glass ihr zweites Album „We Were Here“ vor. Wir haben die Pop-Poetinnen gefragt, wie man Erfolg plant – und überraschende Tipps bekommen.

THE RED BULLETIN: Sonja, Valeska, euer Debüt-Album „Mutual Friends“ erreichte vor drei Jahren Goldstatus in Deutschland. Jetzt erscheint euer neues Album. Habt ihr ein Rezept, wie man Erfolg verlängert?

SONJA GLASS: Indem man seinen Kopf freimacht. Unter Druck entsteht nichts Gutes, das habe ich beim Musik schreiben immer wieder gemerkt. Wer uninspiriert ist, sollte lieber ein Bier trinken gehen, als sich fertigzumachen. Ideen entstehen oft in unerwarteten Situationen.

Kann man solche Situationen auch bewusst erzeugen?
Valeska Steiner:
Ja. Wir hatten uns zum Beispiel überlegt, nach New York zu fahren, um Material für neue Songs zu sammeln. Dann sind wir draufgekommen, dass New York überall sein kann. Also zogen wir durch unsere Heimatstadt Hamburg und erkundeten die Straßen wie Touristen. So entstand der Song „New York“. Sein Thema: Das Neue liegt direkt vor deinen Füßen.

„We Were Here“ erscheint auf Grönland Records. Welche Tipps hat euch Plattenboss Herbert Grönemeyer für das Musikgeschäft gegeben?

VALESKA STEINER: Er hat den Druck von uns genommen. Er sagte: „Macht worauf ihr Lust habt und freut euch, dass ihr neue Songs schreiben könnt.“ Einen Künstler als Label-Chef zu haben, ist definitiv ein Riesenvorteil.

„Anscheinend reicht es heutzutage nett zu sein, um zu schockieren“


Mick Jagger sagte über die Anfangsjahre der Rolling Stones: „Du kannst nur erfolgreich sein, wenn du dir einen Dreh einfallen lässt. Schockieren zum Beispiel.“ Hat er Recht?

VALESKA STEINER: Für sich hatte er bestimmt Recht, weil es für die Rolling Stones super funktioniert hat. Für uns gilt das nicht.
SONJA GLASS: Wir schockieren durch Freundlichkeit. 

Warum ist Freundlichkeit schockierend?

SONJA GLASS: Weil viele nicht verstehen, dass sich zwei Frauen in einer Band gut verstehen können. Journalisten fragen immer: „Streitet ihr euch oft?“ oder „Gibt es bei euch Zickenterror?“. Anscheinend reicht es heutzutage, nett zu sein, um zu schockieren.

Einige eurer Konzerte im Herbst sind bereits ausverkauft. Ist es schwieriger, erfolgreich zu werden oder Erfolg zu halten?

VALESKA STEINER: Über das Thema Erfolg halten können wir nicht viel sagen, weil „We Were Here“ erst unser zweites Album ist. Aber es war ein langer und harter Weg bis zum ersten Album, so viel ist sicher. 

© YouTube // groenlandrecords

Ihr habt erzählt, dass euch Plattenfirmen anfangs ablehnten, weil sie eure Musik nicht einordnen konnten. Wie seid ihr mit der Zurückweisung umgegangen?

VALESKA STEINER: Wir haben uns gegenseitig Mut gemacht. Und einfach weitergespielt. Das negative Feedback haben wir zu einer Zeit bekommen, als wir schon viel Zeit und Arbeit in das Album investiert hatten. Darum wurde auch unsere finanzielle Situation schwierig. Wir haben unsere erste EP dann selber produziert. 

„Unter Druck entsteht nichts Gutes“

…und eure Karriere selbst in die Hand genommen.

SONJA GLASS: Genau. Wir spielten kleine Konzerte. Oft vor weniger als zwanzig Leuten. Wir haben unsere Instrumente eingepackt und sind mit dem Zug zu den Auftritten gereist. 

VALESKA STEINER: Wir haben gemerkt, dass wir die Menschen mit unserer Musik erreichen. Also haben wir weitergemacht. Die Lektion: Man darf Autoritäten nicht mehr glauben, als dem eigenen Gefühl. 

„We Were Here“ erscheint am 21. August bei Grönland Records. 
Alle Tour-Termine: www.listentoboy.com

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09 2015 The Red Bulletin

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