Flume

Das Remix-ABC

Text: Florian Obkircher
Bilder: Lisa Frieling

Flumes flauschige Elektronik-Tracks und seine Remixes für Stars wie Lorde, Arcade Fire und Disclosure haben dem australischen Produzenten in den letzten zwei Jahren viel Ruhm und Bewunderung beschert. Im Interview erklärt der 23-Jährige das Handwerk des Remixens. 

THE RED BULLETIN: Was muss ein Song haben, damit du Bock hast, ihn zu remixen?

FLUME: Ich remixe prinzipiell nur Stücke, die ich im Original großartig finde. Außerdem muss ich das Gefühl haben, dass ich dem Song ein neues Gesicht geben kann. Wenn es sich um ein sanftes, trauriges Stück handelt, dann möchte ich mit meinem Remix genau das Gegenteil erreichen. 

Kannst du mir ein Beispiel geben?

Nehmen wir zum Beispiel meinen Remix von „You & Me“ für Disclosure. Das Original ist ein galoppierender House-Track. Ich verwandelte das Stück in eine orchestrale Ballade. Im Prinzip bastelte ich einen ganz neuen Song, der mit dem Original nur den Gesang gemeinsam hat. Meine Remixes sollen mehr sein als eine Variation des Originals.

Flume hat bereits Songs von Musikergrößen wie Arcade Fire, Disclosure oder Lorde geremixt.

Wie oft hörst du dir den Song an, bevor du mit dem Remixen beginnst?

So selten wie möglich. Weil ich vermeiden möchte, dass sich der Song zu sehr in meinem Kopf festsetzt. Wenn du das Stück umbauen willst, wenn du etwas Neues kreieren willst, dann ist es hinderlich, den Originalsong zu gut zu kennen.

Was sind die ersten Schritte beim Remixen?

Meistens nehme ich nur die Gesangsspur des Originals und schreibe eine neue Akkordfolge dafür. Ich pitche den Gesang auch nach unten oder zerschneide die Stimmspur. Das klingt oft lustig und hilft mir, um auf neue Melodien zu kommen. Ich verwende die Vokalspur quasi wie ein zusätzliches Instrument.

Anfangs verwendete ich diese Technik einfach, weil es mir großen Spaß machte. Heute ist diese Herangehensweise das Markenzeichen meiner Remixes.

Welche Tools verwendest du ?

Meistens mache ich alles mit meinem Laptop. Es ist natürlich toll in einem richtigen Tonstudio zu arbeiten, aber mir ist die Flexibilität beim Musikmachen wichtig. Ich will am Flughafen oder im Café an meinen Tracks arbeiten können.  Zu jeder Zeit, wann immer ich mich inspiriert fühle.

„Wenn es sich um ein sanftes, trauriges Stück handelt, möchte genau das Gegenteil erreichen.“
Flume

Welche Software verwendest du?

Für meine Remixes verwende ich Ableton Live und Software-Synthesizer. Der Synthesizer, den ich in fast jedem meiner Tracks benutze, heißt LennarDigital Sylenth1. Er ist gar nicht so speziell, aber ich liebe seine Sound-Palette. Ich erziele damit meist schnell gute Ergebnisse.

Außerdem arbeite ich viel mit Sample-Packs. Das heißt, mit Datenbanken, bei denen man sich aus abertausenden Instrumenten-Sounds die passenden wählen kann. Ich klicke mich dann durch hunderte Bass-Drums und Snare-Drums, um die passenden zu finden. Standard-Sounds nerven mich, ich will komische und einzigartige Klänge. Klänge, die sonst niemand verwendet.

Flume

Flume’s Ratschlag: „Experimentiere am Anfang und entwirf‘ dann deinen eigenen Stil.“

© Lisa Frieling 

Wie bewirbst du deine Remixes?

Mit YouTube-Clips. Ich denke mir, wenn ich schon so viel Zeit und Energie in meine Remixes stecke, warum soll ich sie dann nicht wie meine eigenen Tracks behandeln? Sprich, Videos dafür machen und sie auf meinen Social-Media-Plattformen ordentlich pushen? Und die zusätzliche Arbeit zahlt sich aus: Einige meiner Remix-Clips haben auf YouTube höhere Klick-Zahlen als meine Original-Tracks.

Gibt’s einen Remix, der dich am Anfang inspiriert hat?

Ja, einer der Besten ist der Boys-Noize-Remix von „My Moon My Man“ von Feist. Boys Noize hat aus dem Rohmaterial des Popsongs einen Club-Track gemacht, der geiler ist als das Original. Und das, so finde ich, ist das ultimative Ziel jedes Remixes.

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03 2015 The Red Bulletin 

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