Indie-Pop-Band Foals

Foals und der Geist von Van Gogh

Text: Florian Obkircher 
Bilder: Nabil Elderkin 

Foals sind die neuen Indie-Pop-Lieblinge. Im Interview spricht Frontman Yannis Philippakis über das letzte Album „What Went Down“, abgeschnittene Ohren und seine Abneigung gegen Spotify und Co.

Wenn es eine junge Band gibt, die den Vergleich mit Talking Heads verdient, dann sind es die Foals. Genauso wie David Byrne’s legendäre Gruppe kombiniert das britische Quintett gekonnt Leftfield-angehauchte Stilrichtungen wie Post-Punk, Disco-Funk und Math-Rock mit Indie-Pop-Melodien, die ins Ohr gehen. Nachdem ihr Album Holy Fire 2013 erfolgreich einschlug und die australischen Charts anführte und es auf Platz 2 in Großbritannien schaffte, stellte die Band zwei Jahre später ihr Folgewerk What Went Down vor, das mit etwas schwereren, gitarrenlastigen Sounds überzeugt. Im Interview enthüllt der 29-jährige Frontman Yannis Philippakis Details über das Bandleben und den Prozess des Songschreibens.

Foals-Diskografie

  • Antidotes (2008)
  • Total Life Forever (2010)
  • Holy Fire (2013)
  • What Went Down (2015)

Die neue Single „Mountain At My Gate“ von den Foals.

© YouTube/Foals

THE RED BULLETIN: Das Album eröffnet mit der Zeile I buried my heart in the hole in the ground’. Würden Sie mir zustimmen, wenn man den Satz als Leitbild für das neue Album, das sehr intuitive Texte aufweist, interpretieren würde?

YANNIS PHILIPPAKIS: Ich denke schon, ja. Auf unserem letzten Album ging es mir mehr darum, eine direkte Geschichte zu erzählen. Es war viel mehr Bewusstsein im Schreiben da, um die Texte direkter und offenbarender zu gestalten. Auf dem neuen Album habe ich versucht, die Zuckungen der Gedanken einzufangen, wo Äußerungen aus der Leere heraus entstehen. 

Wie haben Sie das zustande gebracht? 

Kurz bevor du einschläfst, gibt eine gewisse Zeitspanne, in der dein Gehirn merkwürdige Gedanken ausspuckt. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, mich selbst aufzuwecken und diese Gedanken aufzuschreiben, um sie nicht zu vergessen. Am nächsten Tage habe ich mir meine Notizen genauer angeschaut. Manche Dinge waren kompletter Unsinn, aber einige Gedanken waren ungewöhnlich tiefgründig. 

Foals on their new album what went down

What Went Down ist das vierte Studio-Album von den Foals.

© Gabriel Olsen / Red Bull Content Pool

Was genau meinen Sie damit?

Meiner Meinung nach ist es ein tiefer Einblick ins eigene Selbst, der einem normalerweise verborgen bleibt. Die Dinge, die ich in diesen Momenten niedergeschrieben habe, fühlten sich beinahe so an, als stammten sie von jemand anderem. Und genau das hat bestimmt, wie ich meine Texte für das Album geschrieben habe. Mein Ziel war, es die inneren Gedanken unberührt zu lassen, weil es eine Art Ur-Kommunikation ist, die von einem Ort in mir stammen, dessen ich mir selbst nicht bewusst bin - aber gleichzeitig bin das trotzdem ich.

Sie haben das Album in der französischen Stadt Saint-Remy-de Provence aufgenommen, in der der Maler Van Gogh seinen Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik verbrachte, nachdem er sich bei seiner berühmtberüchtigten Aktion das Ohr abschnitt. Wieso genau dort?

Ja, wir haben sogar einen Ausflug in die Stadt, in der er sich das Ohr abschnitt, unternommen. Wir haben zwar ein bisschen Van-Gogh-Tourismus betrieben, aber das war nicht der ausschlaggebende Grund, warum wir das Album dort aufnahmen. 
 

„Kurz bevor du einschläfst, gibt eine gewisse Zeitspanne, in der dein Gehirn merkwürdige Gedanken ausspuckt.“

Haben Sie auf ihrem Trip etwas Inspirierendes über Van Gogh herausgefunden?

Er ist großartig. Ich glaube, dass die Extreme, zwischen denen er sich bewegte, und seine Hingabe zu seinem Handwerk, Dinge sind, die jedem Künstler als Inspiration dienen sollten. Es war cool, sich in der selben Umgebung aufzuhalten wie er damals. Die andere Sache, die mich an diesem Ort inspirierte, war die Natur. Als wir ankamen, war noch tiefster Winter und dann brach in der ganzen Provence der Frühling aus. Es war ein ziemlich heftiger Wechsel zwischen den Jahreszeiten. Diese berstende Energie, die dich umgibt, wenn du das alles um dich herum siehst - und dann erinnerst du dich an die kahle Landschaft und von einem Moment auf den anderen ist alles voller Natur. Das Mitverfolgen dieses Wachstums hatte auf jeden Fall etwas Ermutigendes und Motivierendes für die Arbeit an unserem Album. 

Ich war ziemlich überwältigt von der Schwere der ersten Single-Auskopplung What Went Down.

Als wir Inhaler für unser letztes Album Holy Fire geschrieben haben, haben wir uns in gewissermaßen tiefere und mehr instinktivere Formen von Rockmusik gewagt und eine Grenze überschritten, die neu für uns war. Und als wir diese Grenzen mit Inhaler überschritten haben, war es nur logisch, dass wir mehr entdecken wollten. Als wir live gespielt haben, haben wir die unfassbare physische Kraft, die so ein Song hat, bemerkt und wir wollten mehr solcher Augenblicke in unserem Live-Set. Ich erinnere mich noch an unsere letzte Show, bei der ich das Gefühl hatte, dass es einfach cool wäre, wenn wir noch einen Song hätten, der so intensiv ist oder sogar noch härter. Es fühlt sich einfach gut an.

„Inhaler“ von ihrem letzten Album Holy Fire, das 2013 erschienen ist.

© YouTube/Foals

2013 haben Sie in einem Interview gesagt, dass es Ihnen lieber wäre, wenn jemand Ihr Album auf Vinyl stehlen würde, als es auf Spotify zu streamen. Was sagen Sie zu der aktuellen Situation - immerhin gewinnen Tidal und Apple Music zunehmend an Beliebtheit. Haben Streaming-Anbieter den Kampf gewonnen?

Wahrscheinlich, ja. Streaming scheint das Zukunftsmodell für die Verbreitung und Konsumation von Musik auf Massenbasis zu sein. Es wird immer Leute geben, die Platten kaufen, was großartig ist; so weit ich weiß, ist die einzige Intention, die Apple hat, den alten iTunes-Store abzuschaffen. Wenn sich der größte Anbieter in einen Streaming-Anbieter verwandelt, dann ist das eine zwangsläufige Entwicklung.

Könnt ihr als Band etwas gegen diese Entwicklung tun?

Es ist schwierig, weil Streaming-Anbieter einen Katalog von großen Plattenfirmen wie Warner Bros. kaufen und ich da nicht mitzureden habe, ob wir da drauf sind oder nicht. Aber ich stehe noch immer zu dem, was ich gesagt habe. Ich glaube nicht, dass das ein Geschäftsmodell ist, das Künstler wertschätzt oder ernährt. Und in Zukunft will ich versuchen, das zu verändern - wenn ich kann. 

Das vierte Studioalbum What Went Down (Transgressive / Warner Bros.) ist jetzt draußen. foals.co.uk

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09 2015 Redbulletin.com

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