gemita samarra

28 Minuten mit dem härtesten Bond-Girl

Interview: Vanda Gyuris
Foto oben: Collin Stark  

Gemita Samarra: Wenn sie nicht gerade im neuen Bond Film Spectre Stunts für Lea Seydoux ausführt, verbringt sie einen ruhigen Alltag … mit einem Wolf an ihrer Seite.

Die Stimme von Gemita Samarra klingt durch und durch süß. Aber die 22-jährige Stuntfrau ist härter als du. Das wird im Interview mit dem einstigen Zirkuskind schnell klar. Wenn Samarra nicht gerade schauspielt, als Model unter Wasser Bikinis präsentiert, oder als Stuntdouble für Bond-Girls wie Léa Seydoux im neuesten 007-Film Spectre Hochhäuser erklimmt, führt sie allerdings ein einfaches Leben in ihrem Zelt auf dem Land in England. Auf eitle Machos kann sie da getrost verzichten.

THE RED BULLETIN: Wie bist du aufgewachsen?

GEMITA SAMARRA: Meine Kindheit war ziemlich abenteuerlich, weil meine Eltern beim Zirkus in Spanien waren. Mein Bruder fing zu klettern und Kajak fahren an und ich begann, mich für Pferde und Synchronschwimmen zu begeistern. Ich dachte, dass meine Karriere etwas mit Pferde zu tun haben würde. Dann, als ich 16 war, trat ich einer Model-Agentur bei und bekam meinen ersten Unterwasser-Job: die brauchten jemanden, der gut im Wasser war und posieren konnte. Dabei hörte ich das erste Mal vom Stunt-Business. Seitdem mache ich nichts anderes mehr.

Warum gerade Stunts?

Meine ersten paar Jobs waren alle unter Wasser und dann dachte jemand, es wäre doch eine gute Idee, wenn ich auch am Land agiere. Deshalb begann ich mit der üblichen Stuntarbeit wie Stürzen und Kämpfen. Ich stieg ins Rallye-Fahren für „Fast and the Furious 6“ sowie „Rush“ ein, aber mein größtes Projekt bisher war sicher der neue Bond-Film „Spectre“. Ich hatte nie einen starken Bezug zu Gymnastik oder Martial-Arts, so wie die meisten Leute im Stuntbusiness. Ich komme vom Reiten, also bringe ein anderes Element dazu ein.

Wie ist es, als Frau im Stuntbusiness zu arbeiten?

Es ist nicht so, dass wir diskriminiert werden, wir werden ziemlich gleich behandelt. Die Männer wissen, dass wir in etwa gleich viel trainiert haben und außerdem machen wir sowieso eher feminine Stunts. Lustig ist aber, dass es ein paar Männer gibt, die Stunts für Frauen in hautengen Jeans und mit Perücken machen.

„Ich hasse es, zu schlafen. Ich muss mich am Tag so richtig zerstören, damit ich überhaupt fähig bin, über Nacht zu schlafen.“
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Gemita Samarra startete ihre Model-Karriere im Alter von 16.

© Collin Stark

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Gemita Samarra beim Training für kommende Stunt-Aufgaben

© Gemita Samarra

 Wie gefährlich ist dein Job?

Im Großen und Ganzen ist es wesentlich besser geworden, als es noch vor 20 Jahren war. Die Gesundheits- und Sicherheitsstandards sind angestiegen. Es ist zwar nicht so gefährlich, wie manche Leute denken, aber man ist manchmal schon besorgt. Wenn du zum Beispiel von einer hohen Brücke hängst oder es brennt, kann alles Mögliche passieren. Es gibt immer ein Risiko.

Als Risiko würden viele auch einen Wolf als Haustier sehen. Was hat es damit auf sich?

[lacht] Ja, ich hab einen. Eine Wölfin namens Lupa. Ich muss sie in die USA einführen lassen, sie ist nämlich noch in Großbritannien. Da mein Bruder sehr viele Polar-Expeditionen macht und viel mit Schlittenhunden arbeitet, war ich schon immer fasziniert von ihnen. Lupa war der Zwerg des Rudels und wäre dabei sicher auf der Strecke geblieben, also dachte ich mir: „Sicher nicht! Die hol ich mir!“. Ich habe sie von Hand aufgezogen, seit sie eine Woche alt war. Bevor ich für den Bond-Film gearbeitet habe, wich sie nie von meiner Seite, deshalb war es hart.

Sieht so aus, als könntest du wirklich mit den Männern mithalten. Schüchtert sie das eher ein oder sind sie begeistert davon?

Es schüchtert sie massiv ein. Es gibt nicht viele Mädchen, die tun was ich tue. Ich bin kein typisches Mädchen. Viele Jungs reden gerne davon, aber nur wenige machen sowas dann auch. Es entmannt sie regelrecht, dass ich etwa besser fahren kann als sie.

Was ist der schlimmste Anmachspruch, den du je gehört hast?

Alle! Jeder Anmachspruch. Wenn es ein Anmachspruch ist, wird er sicher schlecht sein.

Wie ist der ideale Mann für dich?

Ehrlich. Einer ohne Ego, weil Ego ist für mich der größte Abtörner überhaupt. Er sollte auch nicht zu eitel sein. Wenn ich auf eine Veranstaltung gehen muss, bin ich in zehn Minuten mit meinen Haaren und Makeup fertig. Wenn ein Typ länger braucht als ich, ist das nicht gut.

Was ist dir noch wichtig?

Tiere. Ich beginne gerade mit dem Schreiben und Produzieren und arbeite an einer ethischen Serie über das Flossenabschneiden von Haien und all die anderen grausamen Dinge, die wir Tieren antun. Also im Prinzip über alles, was wir anstellen, um diesen Planeten zu ruinieren.

Warum machst du das?

Ich hasse es, zu schlafen. Ich muss mich am Tag so richtig zerstören, dass ich überhaupt fähig bin, über Nacht zu schlafen. Um schlafen zu können, trainiere ich vor und nach der Arbeit. Wenn ich am Tag überhaupt nichts tue, werde ich ganz unruhig. Es frustriert mich, wenn ich in der Stadt bin, ich muss einfach im Freien aktiv werden. Ich bin auf Bauernhöfen aufgewachsen und hasse es, drinnen zu sein. Ich habe in einem Zelt in Großbritannien eineinhalb Stunden westlich von London in einem Wald gelebt. Ich musste irgendwie einen Ausweg vom Arbeiten in einer Stadt finden. Es gab einfach nur mich und den Wolf in der Mitte des Waldes. Auf dem Nachbargrund war ein Paintballplatz. Um mein Handy zu laden oder zu duschen, musste ich ins Fitnessstudio gehen. Ich würde sofort die Chance wahrnehmen, auch in den USA in einem Zelt zu leben, aber ich denke, das ist verpönt in Hollywood.

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Lupa, die Wölfin, nimmt die Schneeballschlacht mit Samarras Jadghund auf der alten Farm in Wiltshire, Großbritannien, sehr ernst.

© Gemita Samarra

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10 2015 RedBulletin.com

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