Tom Hardy spricht im Interview über Männlichkeit

Was Tom Hardys Gefühlsleben mit dem von Müttern gemein hat

Interview: Rüdiger Sturm
Foto: Jeff Vespa/ Getty Images

Tom Hardy kämpft in seinen Filmen mit harten Bandagen. Und weiß: Willst du ein guter Mann sein, musst du dich um jemanden kümmern.

THE RED BULLETIN: Was bedeuten die Armbänder, die Sie tragen?

TOM HARDY: Die sind für Organisationen wie „Help for Heroes“. Ich habe viele Freunde beim Militär. Einige von ihnen haben Körperteile verloren oder sind psychisch schwer versehrt. 

“Krieger sind eine besondere Sorte Mensch, und ich fühle mich ein wenig schuldig, dass ich keiner bin.”
Tom Hardy

 Das sind Leute, die für unsere Freiheit kämpfen. Krieger sind eine besondere Sorte Mensch, und ich fühle mich ein wenig schuldig, dass ich keiner bin. Es ist wichtig, zu wissen, dass es so etwas in dieser Welt gibt. Wir sollten dem nicht den Rücken zukehren.  

Aber jeder scheut doch vor Gewalt zurück.

Ich kann nur für mich selbst sprechen. Kunst entsteht häufig aus Dunkelheit. Mein Job ist es, alles über eine ­Figur herauszufinden, egal wie schrecklich sie ist. 

Triff Reginald Kray, Tom Hardys Charakter in „Legend“, einem Thriller von Brian Helgeland basierend auf dem Buch „Der Berufsstand der Gewalt“ von John Pearson.

© YouTube // vipmagazin

Sie haben also viel über die Natur der Gewalt heraus­gefunden.

Wirkliche Gewalt ist verstörend, ekelerregend und gleichzeitig nüchtern, prosaisch. Wenn etwas Gewalt­sames passiert, dann schockt dich das, zumal es meist aus dem Nichts kommt. Zugleich können Gewalttäter sehr para­dox sein. Zum Beispiel Ronnie Kray, einer der Gangster­zwillinge, die ich in „Legend“ (bereits im Kino; Anm.) spiele: Wenn er seine Pillen nicht nahm, neigte er zu massiven Wutanfällen. Aber er konnte auch ansteckend komisch sein. Er war ein total warmherziges Individuum.

Ist ein bestimmtes Maß an Gewalt auch ein Ausdruck von Männlichkeit?

Du musst deine eigene Männlichkeit voll akzeptieren. Aber es geht dabei nicht um Machismo. Damit meine ich, dass du auch wie eine Mutter sein kannst. Du kümmerst dich. Es geht um Rücksicht, Geduld, Erkenntnisfähigkeit. Und wenn du je diesen Zustand erreichst, dann wird sich bei deinem Tod jemand umdrehen und sagen: „Das war ein guter Mann.“

„Wirkliche Gewalt ist verstörend, ekelerregend und gleichzeitig nüchtern, prosa­isch.”
Tom Hardy

Wie kann man im Arbeits­leben ein guter Mann sein? 

Mit gegenseitigem Respekt. Den musst du deinem Kol­legen zollen, wenn du weißt, dass er sein Handwerk schon eine gute Zeitlang macht. Du weißt, dieser Typ ist kein Schlafwandler. Du sagst dir selbst: Ich helfe diesem Menschen bei allem, was er braucht. Ich versuche ihm seinen Job leichter zu machen. Aber das beruht auf Gegenseitigkeit. Du förderst den anderen und er dich.

Und damit siegt man in den Schlachten einer Karriere? 

Damit und mit Disziplin und dem Maß von Druck, den du dir und deinem Talent machst. Du musst auch wissen: Du kannst Scheiße bauen, blöde aussehen und versagen. Aber du machst es wieder. Du kannst keinen Kampf gewinnen, wenn du nicht vorher mal k. o. ge­schlagen wurdest. Du weiß nicht, wie es ist, zu gewinnen, wenn du nicht weißt, wie sich das Verlieren anfühlt.

Klicken zum Weiterlesen
02 2016 The Red Bulletin

Nächste Story