Hugh Jackman und Taron Egerton

Hugh Jackman und Taron Egerton: Innerer Frieden statt Rekordstreben

Text: Rüdiger Sturm
Foto: Getty Images

„Eddie the Eagle“ strebte nach dem schier Unmöglichen. Hugh Jackman und Taron Egerton, Stars im filmischen Denkmal des Kult-Skispringers, haben indes eine einfache Vorstellung von Glück.

Im Kino-Film „Eddie the Eagle” erzählen Hugh Jackman und Taron Egerton, bekannt aus „Kingsman”, die Geschichte eines Mannes, der das Unmögliche versuchte und dem das Leben Flügel verlieh. Titel-Figur Michael „Eddie” Edwards kämpfte sich trotz aller Widerstände als erster britischer Skispringer zu den Olympischen Spielen und erfüllte sich damit seinen Lebenstraum. Die Hollywoods-Stars Jackman und Egerton verfügen im Vergleich zum Kult-Sportler über ein ganz anderes Verständnis von der Jagd nach dem Glück, wie sie im Interview mit The Red Bulletin verraten.

THE RED BULLETIN: Alle möglichen Leute meinten zu Eddie the Eagle, er sei verrückt, weil er als laienhafter Skispringer bei den Olympischen Spielen teilnehmen wollte. Hat man zu Ihnen schon jemals so etwas gesagt?

Hugh Jackman: Zum Glück nicht. Meine Familie hat mich immer unterstützt. Der höchste Grad an Ablehnung war, als mich Leute für Filmrollen ablehnten. Aber ich kann gut verstehen, weshalb jeder Eddie davon abriet, denn das war eine Frage von Leben und Tod. Nicht umsonst gibt es jetzt eine ‘Eddie The Eagle’-Regel, die besagt, dass jeder Springer bei den Olympischen Spielen eine bestimmte Qualifikationsnorm erreichen muss.

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Doch sollten wir nicht grundsätzlich Leute unterstützen, die etwas Unmögliches versuchen?

Taron Egerton: Klar, so lange sie dabei nicht Kopf und Kragen riskieren. Ich kann es verstehen, wenn jemand in diesem Leben Spuren hinterlassen möchte. Will ich auch. Ich mag die Vorstellung, dass jemand in 150 Jahren einen Film mit mir einlegt, wenn ich schon lange unter der Erde vermodere, und er weiß: Damals gab es diesen Typen namens Taron Egerton.

HJ: Ich habe diesen Drang schon als kleiner Junge gespürt, deshalb wollte ich unbedingt ins Guinness-Buch. Erstmal dachte ich, ich stelle den Rekord im einhändigen Münzenfangen auf, aber meine Hand war viel zu klein dafür. Und dann wollten mein Bruder und ich das längste Badminton-Spiel aller Zeiten durchziehen. Dafür versuchten wir das Wachbleiben zu trainieren – ich scheiterte kläglich schon um zwei Uhr nachts, mein Bruder klappte nach einer durchwachten Nacht im Schulunterricht zusammen.

Aber was versuchen Sie jetzt im Leben zu erreichen? Glück?

TE: Ich möchte es schaffen, dass ich und meine allernächsten Verwandten, meine Mutter, meine Tante, in schönen Häusern leben, für keine Hypotheken aufkommen und mit ihrem Einkommen nur ihren Lebensunterhalt und ihre Steuern bezahlen müssen. Das ist mein Traum. Sobald ich das geschafft habe, werde ich im Leben viel entspannter sein.

HJ: Das kann ich gut nachvollziehen. Das Wort ‘Glück’ ist viel zu unspezifisch. Es geht darum, einen inneren Frieden zu finden. Und das erreichst du zum Beispiel, wenn du keine Miete mehr zahlen musst oder wenn es deiner Familie gut geht. Alles dreht sich nur um ganz einfache, grundlegende Dinge.

Und wann erleben Sie solche Momente des inneren Friedens?

TE: Meistens in ganz harmlosen Situationen. Zum Beispiel wenn ich in meinem Wohnzimmer mit zwei guten Kumpels abhänge und wir schmeißen uns einen ‘X-Men’-Film rein. Oder wenn ich mit meinen kleinen Schwestern im Garten spiele. Nichts von dem ganzen Kram, den du als Filmstar erlebst, kannst du damit vergleichen.

HJ: Absolute Zustimmung. Meistens passiert das völlig zufällig – in jedem beliebigen Moment. Du darfst dem nicht hinterherjagen, so nach dem Motto: ‘Ich will jetzt ein geniales Wochenende haben.’ Ich erinnere mich noch daran, als ich meinen ersten Job als Schauspieler bekam. Das Einzige, was ich machte, war, eine Pizza zu essen und sechs Bier zu trinken. Ich war erleichtert, meine Miete sechs Monate lang zahlen zu können. Und das reichte schon aus.

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03 2016 THE RED BULLETIN

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