Der britische Schauspieler Jamie Bell

„Ich würde gerne die Balance finden“

Text: Rüdiger Sturm
Bild: Jamie McCarthy / Getty Images

Der Transformationskünstler Jamie Bell über die Vielfältigkeit seiner bisherigen Schauspielkarriere und über seine jüngste Verwandlung für den neuen Fantastic Four-Film

Von Billy Elliot bis Tintin - Jamie Bell hat bereits eine Vielzahl unterschiedlicher Rollen verkörpert, von denen die meisten Schauspieler nur träumen können. Der Brite spricht im Interview mit The Red Bulletin über seine jüngste Transformation in den wandelnden Felsbrocken Das Ding, alias Ben Grimm, in dem neuen Fantastic Four-Film

THE RED BULLETIN: Als Sie die Rolle von Das Ding in Fantastic Four angenommen haben, muss Ihnen klar gewesen sein, dass das Publikum Ihr Gesicht so gut wie nie zu sehen bekommen wird. Ist das nicht ein wenig problematisch für einen Schauspieler?

JAMIE BELL:
 Ich finde nicht. Ich sehe es als eine Chance an, bei der man sich komplett aus dem Prozess herausnehmen und sich neu erfinden kann. Ich finde den Entwicklungsprozess ziemlich faszinierend. Es ist eine Möglichkeit, Charaktere zu spielen, die man so nie verkörpern könnte - Kreaturen, Gorillas oder eben einen Mann aus Stein. Es ist auch eine ziemlich gute Möglichkeit, um Eitelkeit loszuwerden. Abgesehen davon ist ein Performance Capture-Charakter das Werk vieler Menschen: des Schauspielers, des Regisseurs, des VFX Supervisors und vieler, vieler Animateure. Es ist sozusagen eine Kollaboration - ich arbeite mit vielen Profis zusammen, um mich dann intuitiv ausdrücken zu können. 

Sie haben auch sehr fordernde dramatische Rollen, wie beispielsweise den Saddisten in Lars von Triers Nymph()maniac, gespielt. Was ist im Vergleich dazu das Vergnügen, in einem großen Comic-Book-Spektakel wie Fantastic Four mitzuspielen?

Ich habe immer beide Welten geschätzt. Ich mag Autorenregisseure wie Lars von Trier oder Cary Fukunaga, mit dem ich Jane Eyre gedreht habe. Es ist wichtig, mit ihnen zu arbeiten, weil du dort andere Muskeln anspannen musst. Aber es steht außer Frage, dass Studiofilme wichtig sind. Sie bieten dir Vorteile, die andere Filme nicht aufweisen können. Ich würde gerne die Balance zwischen den beiden Seiten finden und ich kann mich glücklich schätzen, dass ich bis jetzt beides erfahren durfte. 

 

Fantastic Four, mit Jamie Bell als Das Ding, ist jetzt in den Kinos!

© YouTube // KinoCheck

Ist die Vorbereitung für einen Film wie Nymph()maniac anders als für Fanatstic Four?

Nicht wirklich. im Vordergund steht immer der Charakter. Aber in den großen Filmen wie Fanastic Four behältst du das Publikum, für das du spielst, im Hinterkopf. Das ist bei anderen Filmen nicht wirklich der Fall. Du denkst über den Filmprozess, wie du den Charakter zum Leben erwecken und wie du die Story am besten rüberbringen kannst, nach - und über den Erzählbogen. Das ist am wichtigsten. In einem Projekt wie Fantastic Four musst du dir ständig darüber im Klaren sein, in was für einem Film du gerade mitspielst.

„Letztlich musst du alles für dich selbst machen“
Jamie Bell

Aber beschränkt Sie das nicht in Ihrer Kreativität, wenn Sie ständig über das Publikum nachdenken?

Letztlich musst du alles für dich selbst machen. Ich habe diese Rolle nie gespielt, um andere Leute glücklich zu machen. Ich habe ihn gespielt, um die Vision von Josh Trank [Regisseur von Fantastic Four] zu realisieren. Ich war ein Teil eines größeren Ganzen. Und ich habe das gemacht, was er von mir verlangt hat. Aber trotzdem denkst du manchmal: ‚Das ist ein Film, den die Leute an einem Freitag- oder Samstagabend mit einer großen Packung Popcorn und ihrer Familie und Freunden genießen werden.‘

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08 2015 redbulletin.com

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