Jennifer Jason Leigh

Jennifer Jason Leigh: „Du musst dich zum Narren machen“

Interview: Rüdiger Sturm
Foto: Getty Images

Schüchterne Menschen sollten auf Jennifer Jason Leigh hören. Denn die 53-jährige Darstellerin aus „The Hateful Eight“ hat den optimalen Berufstipp – auch wenn der dazu führen kann, dass man sich den Hintern abfrieren muss.

THE RED BULLETIN: Für „The Hateful Eight“ wurden Sie für einen Oscar nominiert. Sie werden hoffentlich die Verleihung nicht boykottieren.

JENNIFER JASON LEIGH: Nein, ich boykottiere nichts. Aber ich finde es notwendig und gut, dass wir jetzt diese Diskussion über Rassengleichheit führen. Wobei ich auch sagen muss, dass diese Nominierung nicht allein mir gehört. Ich teile sie mit den Kollegen aus dem Film und mit Quentin Tarantino.

Angeblich mussten Sie etwas ganz Besonderes leisten, um diese Rolle zu bekommen.

Das war beim Vorsprechen. In einer Szene passiert meiner Figur etwas ganz Schlimmes, und ich habe da einfach losgeschrien. Das erschien mir das Natürlichste, und ich wollte mich nicht zurückhalten. Ich glaube, dass andere Kolleginnen das mit angezogener Handbremse gespielt haben. Es kann eben auch peinlich werden, wenn du alles aus dir rauslässt. Du kannst auf die Nase fallen – und wer will das schon?

Aber es scheint offenbar wichtig, alles zu riskieren, wenn man etwas will …

Das ist richtig. Denn wenn du dich zurückhältst, dann kann es gut sein, dass du gar nichts erreichst. In die Haut eines anderen Menschen zu schlüpfen, ist eine Peinlichkeit an sich. Aber wenn dir das unangenehm ist, kannst du nicht spielen. Du musst dich da reinwerfen, musst verletzlich sein, musst dich zum Narren machen – Nur so hast du eine Chance, etwas Großartiges zu schaffen.

The Hateful Eight läuft ab 28. Jänner im Kino.

© YouTube // vipmagazin

Sie sind aber angeblich sehr schüchtern.

Das ist richtig.  

„Als introvertierter Mensch findest du hier eine Freiheit, wie sie dir kein anderer Job bietet.“
Jennifer Jason Leigh über die Schauspielerei

Ist Schauspielerei das richtige Mittel dagegen?

Ich werde mich nicht ändern. Ich bin so wie ich bin. Das heißt, ich mag keine Parties und öffentlichen Auftritte. Aber für jemanden, der so fühlt, ist die Schauspielerei exakt das Richtige, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht. Denn du tauchst in eine andere Person ein, sprichst deren Worte und kannst auf diese Weise alles Mögliche von dir ausdrücken. Aber nur du weißt, was in dieser Darstellung von dir selbst stammt und was von der fremden Person, die du spielst. Als introvertierter Mensch findest du hier eine Freiheit, wie sie dir kein anderer Job bietet.

Allerdings muss man diesen Job erstmal bekommen. Wie haben Sie das geschafft?

Bei mir war viel Naivität im Spiel. Ich wurde in Hollywood groß, mein Vater war Schauspieler, meine Mutter Drehbuchautorin und mein Stiefvater Regisseur. Also dachte ich mir früher: Das machen alle. Das ist das Natürlichste der Welt. Allerdings habe ich im Lauf der Zeit herausgefunden, dass du als Schauspieler nie weißt, ob du je wieder arbeiten wirst. Nach meiner Babypause war ich mir nicht sicher, ob ich wieder mal eine Rolle bekomme, die ich wirklich lieben werde. Damit musst du deinen Frieden machen und andere Dinge finden, die dir Freude bereiten. Aber ich bin ganz hin und weg, dass ich jetzt wieder diese Angebote bekomme, auch David Lynchs „Twin Peaks“.

Jennifer Jason Leigh in "The Hateful Eight"

Jennifer Jason Leigh spielt in „The Hateful Eight“ an der Seite von Kurt Russell.

© Constantin Film

Aber dieser Job bringt noch andere Unannehmlichkeiten mit sich – Zum Beispiel drehten Sie „The Hateful Eight“ in den winterlichen Rocky Mountains. Wie kamen Sie mit der Kälte zurecht?

Schlecht. Ich friere sehr leicht. Und es war selbst bei den Innenaufnahmen kalt. Das Studio war auf ein Grad minus heruntergekühlt, damit man unseren Atem sehen konnte. Aber es gibt gute Mittel gegen die Kälte, die ich nur empfehlen kann. Erstmal: Zieh dich warm an. Wir legten nie unsere dicken Mäntel ab. Außerdem hatten wir Wärmekissen und obendrein elektrisch beheizbare Unterwäsche. Ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt.

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02 2015 Redbulletin.com

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