Jesper Munk

Blues-Explosion

Text: Andrew Swann
Bilder: Susi Knoll

Blues-Wunderkind Jesper Munk im Interview mit THE RED BULLETIN über falschen Perfektionismus, After-Partys mit seinem Vater und seine Karriere als Straßenmusiker.

Begonnen hat alles als Straßensänger - heute ist der 22-jährige Singer-Song-Writer aus München mit dänischen Wurzeln bei Warner Music unter Vertrag. Oft verglichen mit einem Armani-Model, hat Jesper Munk mit so manchem Vorurteil zu kämpfen… aber der tiefe, raue Sound seiner Stimme überzeugt. Sein zweites Album „Claim“ reflektiert ihn ganz gut: blonde Engelslocken treffen auf die Stimme eines kettenrauchenden Whiskeyfans. 

Mit THE RED BULLETIN spricht Jesper Munk über falschen Perfektionismus, After-Partys mit seinem Vater und seine Karriere als Straßenmusiker.

Courage for Love 

Die Single „Courage For Love“ ist auf Jesper’s zweitem Album „Claim“, das im März erschienen ist, zu hören. 

THE RED BULLETIN: Du bist der Sohn einer Dänin und eines Deutschen, wurdest in München geboren und singst Bluesrock auf Englisch – wie kommt man dazu?

JESPER MUNK: Ich bin mit 16 einfach zu diesen Jungs hingegangen und wir haben angefangen Rock n Roll zu spielen. Wir wollten herausfinden, woher das Ganze eigentlich kommt und haben angefangen Blues zu spielen. Es ist einfach das Natürlichste, wenn ich eine Gitarre in der Hand habe. 

Warum eigentlich Blues und nicht Indie Rock zum Beispiel?

Ich glaube wir hatten irgendwie ein Problem mit dieser aufgesetzten Karotten-Jeans-Attitude, die viele transportieren. Also nichts gegen Karotten-Jeans… das ist schon ein geiler Schnitt! Aber dieses bisschen Aufgesetzte mit Pete-Doherty-Hut und diesem Bla-Bla-Ding… es gab einfach viele, die ein bisschen feindselig gegenüber anderen Musikrichtungen eingestellt waren, sodass wir wahrscheinlich schlechte Assoziationen mit Indie hatten. Trotzdem - ich liebe Pete Doherty und The Libertines. Angefangen hat aber alles mit The Clash und The Cure Und irgendwie waren wir dann doch von etwas anderem angetan. 

„Die After-Partys mit meinem Vater waren extrem.“
Jesper Munk

Du hast früher mit deinem Vater in einer Band gespielt, was hast du daraus gelernt? 

Viel! (Lacht.) Gutes und Schlechtes. Ich glaube es gibt wenige Erfahrungen im Leben, bei denen es nur gut oder schlecht gibt, vor allem über einen so langen Zeitraum hinweg, das wäre echt ungewöhnlich gewesen. Er hat mir beigebracht Songs zu arrangieren, er hat uns gelernt live zu spielen – und er hat Ruhe reingebracht und an anderen Stellen eher Druck. 

Wie waren die After-Partys, wenn dein Vater dabei war?

Witzig, echt witzig - auch extrem machmal! (Lacht.)

Dein neues Album wurde von einigen bekannten Produzenten produziert, unter anderem John Spencer. Was für einen Einfluss hat er auf das Album gehabt?
 
Wir haben 4 Tracks mit ihm aufgenommen, die es alle auf das Album geschafft haben - wie auch zu erwarten war. Alle 4 Songs sind eine Woche vor New York entstanden – mit dem Gedanken an N.Y. haben wir damit begonnen. Er hat natürlich den Sound erschaffen – und er kann das gut weitergeben und es hat mich total beeinflusst. 

„Ich habe als Straßenmusiker angefangen.“

 Wie war er drauf? 

Am Anfang war ich ein bisschen ehrfürchtig, aber ich habe dann schnell kapiert, dass das keinen Sinn macht, und ähm, ja er ist gut drauf. Er ist einfach ein krasser Produzent, der sich extrem reindenkt und mitmacht. Privat redet er relativ wenig und wenn er was sagt, dann meint er das genau so. Er ist auf jeden Fall keiner, der aus Nettigkeit über einen Witz lacht. Musikalisch war er großartig. 

Jesper Munk

Bluesrock-Wunderkind Munk hat seine Karriere als Straßenmusiker begonnen. 

Du hast als Straßenmusiker angefangen, bist jetzt bei einem Major Label unter Vertrag, wie kriegt man heutzutage so einen Deal? 

Ich habe als Bassist in einer Band angefangen und irgendwann habe ich als Straßenmusiker alleine weiter gemacht… dann habe ich meine Managerin kennengelernt und sie hatte einfach gute Verbindungen - was man eben so erwartet in dem Geschäft. (Lacht.) Und beim zweiten Album hat’s geklappt. Und es war auch unsere Entscheidung das erste Album Indie zu machen. 

Wieso zuerst Indie? 

Es ist ein gesunder Aufbau. Das Prinzip des Nicht-Überstürzen-Wollens. Ganz einfach - wir haben besser zu einem Indie-Label gepasst und abgesehen davon war das Label von vornherein da. Die wollten uns und hätten uns unterstützt. Es wäre dann eben blöd gewesen in der letzten Sekunde zu sagen: „Eigentlich wollen wir was anderes machen.“ 

„Es darf nicht zu perfekt sein.“

Was war das Schwierigste an dem zweiten Album?

Hmm, am Anfang dachte ich mir, ok es sind 4 Produzenten ich muss die irgendwie auf einen Nenner vom Sound-Design her bringen und ich weiß echt nicht, wie ich das machen soll… inzwischen sehe ich das Album als eine persönliche Reflektion und Entwicklungsabzeichnung der letzten eineinhalb Jahre an. Und ich würde auch dazu stehen, wenn jemand sagen würde: „Hey, das Album fällt total auseinander - es hört da auf und fängt woanders wieder an“, weil genauso war das letzte Jahr bei mir auch… 

Du warst in New York und LA, um dein Album zu produzieren. Was können die Deutschen vom Bluesrock lernen? Was haben die Amis, das die Deutschen nicht haben? 

Ich weiß nicht, ob das auf Amerika zu übertragen ist. Ich glaube, dass John Spencer auch nicht unbedingt „Amerika“ ist. Ich würde das auch nicht auf alle Deutschen übertragen, aber irgendwie kommt es mir vor, als würde der Mut zur Kante fehlen. Also einfach schräge Sachen miteinzubauen, und den Mut zu haben auch mal zu verlieren, um wieder gewinnen zu können. Es darf nicht zu perfekt sein. 

Fakten

Name:
Jesper Munk 

Label:

Warner Music

Diskografie: 

Singles: 
„Seventh Street“ (2013)
„Hungry for Love“ (2013)
„I Love You“ (2013)

Alben: 
„For In My Way it Lies“ (2013)
„Claim“ (2015)

 

 Was ist das Wichtigste beim Liederschreiben? Was darf man nicht vergessen?

Sich selbst einfach. Für mich ist das eigentlich das Hauptkriterium wonach ich beurteile, ob es ein guter oder schlechter Song ist. Klar, wenn ich mich total schwachsinnig ausgedrückt habe, aber trotzdem ich selbst war, muss ich mich nicht total als Idioten darstellen. Das Ausdrücken und die Texte sind einfach sauwichtig finde ich. Ich stehe einfach auf gute Texte.

Was brauchst du, um ein Lied schreiben zu können? Wie wichtig ist das Umfeld?

Stift und Papier. Zu Hause habe ich eine Schreibmaschine, weil der Computer mich zu sehr ablenkt, unterwegs habe ich so ein Büchlein und dann kann ich auch am Abend in einer Bar sitzen und sag‘ einfach „Sorry ich muss kurz rausgehen“, hocke irgendwo eine halbe Stunde, schreibe was, und gehe wieder rein. 

„Ich verstehe nicht ganz, was Liebe ist.“
Jesper Munk

Track 1 auf dem Album heißt „Courage For Love“ – Wie kriegt man „Courage For Love“?

Hmm - Ich habe schon lange niemanden angesprochen – ich bin seit 3 Jahren vergeben. Und damals hatte ich gar keinen Mut – gar kein Game! (Lacht.) Ich habe es meistens nicht einmal gecheckt, wenn jemand auf mich gestanden ist. Ich habe so viele Chancen verpasst, weil ich es nicht realisiert habe – das ist echt ärgerlich, aber so ist es eben. 

Was verstehst du unter Liebe? 

Liebe ist für mich immer ein großer Begriff, weil ich nicht ganz verstehe, was es ist. Es ist einfach ein Riesenthema und es ist ziemlich unbegreiflich und gleichzeitig das Realste, was man überhaupt spüren kann und dadurch zerfällt das Gefühl auch wieder. 

Wie wichtig ist die Liebe für deine Musik?

Sehr wichtig. Jedes Gefühl ist wichtig für meine Musik und sie entsteht nur daraus. Und Liebe ist einer der stärksten Reize, die man empfinden kann.

Jesper Munk

 Und wie viel Wahrheit steckt in deinen Liedern?

Viel. Meine Songs drücken mich aus, sie haben immer etwas mit mir zu tun. Reeperbahn zum Beispiel ist eine erfundene Geschichte nach einer Erinnerung an die Reeperbahn. 

Deine Stimme ist ziemlich prägnant, tust du was, um deine Stimme zu schonen oder zu stärken?  

Ich versuche es jetzt immer mehr. (Lacht.) Ich habe nie wirklich darauf geachtet, weil ich mir dachte, wenn das meine natürliche Ausdrucksweise ist, dann muss ich mich ja nicht darum kümmern. Aber ich glaube ich werde jetzt mal eine Gesangstunde machen, um zu lernen, wie meine Stimme nachhaltig wird und wie ich mehr Power reinbekomme, ohne sie zu beschädigen.

Wird deine Stimme besser nach einem Abend voller Bier und Rauchen?

Es kommt darauf an. Ich meine… Definiere „besser“? 

 

Tiefer, kantiger, richtig Tom Waits halt…

Oh ja, sie wird auf jeden Fall tiefer und kantiger! Ich habe ein paar Demos, die ich nach so einem versoffenen Abend gemacht habe, die hören sich sehr extrem an! Die klingen ziemlich abgefahren, aber das bin immer noch ich, ich hab’s nicht geschafft meine Stimme komplett zu zerstören, aber ein bisschen anders ist sie auf jeden Fall…

Wie würdest du deine Musik jemandem beschreiben, der dich gar nicht kennt?

Es ist eine Mischung aus Blues, Soul, Rock n Roll, Punk und Folk - und meine Musik ist sehr persönlich.

„Claim“ ist jetzt erhältlich 

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03 2015 Redbulletin.com

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