Jesse Eisenberg

„Ich habe einen Schamanen zuhause“

Text: Rüdiger Sturm
Foto: Getty Images

Auf den ersten Blick wirkt Jesse Eisenberg, als könnte er kein Wässerchen trüben. Aber der Eindruck des jungenhaften ‚Nerds’ täuscht – der 32jährige Schauspieler, der unter anderem in „American Ultra“ zu sehen ist, beweist einen verdrehten Sinn für Humor. So auch bei diesem Interview.

THE RED BULLETIN: Haben Sie eigentlich Lust auf dieses Interview?

JESSE EISENBERG: Natürlich, warum nicht?

Weil Sie dieses Jahr die klassichen Interviewrituale durch den Kakao zogen. Ihre Kollegin Kristen Stewart stellte Ihnen typischen Frauen-Fragen wie ‚Wer ist Ihr Lieblingsdesigner?’ und Sie ihr typische Männer-Fragen.

Wir mussten uns halt was Originelles einfallen lassen, und alle Varianten schienen uns dämlich. Aber meine jüngere Schwester, die gerade ihren Studiengang in ‚Gender Studies’ abgeschlossen hatte, meinte: Warum dreht ihr einfach eure Rollen im Interview nicht um. Das erschien uns ziemlich lustig und erfrischend. Denn Interviews können sonst total monoton sein.

Langweilt Sie diese Routine?

Langweile ist nicht das richtige Wort. Ich versuche meistens, keinen Mist zu bauen und nichts Falsches zu sagen und gleichzeitig einen Film zu promoten. Aber ich möchte auch ehrlich sein. Bei meinem aktuellen Streifen „American Ultra“ fällt mir das leichter, aber es gab auch Filme, die mich ein bisschen nervös machten, um es mal so auszudrücken. Und das war dann ziemlich kompliziert.

© YouTube/ Movieclips Trailers

Aber Sie haben keine Schwierigkeiten, sich selbst in der Öffentlichkeit zu präsentieren?

Im normalen Umgang mit Menschen bin ich eher der schüchterne Typ. Gleichzeitig verdiene ich mein Geld als Performer, was natürlich wie ein Widerspruch in sich wirkt. Aber ich kann nur extrovertiert sein, wenn ich in die Haut einer anderen Person schlüpfe.

„Wenn ich mal frustriert bin, dann zündet der Schamane ein Feuer an, ich springe hinein und sage gemeinsam mit ihm ein Gebet.“

 Dann lassen Sie’s aber richtig krachen – wie wir in „American Ultra“ sehen. Würden Sie das gerne auch real tun?

Nicht so extrem natürlich. Aber ich mag physische Aktivitäten. Das ist die beste Methode, um dich in der Realität zu verankern und das Leben voll wahrzunehmen. Deshalb fahre ich jeden Tag Rad oder gehe laufen. Auf diese Weise kann ich mich beruhigen. Und wenn ich Actionszenen drehe, dann hilft mir das auch, den Kopf freizukriegen. Denn ich verliere ziemlich leicht die Konzentration.

Vielleicht machen Sie einfach zu viel? Sie drehen ständig - zuletzt auch „Batman v. Superman“ - schreiben auch noch Bücher und Theaterstücke…

Ja, aber ich mag das. Und ich weiß ja nie, wann ein Film zustande kommt, deshalb sage ich bei vielen Projekten zu, denn es kann sein, dass die Jahre für die Finanzierung brauchen. Und so kann es passieren, dass zehn Filme mit mir gleichzeitig angekündigt werden.

Was tun Sie aber, wenn Sie nicht die richtigen Projekte bekommen, in denen Sie sich austoben können?

Dafür habe ich extra einen Schamanen bei mir zuhause. Wenn ich mal frustriert bin, dann zündet er ein Feuer an, ich springe hinein und sage gemeinsam mit dem Schamanen ein Gebet. Auf diese Weise jagen wir alle Dämonen der Frustration davon. Das mache ich normalerweise ein bis zweimal pro Woche.

Nach dieser tief ernsten Erkenntnis noch eine ebenso seriöse Frage: Wer ist Ihr Lieblingsdesigner?

Ich habe absolut keine Ahnung.

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11 2015 Redbulletin.com

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