Kevin McKidd über Trainspotting 2

Kevin McKidd: Zwischen Trainspotting und Craft-Bier

Interview: Holger Potye
Foto: Getty Images

Seit 1996 ist Kevin McKidd fest im Schauspielgeschäft. 20 Jahre nach seinem Debüt im Kultfilm „Trainspotting“ traf sich The Red Bulletin mit dem Schotten in Monte Carlo zum Interview.

Was du von Kevin McKidd lernen kannst:

  • einen wichtigen Termin zu verpassen ist nicht so schlimm
  • Schauspieler haben es richtig gut
  • nur außerhalb deiner Wohlfühlzone passiert wirklich etwas
  • Für gute Getränke lohnt sich auch stundenlange Anreise

THE RED BULLETIN: Es gibt ein hartnäckiges Gerücht zum 90er-Jahre-Kulthit „Trainspotting: Sie sind der einzige Hauptdarsteller, der nicht am Poster zu sehen ist. Angeblich sind Sie lieber mit ihrer Freundin auf Urlaub gefahren als zum Poster-Shooting. Ist da etwas dran? 

KEVIN MCKIDD: Ja, ich war mit meiner damaligen Freundin auf Urlaub und habe das Poster-Shooting versäumt. Es bereitete mir aber keine schlaflosen Nächte und es ärgert mich auch heute nicht. Am Ende des Tages habe ich mit „Trainspotting“ karrieretechnisch einen großen Schritt nach vorne gemacht. Es war quasi mein erster Film - gleich nach der Schauspielschule. Es war ein Segen, Teil dieses Films zu sein und diese Rolle spielen zu dürfen. Eine Menge Leute hätten viel darum gegeben, diese zu bekommen. Ich glaube nicht, dass meine Abwesenheit auf dem Poster meiner Karriere geschadet hat. Gott sei dank!

© YouTube // Movieclips Trailer Vault

Was können Sie uns zu „Trainspotting 2“ verraten?

Sie arbeiten gerade dran. Ich habe vor kurzem mit (Regisseur, Anm.) Danny Boyle telefoniert, weil er meine Erlaubnis für eine Flashback-Szene brauchen. Also wird meine Figur, Tommy MacKenzie, in gewisser Weise auch wieder in Teil 2 dabei sein. Nur eben eine jüngere Version von mir. Ich muss zugeben, ich freue mich schon darauf. Ich würde sehr gerne nach Schottland reisen, um mit den Jungs am Set abzuhängen, aber ich weiß nicht, ob es sich terminmäßig für mich ausgeht. Ich hoffe, es klappt.

Was ist das Schönste am Schauspielberuf für Sie?

Du lernst Dinge, die du mit einem 08/15-Job nie lernen würdest. Ich weiß nun viel mehr über Chirurgie, kann ein bisschen Eislaufen und habe mir Basisfähigkeiten in Martial Arts angeeignet. Durch den Job bekommst du einen Einblick in andere Welten, schlüpfst in die Schuhe eines anderen und marschierst einen Teil des Weges mit. Ich habe in einem Film einen Hutmacher gespielt, der zum Millionär wurde und bei der Gelegenheit praktischerweise auch gleich gelernt, wie man Hüte macht.

So here is blast from the past #annieliebovitz #macallan shoot

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Und wie sehen die Schattenseiten aus? 

Die gibt es kaum. Seitdem ich auch als Regisseur arbeite, wird mir erst klar, wie gut es Schauspieler haben. Filmemacher haben es viel schwerer. Sie tragen viel mehr Verantwortung und haben viel mehr Stress. Als Schauspieler gehst du ans Set, sagst deinen Text und dann heißt es: „Okay, du kannst zurück in deinen Trailer. Wir rufen dich, wenn du wieder dran bist!“ Der Regisseur muss jede einzelne Minute vor Ort und immer auf Zack sein, damit alles auf Kurs bleibt.

Der einzige Nachteil ist vielleicht die Ungewissheit, die der Beruf mit sich bringt. Ich darf mich glücklich schätzen, dass ich in einer Serie spiele, die nicht so schnell eingestellt wird (Kevin spielt Dr. Owen Hunt in der Ärzte-Serie Grey’s Anatomy, Anm.). Es wird sie noch lange geben und das ist ein Segen, denn den Großteil deines Lebens als Schauspieler verbringst du normalerweise mit Warten und Hoffen auf den nächsten Job. 

Was wäre, wenn Sie im realen Leben plötzlich einen chirurgischen Eingriff machen müssten?

(Lacht.) Das wäre schrecklich! Ich würde niemals auch nur daran denken, eine echte Operation durchzuführen. Ich würde in Schockstarre verfallen. Als Chirurg trägst du viel zu viel Verantwortung. Ich habe durch die Arbeit an „Grey’s Anatomy“ einen enormen Respekt vor Chirurgen bekommen. Sie treffen ständig Entschlüsse, die über Leben oder Tod entscheiden. Ich könnte mir nicht vorstellen, jeden Tag meines Lebens diese Verantwortung zu tragen. 

„Seit ich als Regisseur arbeite, weiß ich, wie gut Schauspieler dran sind“

Sie sind schon lange im Showbiz, haben durch ihren Beruf viel gesehen und viele interessante Menschen kennengelernt. Was ist die wichtigste Lektion, die Sie in ihrem Leben bis dato gelernt haben?

Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, es geht darum mutig zu sein. Du musst dich selbst immer wieder aus deiner Komfortzone rausbugsieren. Probiere Dinge aus, die dir Angst machen und lerne daraus. Du wirst feststellen, dass sie nicht so schlimm sind, wie sie im ersten Moment schienen. Nur so kannst du wachsen. Wir Menschen - ich bin da keine Ausnahme - wollen es möglichst behaglich haben. Wir wollen Risiken vermeiden. Aber dieser Ort außerhalb deiner Wohlfühlzone ist der einzige Ort in unserem Leben, an dem etwas Wichtiges passiert - wo sich Dinge verändern und du dich weiterentwickeln kannst. Ich jedenfalls fühle mich immer sicherer dabei, Risiken einzugehen.

Fällt es Ihnen leicht die Wohlfühlzone zu verlassen?

Ich habe in gewisser Weise mein ganzes Leben lang meinem inneren Schweinehund immer wieder in den Allerwertesten getreten. Für mich liegt das in der Natur des Menschen. Wenn du diese Stimme in dir hörst, die dir sagt, dass du dich zu langweilen beginnst. Wenn die Dinge anfangen sich zu wiederholen, dann hör‘ auf diese Stimme. Vertraue auf deinen Instinkt und folge ihm. 

Me , directing #1201 @greysabc - it's coming soon people!:)

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Man hört, dass Sie gerne laut und leidenschaftlich singen. Welches Lied wäre ihre erste Wahl in einer Karaoke-Bar?

(Lacht.) Ha, vermutlich würde es etwas Schottisches sein. Zum Beispiel ein Simple-Minds-Song. Ich war ein großer Fan der Band. 

Haben Sie die Band jemals persönlich kennengelernt?

Ich habe mich mit dem Gitarristen, Charlie (Burchill, Anm.), angefreundet. Ich würde als Karaoke-Song also wahrscheinlich „Don’t You Forget About Me“ wählen.

Letze Frage: Verraten Sie uns ein heimliches Laster von ihnen …

Ich liebe Wellenreiten, aber das ist nicht wirklich ein Laster. Eher ein Vergnügen. Genauso wie Bier. Ich liebe Bier! 

Haben Sie eine Lieblingsmarke?

Hm, es gibt ein Craft-Bier in Kalifornien namens Pliny The Elder. Das ist ein Hammer. Ich muss extra ein paar Stunden mit dem Auto nach Nordkalifornien fahren, um mir ein paar Kisten davon zu besorgen. Aber es ist die Reise wert. 

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08 2016 The Red Bulletin

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