Leonardo DiCaprio in The Revenant

Kino-Vorschau:
Diese Filme laufen im Jänner

Text: Christoph Stachowetz
Bild: 20th Century Fox

Ein überraschend guter Ableger aus der „Rocky“-Reihe, Leonardo DiCaprio mit dem nächsten Ansturm auf einen Oscar und der neue Tarantino-Film. Der Jänner hat für Kino-Fans wieder jede Menge Highlights zu bieten.

Der Jänner ist wie so oft der wohl beste Monat für Filmbegeisterte: Wenn es draußen kalt und unwirtlich ist, begibt man sich gern in ein warmes Kino und genießt dabei noch die besten Filme, die sich Hollywood für die Academy Awards aufgespart hat. Anders lassen sich großartige Werke wie das überraschend sehenswerte (Quasi-)Spin-Off zur „Rocky-Saga „Creed“, das unterhaltsame (und wortwörtlich als solches zu bezeichnende)  Wirtschaftsdrama „The Big Short“ und die existenzielle Charlie Kaufman-Puppenshow „Anomalisa“ kaum erklären. Vielleicht spielt das Wetter aber eine noch wichtiger Rolle als gedacht, immerhin starten ja auch gleich zwei absolute Pflichtfilme, bei denen die winterliche Isolation nur noch weiter zum verzweifelten Überlebenskampf beträgt: „The Revenant“ und „The Hateful Eight“.

„Joy - Alles außer gewöhnlich“ läuft schon seit Neujahr in den Kinos.

© YouTube // FoxKino

Joy - Alles außer gewöhnlich (Start: 1.1.)

Wenn sich das Star-Quartett bestehend aus Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Robert De Niro und Regisseur David O. Russell mit einem neuen Film auf der Leinwand zurück melden, dann ist Aufmerksamkeit garantiert. Nach dem Oscar-prämierten Drama „Silver Linings Playbook“ finden sich die vier talentierten Publikumslieblinge nun im schrägen Semi-Biopic „Joy“ wieder: Lawrence übernimmt hier die titelgebende Hauptfigur, die sich in ihrer schrägen Familie nicht nur selbst behaupten muss, sondern auch ihren Erfindergeist gegen deren Willen bzw. ohne Mithilfe durchsetzen will. So lebt der Ex-Ehemann gemeinsam mit dem anstrengenden Vater (De Niro) im Keller, die entfremdete Mutter ist mit Soap-Operas den ganzen Tag beschäftigt und nur Joy selbst vermag etwas Hoffnung in den tristen Alltag zu bringen, als ihr die Möglichkeit geboten wird, den selbsterfundenen Super-Wischmob der breiten Öffentlichkeit via Home-Shopping schmackhaft zu machen. Wie immer ein interessantes filmisches Experiment von Regisseur Russell, der schon oftmals beweisen hat, dass gute Charaktere in einer absurd anmutenden Handlung fast automatisch Unterhaltung garantieren (etwa in „American Hustle“ oder „Three Kings“ zuvor).

„Love“ ist bereits seit 1. Jänner im Kino zu sehen.

© YouTube // Thimfilm Filmverleih

Love (Start: 1.1.)

Dass die Filme von Regisseur Gaspar Noé nichts für zarte Gemüter oder schwache Nerven sind, ist ja mittlerweile bekannt. Sei es nun der misanthrophe Hauptcharakter in seinem Debüt „Seul contre tous“ (hierzulande passend betitelten als „Menschenfeind“), die fast zehn Minuten andauernde Vergewaltigung von Monica Belluccis Figur in „Irréversible“ oder der irre Drogentrip in „Enter the Void“: Der Mann kann auf sich und sein Werk aufmerksam machen, auch wenn man Stil und Inhalt nicht unbedingt gutheißen will. Wenig verwunderlich also, das er sich in seinem neuesten Film „Love“ nicht in Zurückhaltung übt und die Zensur vor massive Herausforderungen stellt. Explizites Filmplakat, schonungslose Fleischbeschau die ganze Laufzeit über. Das (nicht allzu) komplizierte Gefühlsleben eines jungen Filmstudenten wird hier in den Mittelpunkt gerückt, eine ungewollte Schwangerschaft und vermisste große Liebe später eskaliert die Sache natürlich. Was die banale Rahmenhandlung dann vermutlich sehenswert machen soll, ist natürlich die schon vorab als “skandalös” bezeichnete Darstellung von Sexualakten. Definitiv nicht jugendfrei und eher weniger für ein romantisches Date zu empfehlen, dürfte „Love“ aber sicher Gemüter erhitzen und Gesprächsstoff bieten - vor allem, wenn das Ganze in 3D zu betrachten ist.

„Legend“ kann man seit 5. Jänner in den Kinos bewundern.

© YouTube // STUDIOCANAL Germany

Legend (Start: 5.1.)

Langsam aber sicher kann der nur nach bombastischen Blockbustern trachtende Kinogeher mit dem Namen Tom Hardy etwas anfangen. Der englische Schauspieler hat nämlich in den letzten Jahren gezeigt, dass auch abseits von schwerer verdaulichen Charakterstudien wie „Bronson“ oder „Locke“ das Potential für seinen endgültigen Durchbruch gegeben ist - siehe hierzu etwa „The Dark Knight Rises“ und natürlich „Mad Max: Fury Road“. Im Jänner dieses Jahres darf der Mann dann nicht nur in gleich zwei Filmen (siehe nachfolgende Filmvorschau) sein Können abermals unter Beweis stellen, sondern das Ganze dann auch mithilfe von drei unterschiedlichen Figuren. In Brian Helgelands Legend“ übernimmt Hardy nämlich den Part eines Gangster-Duos, den berühmt-berüchtigten eineiigen Zwillingen Ronald und Reggie Kray, die im London der 1960er kräftig aufmischten. Und wenn sich das nicht schon großartig genug anhört: Regisseur Helgeland hat sich zuvor einen Namen mit Drehbüchern zu fantastischen Filmen wie „L.A. Confidential“, „Mystic River“ und „Green Zone“ gemacht.

Ab 6. Jänner ist „Der Rückkehrer“ auf den Leinwänden zu sehen.

© YouTube // FoxKino

Der Rückkehrer (Start: 6.1.)

Erst im vergangenen Jahr hat der Mexikaner Alejandro González Iñárritu mal wieder gezeigt, das er in der vordersten Riege der begabtesten Regisseure der Gegenwart bestens aufgehoben ist. Sein in so vielen Belangen absolut eindrucksvolles Drama „Birdman or (The Unexpected Virtue of Ignorance)“ hat weltweit dutzende Preise abgeräumt, Kritiker verstummen lassen, Bestenlisten gestürmt und das Publikum in Begeisterung versetzt. Ein leichtes also, das Ganze nun nochmals zu wiederholen, oder? Gut möglich, dass Sarkasmus doch nicht angebracht ist, denn mit „The Revenant“ schickt sich Iñárritu abermals an, mithilfe seines genialen Kameramanns Emmanuel Lubezki die Kinogeher umzuhauen. Diesmal darf sich der Oscar-hungrige Leonardo DiCaprio an die Grenzen der Belastbarkeit wagen, sowohl vor der Kamera als auch dahinter: Die auf wahren Gegebenheiten basierende Geschichte eines zum Sterben in der Wildnis zurückgelassen Trappers hat schon im Vorfeld aufgrund der irrsinnigen Drehbedingungen für Aufregung gesorgt. Vegetarier DiCaprio hat für den Film so etwa kurzzeitig auf rohe Bisonleber umgesattelt und zwei Sprachen von nordamerikanischen Indianerstämmen gelernt, während Lubezki ohne zusätzliche Beleuchtung (also nur mit natürlichem Licht) für maximalen Realismus-Effekt gedreht hat - Neun Monate lang. Dass Tom Hardy DiCaprio dennoch die Schau stehlen soll, dürfte dann wohl nur noch ein Tropfen auf dem heißen Stein sein und einen Kinobesuch gleich noch empfehlenswerter erscheinen lassen.

„The Danish Girl“ gibt es ab 7. Jänner in den Kinos zu sehen.

© YouTube // Universal Pictures Germany

The Danish Girl (Start: 7.1.)

Regisseur Tom Hooper erzählt die bewegende Geschichte des Künstlers Einar Wegener (Eddie Redmayne), der mit männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen geboren wurde und sich in der Kunstszene als Landschaftsmaler einen Namen machte. Auf der Königlich Dänischen Kunstakademie lernte er seine spätere Frau Gerda (Alicia Vikander) kennen. Nur der engste Kreis des Paares wusste, dass die Frau auf den Bildern, die Gerda malte und mit denen sie sich in der Szene einen Namen machte, ihr Mann Einar war, der sich als Frau verkleidete. Sie gaben der Figur den Namen Lili. Doch im Laufe der Zeit zeigte sich Einar in der Öffentlichkeit immer öfter als Frau. Lili Elbe war eine der ersten bekannten intersexuellen Menschen, die 1930 geschlechtsangleichenden Operationen an sich vornehmen ließ. Hooper erzählt nun ihre Geschichte und tut dies mit sehr viel Gefühl sowie ästhetischer Bildsprache. Obwohl das Drehbuch von David Evershoff und Lucinda Coxon dabei aber etwas von den Fakten abweicht, schaffen es sowohl Redmayne und vor allem Vikander, dass der Film dennoch unter die Haut geht und bewegt.

Ab 14. Jänner läuft „The Big Shortin den Kinos.

© YouTube // ParamountPicturesGER

The Big Short (Start: 14.1.)

Ächz, ein Film über die Wirtschaftkrise bzw. deren Anfänge beim Platzen der Immobilienblase in den USA vor etwa zehn Jahren. Starker Tobak für den Zuseher und vielleicht nicht gerade der beste Stoff für spannendes Unterhaltungskino, weil erstens viel an Hirnschmalz für die komplexen Zusammenhänge benötigt wird und zweitens das Ganze auch nicht gerade spaßig ist. Was macht man also, wenn man dennoch einen Film in diese Richtung veröffentlichen will? Man nehme zuerst eine bekannte Buchvorlage (Michael Lewis, Autor von „Moneyball“), versammle eine hochkarätige Starbesetzung (Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling, Brad Pitt, Marisa Tomei) und engagiere dazu einen Regisseur, der eher für Genre-fremde Werke bekannt ist (Adam McKay, u.a. Regie bei „Anchorman“, „Step Brothers“, Drehbücher zu „Get Hard“ und „Ant-Man“), um dadurch die zu erzählende Handlung in eine annehmbare Richtung für das Publikum zu lenken. „The Big Short“ nennt sich nun jenes Werk, das es tatsächlich schafft, Humor, Bedauern, Wut und auch gleichzeitig Kopfschütteln beim Zuseher auszulösen.

„Creed: Rocky’s Legacy“ ist ab 15. Jänner in den Kinos zu sehen.

© YouTube // Warner Bros. DE 

Creed: Rocky’s Legacy (Start: 15.1.)

Wundert es noch irgendjemanden, dass auch der direkt von Sylvester Stallone höchstpersönlich und mit viel Feingefühl in den Ruhestand verabschiedete Rocky Balboa erneut von Hollywood für einen weiteren Leinwandauftritt wiederbelebt wurde? Was sich zunächst wie ein Ausmergeln einer längst verblichenen Legende liest (ein noch nicht einmal 30 Jahre alter Regisseur ohne nennenswerte Erfahrung, ein junger Hauptdarsteller als Anknüpfungspunkt zu einer vor Jahren verstorbenen Filmfigur), entpuppt sich jedoch überraschenderweise als irreführend. Mit „Creed“ zeigt Regisseur Ryan Coogler sein Geschick als Filmemacher gleich in mehreren Belangen: So kann er ohne große Mühe ein Soft-Reboot der Marke „Jurassic World“ und „Star Wars: The Force Awakens“ auf die Leinwand bringen, das sowohl alte Fans zufriedenstellen wie auch Neue anziehen dürfte. Zugleich beweist er mit dem Einsatz von Stallone, dass die Schauspiellegende ihr Handwerk nicht verlernt hat und unter dem alten Pork-Pie-Hut doch noch Energien schlummern, die man kaum vermutet hätte.

„Point Break“ kommt am 21. Jänner in die Kinos.

© YouTube // Concorde Movie Lounge

Point Break (Start: 21.1.)

Starbesetzte und spektakulär angepriesene Filme von renommierten Filmemachern geben sich in diesem Monat wie immer die Hand und tanzen quasi rund um die weniger anziehend erscheinenden Werke herum. Dass man so als Kameramann von „Daredevil“ und Regisseur des kaum bekannten „Invincible“ (immerhin mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle) mit einem wohl von niemanden erhofften Remake eines Kultklassikers aus den 1990ern weniger (positive) Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann, ist da einigermaßen vorprogrammiert. Aber egal: Kathryn Bigelows Surfer-Action-Thriller mit dem schon damals hölzernen Keanu Reeves und einem famosen Patrick Swayze in einer seiner bekanntesten Rollen erfährt nun - unter dem gleichen Titel seine Neuauflage im 21. Jahrhundert. Durchtrainierte Körper (u.a. Édgar Ramírez als Bodhi, Luke Bracey als Utah, Teresa Palmer) finden sich so natürlich auch hier in vielen Trend- und Extremsportarten wieder, gleichzeitige müssen philosophische und physische Hürden überwunden werden. Und wie schon bei der Vorlage gilt die Devise: Die Handlung darf ruhig ausgeblendet werden, denn nur die Action zählt.

„Anomalisa“ gibt es ab 21. Jänner im Kino zu sehen.

© YouTube // Paramount Pictures 

Anomalisa (Start: 21.1.)

Ein kleines Wunderwerk inmitten lärmender Action und bemühten Darbietungen darf nun auch in heimischen Kinos bestaunt werden: Wie in seinem Titel vorweg genommen ist „Anomalisa“ eine Anomalie, eine Abweichung vom Normalen. Dafür sorgt nicht nur Drehbuchautor und Co-Regisseur Charlie Kaufman („Being John Malkovich“, „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“), sondern auch die Tatsache, dass es sich bei seinem neuesten Werk um ein existenzielles Drama handelt, welches mithilfe von Puppen (und zudem noch via Kickstarter-Crowdfunding) verwirklicht wurde. Im Zentrum der Erzählung steht der Motivationsredner und Schriftsteller Michael Stone (mit der Stimme von David Thewlis), dessen sorgloses Leben an der Kippe steht. Weder Frau noch Kind beflügeln sein Dasein, alle Menschen rund um ihn scheinen nur Belanglosigkeiten von sich zu geben und treiben ihn langsam in den Wahnsinn - und zudem auch noch allesamt mit der selben monotonen Stimme (diese Stimme: Tom Noonan). Ein Lichtblick inmitten seines zunehmend bedrohlichen Geisteszustandes stellt die junge und naive Lisa (Jennifer Jason Leigh) dar, die für Michael nicht nur erstmals seit langer Zeit die personifizierte Hoffnung selbst darstellt, sondern damit auch zugleich einen Ausweg aus seiner belanglos wirkenden Existenz. Großes Kino von einem der interessantesten Drehbuchautoren der letzten Jahrzehnte, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.

„The Hateful Eight“ startet am 28. Jänner in den Kinos.

© YouTube // Universum Film

The Hateful Eight (Start: 28.1.)

Quentin Tarantino denkt für uns alle mit, gewissermaßen, denn mit „The Hateful Eight“ gibt er uns alle gleich über den Filmtitel eine kleine Erinnerung daran, dass dies (erst? schon?) sein achter Film ist (Wenn man seine Beiträge in „Sin City“ und „Four Rooms“ als solche auffasst). So kann man sich auch in Zukunft leicht darüber bewusst werden, welche Wirkung der Mann mit seinem Œu­v­re in der Filmgeschichte hinterlassen hat. Wie auch immer: Eine illustre Riege an denkwürdigen Figuren (Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh, Tim Roth, Bruce Dern) hat sich im tief verschneiten Wyoming in einer abgelegenen Hütte zusammengefunden, um ihrem jeweiligen Schicksal entgegenzutreten. Pressestimme bezeichnen den Film als gleichermaßen poetisch wie blutig, ausgehend von der Rahmenhandlung könnte man sich gut vorstellen, das hier das dramatische Konstrukt von „Reservoir Dogs“ auf das Setting von „Django Unchained“ trifft, sehenswert wird der angeblich vorletzte Film von Tarantino (laut eigener Aussage zumindest) aber sicher. Wer sich „The Hateful Eight“ übrigens in der gloriosen 70mm-Roadshow-Version, also mit Overtüre und zusätzlichen Szenen auf voller Leinwandbreite ansehen will, hat in Europa nur in ein paar Ländern Gelegenheit dazu - und das Wiener Gartenbau Kino geht hier mal wieder auf die Wünsche von Cineasten ein.

Pressplay Logo
Klicken zum Weiterlesen
01 2016 Pressplay für The Red Bulletin

Nächste Story