Kontra K

„Wir sollten das Reden aufgeben“

Interview: Florian Obkircher
Foto: Oliver Rath

Rap-Star Kontra K teilt gerne aus. Mit dem Mikrofon und Boxhandschuhen. Und er weiß, wie man Wut in Kunst verwandelt.

Mit seinem neuen Album „Aus dem Schatten ins Licht“ schaffte es Kontra K auf Platz zwei der deutschen Charts. Dank einem sehr un­gewöhnlichen Zugang: Statt über Autos und Goldketten rappt der 27-jährige Berliner über Ehrgeiz und Disziplin.

 

THE RED BULLETIN: Sie sind derzeit einer der erfolgreichsten Rapper Deutschlands. Wie sah Ihr Leben vor zehn Jahren aus?

KONTRA K: Nicht so toll. Mit sechzehn brach ich die Schule und mein Boxtraining ab. Ich wandte das, was ich im Ring gelernt hatte, auf der Straße an. Das war saudumm.

Wie kriegten Sie die Kurve?

Ich war 22, als zwei meiner besten Freunde im Knast landeten. Da wachte ich auf. Ich wusste, wenn ich so weitermache, bin ich der Nächste. Ich fing wieder mit dem Boxtraining an. Dort lernte ich Disziplin und Teamgeist. Das war meine zweite Chance. Im Ring interessiert sich keiner für deine Vorgeschichte.

Kontra K - Erfolg ist kein Glück

Aus seinem vierten Soloalbum „Aus dem Schatten ins Licht“, veröffentlicht im Februar 2015.

Damals begannen Sie auch zu rappen. Warum?

Weil es mir schwerfiel, mit Leuten darüber zu sprechen, was mir passiert war. Rappen half mir, mich mit meinen ­eigenen Fehlern zu konfrontieren. Es war ein Weg, meine Aggressionen abzubauen. 

Sie haben also Ihre Wut in Kreativität umgewandelt?

Ja. Meine Songs sind zum Großteil Motivations­ansprachen an mich selbst. Ich schreibe sie auf und schreie sie in die Welt hinaus. Damit nehme ich mich selbst in die Verantwortung. Es wäre ein Verrat an mir selbst, würde ich mich selbst nicht an meine Message halten.

In Ihren Songs halten Sie Werte wie Loyalität und Selbstdisziplin hoch. In „Kampfsport 2“ heißt es: „Fressen, saufen, kiffen – nicht bei mir“. Für einen jungen Rapper eher un­typisch, oder?

Das höre ich öfter. Vielleicht bin ich in der falschen Zeit geboren, aber ich finde, diese Werte kommen in unserer Gesellschaft zu kurz. Gerade in solchen Kreisen, in denen ich mich früher bewegte. Auf der Straße nennt dich zwar jeder schnell „Bruder“, aber wenn es darauf ankommt, stehst du allein da. Jeder sollte ein Rudel um sich haben, auf das er sich in jeder Lebenslage unbedingt verlassen kann. 

„Grundstein der Missverständnisse ist die Sprache.“

Apropos Rudel … der Wolf kommt oft in Ihren Texten vor. Was fasziniert Sie so an ihm?

Er opfert sich für sein Rudel auf – und das bedingungslos. Wir Menschen sind viel zu oft auf unseren eigenen Vorteil bedacht. Grundstein der Missverständnisse ist die Sprache. Vielleicht sollten wir das Reden aufgeben. Dann gäbe es keine Lügen und Intrigen mehr. 

Für einen Rapper ist das eine interessante Ansage.

Stimmt. Vielleicht sollte ich es in Zukunft mit Ausdruckstanz versuchen (lacht).

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05 2015 The Red Bulletin

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