Kristen Stewart

Kristen Stewart: „Ich bin stolz auf Twilight“

Text: Rüdiger Sturm
Foto: Fabrizio Maltese / Contour by Getty Images

Kristen Stewart steht zu „Twilight“, dreht trotzdem mit Woody Allen und erklärt, warum sie ein Baum mit Rädern sein möchte.

THE RED BULLETIN: Sprechen wir mal über Ihre Jugendsünden …

KREISTEN STEWART: Und die wären? 

„Twilight“.

Aber ich bin stolz auf diese Filme! Ich werde mich hier sicher nicht von ­ihnen distanzieren.

Botschaft angekommen: ­keine Reue. Aber Ihre Karriere seitdem spricht eine andere Sprache: Sie haben gefeiertes Kunstkino gedreht und den französischen Filmpreis César erhalten (für „Die Wolken von Sils Maria“ [2014]; Anm.). Bei Ihrem nächsten Film „Café Society“ haben Sie mit Woody Allen gearbeitet.

Aber ich habe mich emotional immer voll reingehängt und meine ganze Kraft gegeben – egal für welches Projekt.

Schau dir den Trailer von Kristen’s neuen Film, „Café Society“ an!

© Movieclips Trailers // Youtube

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie sich für ein Projekt? Geld? Ruhm?

Menschen. Ich will mit Typen arbeiten, die mich auf Trab bringen. 

Wie passiert das?

Wenn du Teil einer Gruppe von Leuten bist, die alle das gleiche Projekt lieben, dann kriegst du eine Energie ab, die dich süchtig macht. Dieses gemeinsame Gefühl berührt und bewegt dich. Es sei denn, du bist ein Soziopath.

Was für einen Menschentyp suchen Sie genau?

Ich mag es, mich mit Menschen zu umgeben, die mich schockieren können. Denen laufe ich hinterher. Das gilt für alle meine Freunde. Die sind nicht träge und selbstzufrieden, sondern sie fordern was von mir – aber sie sind auch bereit, zu geben.

Seit wann laufen Sie solchen Leuten hinterher?

Da war ich vierzehn oder fünfzehn – das ist das Lebensstadium, wo ich mir zum ersten Mal dachte: „Ich bin nicht so cool und so smart, wie ich sein könnte. Ich kriege nicht die Herausforderungen, die ich nötig habe. Ich brauche Leute, die mir dabei helfen können.“

Nur dass die nicht gerade in der Mehrheit sind.

Natürlich nicht. Darum war ich in der Schulzeit mit Leuten befreundet, mit denen andere nichts zu tun haben wollten.

Und von welchen Leuten halten Sie sich fern?

Nur ein Beispiel: Vor mehreren­ Jahren besuchte ich eine Highschool-Party mit ein paar Freunden, die noch zur Schule gingen. Und ich fühlte mich absolut unwohl. Das war ein Zimmer voller Leute, die nicht sprachen. Das heißt, sie unterhielten sich, aber sie sagten dabei überhaupt nichts.

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Was wollen Sie selbst erreichen, wenn Sie kommunizieren? 

Ich möchte einfach verstanden werden. Mir ist echt wichtig, dass meine Punkte rüberkommen. Ich will sie selbst kapieren, damit ich sie Ihnen erklären kann. Das heißt, ich möchte die Wahrheit vermitteln. Wenn mir das gelingt, ist meine Welt in Ordnung.

Was tun Sie, wenn sie nicht in Ordnung ist?

Die beste Lösung: körperliche Aktivität. Schwitzen. Damit fühle ich mich wieder lebendig­ und im Einklang mit mir selbst. Wenn ich mal den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe oder eine Panikattacke habe, kann ich damit ganz einfach den Reset-Knopf drücken. Ich sage mir: Mensch, geh raus, geh laufen, und du wirst sehen, dass der Körper mächtiger als der Verstand ist. 

© stewtothewood // Youtube

Sie fühlen sich also mit ­Adrenalin und Tempo wohl?

Nicht nur. Ich schreibe auch Gedichte und spiele Gitarre. Jemand hat mich mal gefragt, ob ich mich eher mit einem Baum oder mit einem Auto identifiziere.

Und?

Weder ganz das eine noch ganz das andere. Beide haben ihre negativen Seiten. Der Baum hat Wurzeln, also gut durchdachte Vorstellungen, die sich aber nicht ändern. Das bedeutet also auch: Er steht für Stagnation. Aber nachdem sich die Zeiten ändern, müssen sich auch unsere Vorstellungen wandeln. Das Leben bewegt sich ständig vorwärts. Das wiederum gilt für das Auto – nur dass es keine Zeit hat, um über die Dinge nachzudenken. Langer Rede kurzer Sinn: Ich wäre gerne ein Baum auf Rädern. 

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09 2016 The Red Bulletin

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