Mapei

„Du kommst aus dem Ghetto, du kannst sicher rappen, oder?“

Text: Florian Obkircher
Bilder: Sony Music

Mit ihrem souligen Debütalbum gilt Mapei als nächste Pop-Durchstarterin aus Schweden. Die Musikerin über ihre Jugend als Rapperin, ihre Freundschaft mit Lykke Li und ihre Leidenschaft für Computertechnologie.

Mapei hat eine Stimme, die dich unmittelbar berührt. Tief und weich, eindringlich und wunderschön. Manche mag das überraschen. Denn vor fünf Jahren tauchte die junge Schwedin als feurige Rapperin erstmals in Szenekreisen auf. Auf ihrer EP „Cocoa Butter Diaries“ rechnete sie damals gewitzt mit ihrem lahmarschigen Freund ab und griff sozialkritische Themen auf.

Nach einer Phase der Neuorientierung veröffentlicht die 31-Jährige nun ihr neues, souligeres Album „Hey Hey“. Und ihre Chancen auf den internationalen Durchbruch stehen gut: Die im Oktober veröffentlichte Vorabsingle „Don’t Wait“ war binnen kurzer Zeit der am meisten gebloggte Song im Internet. Wir haben Mapei zum Interview gebeten!

THE RED BULLETIN: Wie sah dein Leben vor zwei Jahren aus?
Mapei: Sehr einfach. Ich lebte in Stockholm, hörte viel Musik und hing mit meinen Freunden ab. Ich legte bei Partys auf und schrieb Songs. Allerdings nicht für mich, sondern für andere Künstler. Ich wollte selbst nicht im Rampenlicht stehen. Ich veröffentlichte 2009 eine EP und hatte danach erst einmal genug vom Musikgeschäft.

Warum?
Ich tat mir schwer dabei, meinen eigenen Stil zu finden. Ich arbeitete mit einigen Freunden an Hip-Hop-Tracks im Stil von J Dilla, mit anderen an EDM-Songs. Ich probierte vieles aus, aber nichts fühlte sich richtig an. Ich war frustriert.

Und heute vergleichen Kritiker deine Stimme mit der von Lauryn Hill …
Unglaublich cool, oder? Der Vergleich freut mich besonders, weil ich sie für ein Genie halte, für eine Prophetin. Genau wie Madonna. Hills Album „The Miseducation of Lauryn Hill“ und „Ray Of Light“ kamen beide 1998 auf den Markt und waren die prägendsten Platten meiner Jugend. 

Wie bist du zum Singen gekommen?
Da muss ich ein wenig ausholen. Als Teenager hörte ich viel R&B-Musik, Gruppen wie 112 und Boyz II Men. Davon beeinflusst, hatte mein Gesang einen souligen Touch. Den mochte meine Chorlehrerin in Stockholm aber gar nicht. Sie sagte: „Wir singen hier traditionelle schwedische Musik, keinen R&B!“ Das war sehr einschüchternd. Nach dieser Ansage versteckte ich mich ganz hinten im Chor und bewegte oft nur meine Lippen.

„Selbst wenn alles schief geht, hätte ich ein paar tolle Songs, die ich eines Tages meinen Kindern vorspielen könnte.“
Mapei

Wer hat dich in dieser Situation ermutigt?
Das waren eigentlich die Jungs in meinem Umfeld. Die meinten: „Hey, du kommst aus dem Ghetto, du kannst sicher rappen, oder?“ Rap-Texte zu schreiben ist wie Puzzle spielen. Du musst am Punkt sein. Das fand ich schon damals spannend. 

Mapei

„Die Schweden sind sehr ehrgeizig. Sie wollen Trendsetter sein.“ 

Warum kommt dieser Tage so viel erfolgreiche Popmusik aus Schweden?

Die Schweden sind sehr ehrgeizig, sie wollen Trendsetter sein. Außerdem gibt es keine Unigebühren, weshalb die Leute ohne Druck Fächer wie Mode oder Musik studieren können – und dadurch ihr Handwerk wirklich gut lernen.

Lykke Li ist sozusagen die Königin dieser Bewegung junger schwedischer Popkünstlerinnen. Stimmt es, dass ihr Wohnungskolleginnen wart?

Ja. Sie teilte vor ein paar Jahren meiner Wohnung in New York mit ihr. Sie ist sehr diszipliniert und arbeitet hart. Ich wünschte, ich könnte das von mir sagen. Ich brauchte fünf Jahre, um mein Debütalbum fertig zu stellen. Sie nur sechs Monate.

Was ist das beste Ambiente, um dein Album zu hören?

In einem großen Auto mit guten Lautsprechern.  Am besten in einem Cadillac. Beim Cruisen durch eine Großstadt.

Hast du einen Plan B falls es nicht klappt mit der Musikkarriere?

Selbst wenn alles schief geht und mich meine Plattenfirma morgen kündigen würde, hätte ich ein paar tolle Songs, die ich eines Tages meinen Kindern vorspielen könnte.  Aber im Ernst: Wenn es nicht klappt, dann würde ich vermutlich Computertechnologie studieren.

Computertechnologie? Echt?

Das Gebiet finde ich total spannend. Ich würde eine coole Programmiererin abgeben, denkst du nicht?

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03 2015 The Red Bulletin 

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