michelle Dockery

Bittersüßer Abschied von Downton Abbey

Interview: Holger Potye
Photo: Getty Images

Während die letzte Staffel von Downton Abbey gerade über die Bildschirme flimmert, haben wir Michelle Dockery, aka Lady Mary Crawley, zu Tea-Time & Talk gebeten. 

THE RED BULLETIN: Wie hat es sich angefühlt die letzte Staffel der Kostüm-Serie zu drehen, sich also für immer von Downton Abbey zu verabschieden?

MICHELLE DOCKERY: Zu Anfang der 6. Staffel fühlte es sich nach ganz normalen Arbeitstagen an. Dann wurde uns langsam klar, dass wir einige Dinge zum letzten Mal tun würden. Mir wurde das so richtig bewusst, als wir auf Highclere Castle (= Downton Abbey) filmten. Es fühlte sich an, als würden wir das Herrenhaus an seine Besitzer zurückgeben. Immerhin war es sechs Jahre lang unser Zuhause. Es ist schon eigenartig: Es gab Tage, da konnte ich es gar nicht erwarten, vom Set wegzukommen. Aber als es dann so weit war, wollte ich nicht mehr gehen. Laura (Carmichael) und ich drehten eine letzte Runde im Herrenhaus. Wir setzten uns auf Matthews Bank und fingen an zu weinen. Es war eine bittersüße Erfahrung.

Was haben Sie in den sechs Jahren in der Rolle von Lady Mary gelernt? Können Sie sich etwas für Ihr eigenes Leben mitnehmen?

Sie ist eine starke Persönlichkeit und stets ehrlich. Ich glaube, diese beiden Charakterzüge von ihr würde ich gerne für mich übernehmen. Und ihren Geschmack für Kleider. Lady Mary war immer sehr stylisch.

Wie war die Zusammenarbeit mit Schauspiellegende Maggie Smith?

Es war ganz erstaunlich, mit ihr zu arbeiten. Manchmal zwicke ich mich in den Arm, weil ich nicht glauben kann, dass ich mit ihr arbeiten durfte. Sie ist eine der Besten in unserer Zunft. Ich konnte unglaublich viel lernen und unglaublich wertvolle Erfahrungen sammeln auf Downton Abbey. Dafür bin ich dankbar.

„Wir setzten uns auf Matthews Bank und fingen an zu weinen. Es war eine bittersüße Erfahrung.“
Michelle Dockery über ihren letzten Moment auf Downton Abbey

Wie wichtig waren Mode und Style für die Show? Immerhin ist Downton Abbey ein Kostümdrama. 

Extrem wichtig. Mein Charakter, Lady, Mary, trug eine Menge Outfits, die an die aktuelle Kollektion von Chanel erinnern. Ich liebe die Einfachheit und gleichzeitige Eleganz dieser Zeit. Ich habe durch die Serie viel über Mode gelernt und meinen eigenen Stil gefunden. Ich wusste davor nicht wirklich viel über Fashion. Und die Modewelt ist auf unseren Downton-Zug aufgesprungen. Ralph Lauren brachte nach der ersten Stafel eine komplette Kollektion heraus, die als Hommage an Downton Abbey gedacht war.

Haben Sie ein Lieblings-Kleidungsstück aus der Serie?

Ich habe einige großartige Damenhüte. Manchmal denke ich mir, wir Frauen sollten wieder mehr Hüte tragen. Ich liebe Frauen mit Hut auf Hochzeitsgesellschaften. Der Trend scheint wieder dahin zu gehen. Ich bin gespannt, ob sich Damenhüte durchsetzen werden.

Wo wären Sie wohl gelandet, wenn Sie in den 1920er Jahren gelebt hätten - beim Adel oder bei der Dienerschaft? 

Nun, wenn ich mir meinen Familienstammbaum anschaue, wäre ich ziemlich sicher bei der Dienerschaft, also Downstairs, gelandet.

Und wenn Sie es sich aussuchen hätten können?

Ich denke, Lady Marys Leben war schon ziemlich großartig. All diese wunderbaren Kleider. Wenn ich die Wahl habe, entscheide ich mich für den Adel, also Upstairs. (Lacht.)

 

Gibt es spezielle Momente aus der Show, an die Sie sich gerne erinnern?

Es gibt so viele. Viele von Lady Marys typischen Charakterzügen verdankt sie ihrer Beziehung mit Matthew (Crawley, Anm.). Ich habe diese Partnerschaft zwischen Mary und Matthew geliebt, und ich liebte es mit Dan (Stevens, Anm.), der Matthew gespielt hat, zu drehen. Eine meiner Lieblingsszenen war die Szene am Bahnhof in der zweiten Staffel, als ich mich von ihm am Bahnsteig verabschiedete und er in den Krieg ziehen musste. 

„Ich wähle meine Rollen immer danach aus, ob mir das Drehbuch gefällt. Es geht weniger um die Zeitperiode oder das Genre.“
Michelle Dockery über ihrer Rollenwahl

Jim Carter (er spielt Butler Carson, Anm.) hat uns verraten, dass eine seiner Lieblingsszenen jene war, als Sie in Ihrem Hochzeitskleid die Treppen herunterkamen …

Ja, diese Szene war etwas ganz Besonderes. In gewisser Weise war Carson, obwohl er „nur“ Butler war, eine Vaterfigur für Mary. Es gibt Lady Marys leiblichen Vater Robert, und dann ist da noch Carson, Marys Downstairs-Papa. 

Sie haben bereits zahlreiche Angebote nach dem Ende von Downton Abbey. Können Sie sich vorstellen, bald wieder in einem Kostümdrama mitzuspielen?

Ich wähle meine Rollen immer danach aus, ob mir das Drehbuch gefällt. Es geht weniger um die Zeitperiode oder das Genre. Ich suche aber momentan nicht gezielt nach Stoffen. Ich lasse mich überraschen.


Hinweis: Die 6. Staffel von Downton Abbey ist aktuell auf Sky on Demand, Sky Go und Sky Online zu sehen.  

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04 2016 Redbulletin.com

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