Monica Bellucci

„Ich bin kein klassisches Bond-Girl“

Interview: Alexander Kern
Fotos: Getty Images

Traumfrau Monica Bellucci ist mit ihrem Auftritt in „Spectre“ das älteste Bond-Girl aller Zeiten. Dabei hatte sie schon vor 20 Jahren die Chance. Warum sich das Warten für alle Seiten gelohnt hat, verrät sie im Interview. 

THE RED BULLETIN: Femme Fatale mit 50. Ist es da noch korrekt, als Bond-Girl bezeichnet zu werden?

MONICA BELLUCCI: Ich habe lange versucht, eine passende Bezeichnung für diese Lady zu finden. Denn klar ist: Ich bin natürlich kein klassisches Bond-Girl. Deshalb habe ich mich entschieden – ich sage James Bond-Woman.

Stimmt es, dass Sie beinahe schon einmal in einem Bond-Film mitgespielt hätten?

Das erste Mal vor 20 Jahren. Vielleicht ist es sogar noch länger her. Ich war jung und schön - damals wäre es normal gewesen. Heute aber bin ich 50 Jahre alt und Teil dieses Films – jetzt ist es außergewöhnlich. Das ist der entscheidende Unterschied.

Wieder einmal glänzen Sie in der Rolle der Verführerin …

Als James Bond in ihr Leben tritt, vertraut sie ihm erst nicht. Dann aber siegt die Anziehungskraft. Sie weiß, dass er ihr helfen kann, ihrem Leben zu entkommen. Er rettet sie, und sie gibt ihm die Informationen, die er braucht. Die zwei finden einen interessanten Weg, um diesen „Vertrag“, den sie eingehen, zu erfüllen … (lacht)  

„Spectre“ läuft seit 5. November in allen Kinos.

© Sony Pictures Releasing GmbH

Als Daniel Craig zum ersten Mal die berühmten Worte „Bond, James Bond“ sagte, was ging da in Ihnen vor?

Ich musste lachen! So oft habe ich das in den Filmen gesehen. Ich konnte nicht glauben, dass er es diesmal zu mir sagt! Ich fand das sehr lustig. Ich dachte nur: ‚Oh, mein Gott, er sagt das zu mir!‘

Wie finden Sie James Bond?

Gemeinsam mit Sam Mendes hat Daniel einen speziellen Bond erschaffen. Ich liebe Sean Connery, aber dieser Bond hat alles unter Kontrolle. Daniels Bond ist modern und unvorhersehbar. Er tötet, er liebt Frauen, er hat einen Todestrieb. Er hat eine nie gekannte Tiefe. Dieser James Bond ist mysteriöser, dunkler, gefährlicher und dadurch auch sexier denn je.  

Daniel Craig mit Monica Bellucci

Monica Bellucci an der Seite von James Bond alias Daniel Craig

Und wie finden Sie Daniel Craig?

Daniel ist der perfekte Gentleman. Es ist manchmal schwierig, intime Szenen zu drehen, vor allem mit jemandem, den man nicht kennt. Aber Daniel war von Anfang an sehr beschützend. Er hat mich in die Arme genommen und mir als Outsider die Aufnahme in diese eingeschworene Bond-Truppe ungemein erleichtert. Er weiß, wie er dich willkommen heißt.

Bevorzugen Sie in der Liebe Gentlemen wie Daniel Craig oder Machos wie James Bond?

Ich finde, das geht beides gut zusammen. (schmunzelt) Am besten ist ein bisschen von beidem!

Ist für Sie als Frau James Bond als Anführer der Macho-Kultur nicht unerträglich?

Nein. Die Frauen bei Bond sind immer schön, intelligent, sexy und stark: Ich finde, Bond wächst an ihnen. Alle Bond-Ladies haben einen gewissen Punkt berührt – wäre das nicht der Fall, könnte ich mich an diese Frauen nicht mehr erinnern. Schauspielerinnen wollen bei Bond spielen, weil sie wissen, dass es sie zur Ikone macht. 

 Ich dachte nur: ‚Oh, mein Gott, er sagt das zu mir!‘
Belluccis Reaktion auf die berühmten 3 Worte (Bond, James Bond)

Welche Bond-Girls fanden Sie persönlich denn toll?

Eva Green war großartig. Famke Janssen: Ich liebe es, wie sie in „Golden Eye“ agiert hat. Sophie Marceau, Halle Berry, Rosamunde Pike, das waren alle tolle Schauspielerinnen. Und für mich ist es interessant, diese Rolle mit 50 zu spielen. Das ist wunderbar für uns Frauen, ein Beispiel dafür, dass man mit 50 immer noch schön ist.

Klassische Frage: Was ist das Geheimnis Ihrer Schönheit?

Das Beste ist Liebe. Sie macht dich schön. Und sie ist auch das Geheimnis meines Glücks.

Und wie ging es Ihnen damit, 50 zu werden?

Ich bin immer noch am Leben, danke der Nachfrage. (lacht) Im Ernst: Es hat mich nicht berührt. Vielleicht liegt es daran, dass ich vor drei Jahren noch mein Baby gestillt habe. Mal sehen, was da draußen noch auf mich wartet. Ich bin neugierig darauf. Ich möchte heute nicht noch einmal 20 sein. Mit 20 ist die Schönheit ein Fluch. Man ist zu jung, um sie zu begreifen. Ich war sehr unsicher damals. Ich hatte vor so vielem Angst. Meine Schönheit spielte keine Rolle für mich, weil ich sehr scheu war.

Und heute?

Weiß ich, dass die Schönheit der Jugend nicht so wichtig ist. Wenn du erwachsen bist, schenken dir andere Dinge Kraft. Meine Seele ist gewachsen. Heute mache ich die Arbeit, die perfekt für mich ist: Ich arbeite mit Emotionen.

Würden Sie Ihren Kindern erlauben, Schauspielerinnen zu werden?

Ich hoffe nur, dass meine Töchter eine Leidenschaft im Leben finden. Denn eine Leidenschaft ist, was dich rettet. Ob sie eine Bäckerei eröffnen und Brot verkaufen, oder Schauspielerin werden wollen – sie sollen tun, was sie tun möchten. Ich möchte, dass sie glücklich werden – das ist die Hauptsache. 

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11 2015 Redbulletin.com

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