Leyya

„Smoothies, Bier und Elektronik-Pop“

Interview: Lea Wieser
Bild: Gabriel Hyden

Newcomer des Monats: Wir präsentieren dir die spannendesten jungen Künstler da draußen. Diesen Monat überrascht uns das österreichische Elektropop-Duo Leyya, das über seine Vorliebe für Gegensätze und spanische Diskos spricht. 

Und dann kam Leyya … Männlich und weiblich, blond und braun, groß und klein, stark und doch so schüchtern. Die strengen, elektronischen Beats von Produzent Marco Kleebauer könnten für sich alleine stehen. Dass die weiche, zarte Stimme von Sängerin Sophie Lindinger ohne akustische Untermalung funktioniert, steht außer Frage. Doch es ist das Zusammenspiel dieser Gegensätze, das dem Elektropop-Duo aus Oberösterreich das gewisse Etwas verleiht. 

The Red Bulletin hat die beiden 22-jährigen Musiker getroffen und sich mit ihnen über ihr erfolgreiches Debüt-Album Spanish Disco“, ihr Konzept, das eigentlich keines sein soll und über Superegos unterhalten.

„Drowning in Youth“ - Leyya

Mit ihrer Debüt-EP ging Leyya durch die Ecke: das Duo belegte mit ihrer Single Nummer 29 in den iTunes-Charts. 

© YouTube // LeyyaMusic

THE RED BULLETIN: Wie würdet ihr eure Musik mit einem Satz beschreiben?

MARCO KLEEBAUER:
Es wäre das Schlimmste für uns, wenn man unsere Musik in genau einem Satz beschreiben könnte. Das würde uns in eine Schublade stecken … Und wir wollen nicht die Schublade, sondern das ganze Regal.

Nagut, dann zumindest das Genre. 

SOPHIE LINDINGER:
Man kann unsere Musik in das Genre experimenteller Elektronik-Pop stecken. Aber wir bleiben nie bei einem, wir verändern uns ständig und für die neuen Sachen werden wir wieder in eine andere Richtung gehen. 

Was ist eure musikalische Lebensphilosophie? 

MK: (Überlegt.) Auf keinen Fall Sex, Drugs, and Rock n’ Roll … eher Smoothies, Bier und Elektro-Pop.

Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?

SL: Wir kommen aus demselben Dorf und kennen uns schon seit fast zehn Jahren. Dort gibt es nicht viele Leute, die dieselbe Musik machen und da findet man sich schnell. Zuerst habe ich an einem Singer-Songwriter-Projekt gearbeitet – Marco hat sich zu der Zeit schon der Elektronik gewidmet und irgendwann haben wir fusioniert.

Leyya

Leyya beschreibt ihren eigenen Sound als sphärisch, fließend, aber zugleich auch hart und impulsiv. Das Duo kombiniert elektronische Beats, akustische Instrumente und Gesang. 

© Leyya

„Smoothies, Bier und Elektronik-Pop.“
Leyya

Wie ist Leyya entstanden?

SL: Es gab eigentlich keinen Zeitpunkt, wo wir gesagt haben „okay, jetzt gründen wir eine Band“, es war eher ein fließender Übergang und irgendwann haben wir der Sache einen Namen gegeben. Vor etwa eineinhalb Jahren haben wir begonnen Labels anzuschreiben und letzten Herbst ist unsere erste Single „Drowning in Youth“ erschienen. Man kann also sagen, dass es „Leyya“ offiziell seit einem Jahr gibt.

MK: Der Prozess war ziemlich mühsam, wir wollten nichts halb Fertiges oder halb Gutes veröffentlichen. Uns war wichtig, dass wir nicht eines von tausend Elektro-Duo-Projekten sind.

SL: Für uns muss sich jeder Song gut anfühlen und einen gewissen Charakter haben, der uns repräsentiert. Wir haben viel wieder verworfen, bis wir gesagt haben „diese Songs nehmen wir“.

Du, Sophie, hast dein Leben schon ziemlich früh der Musik verschrieben, immerhin hast du im zarten Alter von 11 Jahren deinen ersten Song geschrieben.

SL: Ich war wie so ziemlich jedes Kind, das am Land aufwächst, in der Musikschule, aber im Gegensatz zu vielen anderen habe ich weiter gemacht. Mit zehn, elf Jahren habe ich begonnen, meine ersten Songs zu schreiben, mit den paar Wörtern Englisch, die ich damals kannte.

„Superego“ - Leyya

Leyya’s Debüt-Album „Spanish Disco“ ist im Mai bei Las Vegas Records erschienen. 

© YouTube // LeyyaMusic

Du hast also von Anfang an auf Englisch geschrieben?

SL:
Ja, ich weiß nicht warum, das hat sich intuitiv richtig angefühlt. Mir hat sich nie die Frage gestellt, auf Deutsch zu singen. Ich glaube, ich könnte nicht einmal auf Deutsch schreiben. 

Leyya

Sophie Lindinger erweckt mit ihrer zarten Stimme die elektronischen Beats von Marco Kleebauer zum Leben.

© Leyya

Steht bei euch zuerst die Musik oder der Text?

SL: Meistens ist zuerst die Musik da. Ich habe zwar vorgefertigte Texte, aber ich passe eher den Text an die Musik an, als umgekehrt. Manchmal schreibe ich einen komplett neuen Text für die Musik, weil es intuitiv mehr dem entspricht, was die Musik in mir auslöst.  

Ihr kommt aus Eferding, einer Kleinstadt in Oberösterreich mit nicht einmal 4.000 Einwohnern – inwiefern hat das eure musikalische Laufbahn geprägt?

MK:
Es ist schwierig, das zu beurteilen, weil ich nur die eine Seite kenne und leider kann man kein zweites Mal aufwachsen. (Lacht.) Aber es war nicht einfach seinen Raum zu finden, vor allem, wenn man experimentelle Musik macht. Es gab wenige Leute, die sich mit so einer Art von Musik identifizieren konnten - es fehlt einfach die Szene und die Infrastruktur. 

SL: Man muss sich dann eben mehr mit sich selbst beschäftigen oder mit den wenigen Leuten, die etwas Ähnliches machen. Ich stelle es mir in der Stadt einfacher vor, aber man kann sich auch leichter verlieren bei zu viel Input.

Habt ihr einen Plan B?

SL: Nein. Das ist teilweise sehr angsteinflößend, weil ich mir oft denke, was passiert, wenn gar nichts aus der Sache wird? Ich habe mein Leben darauf ausgelegt. Das einzige, was ich sonst noch machen könnte, ist Bedienung in der Gastronomie zu werden. 

MK: Ich könnte gar nichts anderes und ich bin definitiv zu ungeschickt, um als Bedienung zu arbeiten. Man braucht eben viel Glück in der Musik, aber man kann das Risiko zu scheitern, minimieren … 

SL: … indem man einfach alles gibt. 

Auf eurer Facebook-Seite steht: „Leyya means marketing strategy in Alaska-Yupik“ – tatsächlich?

MK: Da steckt ein bisschen Selbstironie dahinter und ich dachte mir, es wäre witzig, wenn sich jemand die Mühe machen und das tatsächlich googlen würde. Dann hat man uns ja schon seine Aufmerksamkeit geschenkt. (Grinst)

„Ich glaube ich könnte nicht einmal auf Deutsch schreiben.“
Sophie Lindinger
Leyya

Mit ihrem erfolgreichen Debüt-Album „Spanish Disco“ gelten sie möglicherweise als die Newcomer des Jahres.

© Karin Hackl

Wieso der Albumtitel „Spanish Disco“?

MK: Ich wollte dem Album einen ironischen Twist geben. Artwork, Titel und Album rasten nicht ein. Wir wollten es nicht transparent machen, man soll es nicht gleich verstehen. Wir wollten das Ganze so offen wie möglich halten und trotzdem ein Konzept dahinter haben. 

Wie schaut für euch eine Spanish Disco aus?

MK:
Es ist niemand drin, weil es so heiß ist. (Lacht.) Nein, wir sind irgendwie nicht so die Typen für die Disko. Das ist eine Metapher für die Generation Y. Man hat heutzutage so viele Möglichkeiten und weiß nicht, was man machen soll. Ein Ort, an dem alles drunter und drüber geht, nichts hat seinen Platz, das ist für mich eine spanische Disko.   

Woher nehmt ihr eure Inspiration?

MK:
Mich inspirieren Moment, die oft gar nichts mit Musik zu tun haben. Letztens habe ich mit jemandem über Tofu geredet und plötzlich wollte ich alles liegen und stehen lassen und Musik machen.

SL: Tofu?

MK: Ja, Tofu! 

Was macht ihr bei kreativen Blockaden?

SL:
Das sind die schlimmsten Tage meines Lebens. Ich bin dann so schlecht gelaunt, dass ich mich ins Bett lege und schlafe. Und Marco ist derjenige, der durchbeißt und weitermacht. 

MK: Man macht zu oft den Fehler, dass man zu früh aufgibt. Es ist klar, dass man nicht jeden Tag einen guten Song produzieren kann, aber wenn ich schlafen gehe, will ich das Gefühl haben, dass ich etwas geschaffen habe, sonst fühle ich mich nutzlos. Das ist schon fast eine Krankheit.

Leyya

Sophie Lindinger und Marco Kleebauer, 22, leben derzeit in Wien, wo sie sich voll und ganz ihrer Musik widmen. 

© Gabriel Hyden

Und was heißt Leyya?

SL: Das hat eigentlich keine Bedeutung, das hat sich irgendwie aus meiner Zeit als Solokünstlerin ergeben.

MK: Viele glauben, dass Sophie Leyya ist … und ich nur so ein Dude, der immer zufällig auf den Fotos mit dabei ist. 

Ihr seid derzeit ein Duo, spielt aber ab und zu live zu viert. Wollt ihr in Zukunft ein Duo bleiben?

SL:
Unser Fokus ist, dass wir alles live machen, also ohne Playback. Und ja, rein Produktions- und ongwriting-technisch wollen wir ein Duo bleiben. Es funktioniert zu zweit einfach am besten, denn wie man so schön sagt „zu viele Köche versalzen den Brei“.

MK: Verderben …

SL: Ja, das meinte ich ja.

Einer eurer Songs heißt „Superego“ - wer von euch beiden hat das größere Ego? 

MK: Wir haben beide so wenig Ego, das fällt gar nicht unter Ego. 

SL: (Lacht und nickt.) Was ist das Gegenteil von Super?

M.K.: Minus, Unter, … Wir haben dann wohl eher ein „Sub-Ego“.

Wenn ihr euch eine Superkraft aussuchen könntet, was wäre das? 

MK:
Dass ich nie schlafen müsste. 

SL: Aber Schlafen ist schon schön. 

MK: Nein, da kann man so viele Sachen machen. Superman muss schlafen, ich nicht. Wenn der schläft, mache ich verrückte Sachen. 

SL: Ich würde mich gerne beamen können. Beamen wäre so geil!

„Bei unserer Musik geht es ums Zusammentreffen, um das Aufeinandertreffen von Gegensätzen.“
Leyya

Gibt es einen Song, ein Musikstück, bei dem ihr euch wünschen würdet, das es von euch stammt?

MK:
Ja, das mit den meisten Tantiemen. (Lacht.) Nein Spaß, ich wäre niemandem neidisch um seinen kreativen Output, ich höre mir das an, finde es geil und das war’s. 

Und kreativ gesehen? 

MK:
Ich denke mir das eher beim Essen … Bei uns um die Ecke gibt es ein Restaurant, die machen so etwas geiles mit Spinat, bei dem würde ich mir wünschen, dass es von mir ist.

SL: Griechische Bauernspätzle. Wow. Bei uns geht es echt immer ums Essen … 

Was war bis jetzt euer coolster Auftritt?

SL: Wir haben als Vorband im kleinsten Raum in einem Konzerthaus in Linz gespielt und es waren vielleicht fünfzig Leute da, wenn überhaupt, aber für mich war das der beste Auftritt, den wir je hatten. So wie wir zusammengespielt haben und die Stimmung. Es war einfach der Wahnsinn. 

Habt ihr irgendwelche Rituale vor einem Konzert?

MK:
Ja, wir haben einen Tanz.

SL: Komplett nackt.

MK: Nein Spaß, ich bin Diabetiker und muss einen Traubenzucker essen. 

In eurer Facebook Description heißt es „Chaos vs. Routine, Woman vs. Man, Art vs. Pop“ – wer gewinnt? 

SL: Da geht es gar nicht ums Gewinnen, sondern ums Zusammentreffen, um das Aufeinandertreffen dieser Gegensätze. Am Ende kommt dann so ein Mischmasch heraus, eine Art Mannfrau.

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07 2015 Redbulletin.com

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