Nina Las Vegas

„Merkwürdig ist gut.“

Interview: Florian Obkircher
Bilder: Nina Las Vegas / Get in! PR

Die australische DJane Nina Las Vegas ist die wegweisende musikalische Trendsetterin der Stunde. Im Interview mit The Red Bulletin spricht sie über ihre Vorliebe für das Merkwürdige in der Musik.   

Bevor EDM-Stars wie Skrillex und Diplo einen neuen Track veröffentlichen, schicken sie ihn an Nina Las Vegas und fragen sie um ihre Meinung. Die 30-jährige Produzentin und DJane moderiert regelmäßig ihre eigene Radio-Show „Mix Up“ auf dem australischen öffentlich-rechtlichen Sender Triple J. In unserem Interview erklärt „Australiens Annie Mac“, was es heißt, ein musikalischer Trendsetter zu sein und was einen guten Song ausmacht.

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Nina Las Vegas

Es ist nicht angesagt, bevor Nina Las Vegas dem nicht zustimmt. 

THE RED BULLETIN: Wie wird man zu einem musikalischen Trendsetter? 

NINA LAS VEGAS: Ich höre mir jeden Song an, den mir Leute schicken, das ist ein wichtiger Teil meines Jobs. Und, ich vertraue meinen Ohren.

Also braucht man ein gesundes Selbstvertrauen?

Ich glaube, man erlangt Selbstvertrauen, indem man den Job einfach macht. Vor meiner Radio Show „Mix Up“ auf Triple J, habe ich eine Show namens „House Party“ gemacht, bei der ich nur die Tracks gespielt habe, die ich mochte. Und plötzlich haben Leute wie Skrillex begonnen, mir ihr Zeug zu schicken. Genau so wie Diplo und andere Produzenten - sie kontaktieren mich und fragen mich, welcher Song sich als Single eignet. 

Wie findest du neue Musik für deine Radio-Show?

Für gewöhnlich bekomme ich täglich bis zu 200 Promos. Nachdem ich mir alles angehört habe, sortiere ich alles in gut, okay und Zeugs. Normalerweise bevorzuge ich Originale mehr als Remixe, außer sie sind wirklich anders, wie zum Beispiel ein AG Cook Remix von einem Charli XCX Track. Das würde ich mir immer anhören wollen. Dann suche ich 40 Tracks aus und 20 von denen kommen dann in meinen Mix. 

Nina Las Vegas

Nina erklärt, dass am Anfang eines Remixes, „das stärkste Zeug ganz oben sein muss“. Dann wählt sie in etwa 20 Songs aus, die in ihren Mix kommen. 

„Ein guter Popsong ist ein guter Popsong, aber nur ein Merkwürdiger ist ein wirklich guter Popsong.“  
Nina Las Vegas

Bist du nicht manchmal überfordert von all der neuen Musik, die du täglich bekommst? 

Manchmal. Aber dann merkst du, dass du nicht alles spielen kannst. Wenn du einen Mix machst, dann ist das so ähnlich wie einen Artikel zu schreiben. Das Stärkste muss am Anfang sein. Wenn du einen Mix machst, musst du den Hörern von Anfang an einheizen. 

Was braucht ein Song, um von dir ausgewählt zu werden?

Er muss ein bisschen merkwürdig sein. Es muss mich überraschen. Ich will drauf hängen bleiben und dann gespannt darauf warten, in welche Richtung er geht. Ein guter Popsong ist ein guter Popsong, aber nur ein merkwürdiger ist ein wirklich guter Popsong. 

Kannst du mir ein Beispiel geben?

Ein gutes Beispiel ist Flume [ein australischer Elektronikproduzent]. Sein Remix von Hermitude’s „HyperParadise“ ist einer seiner besten Tracks, weil du keine Ahnung hast, in welche Richtung er sich entwickelt. Es gibt keine offensichtliche Struktur. 

„HyperParadise“ (Flume Remix) von Hermitude 

Nina’s Lieblingsremix: Sie liebt das Merkwürdige an Flume’s Track.

© YouTube // TheSoundYouNeed

„Ich vertraue meinen Ohren.“
Nina Las Vegas

Nina Las Vegas

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Ist es einfach, merkwürdige Musik zu finden?

Wenn du dir neue Tracks anhörst, klingen viele sehr ähnlich. Mir ist klar, dass das komisch klingt und ich würde das niemals zu einem Künstler direkt sagen, aber manchmal frage ich mich ‚wo ist der Sinn hinter diesem Song? Was willst du damit erreichen? Willst du etwas Lebensveränderndes machen, oder versuchst du nur einen Club-Hit zu landen?‘

Ist der Versuch einen Club-Hit zu landen etwas Schlechtes? 

Nein, es ist komplett in Ordnung. Es gibt so viele Gründe, einen Track zu machen. Aber ich verstehe nicht, wieso sich manche Leute so hetzen. ‚Wieso musst du eine EP in einem Monat fertig machen? Arbeite doch lieber noch weiter daran!‘ Mark Ronson hat fünf Jahre an seinem letzten Album gearbeitet. 

„All The Time“ (Hi Tom Remix) von Jeremih

Nina Las Vegas empfiehlt, in Hi Tom’s Produktionen reinzuhören.

© YouTube // C’est la Vie

Wer war dein Vorbild, als du jünger warst?

Ganz klar, [die britische Radiomoderatorin] Annie Mac. Ich bin so froh, dass es so jemanden wie sie gibt, zu der man aufschauen kann. In Australien bin das irgendwie ich für viele Mädchen, aber die britische EDM-Szene hatte immer schon starke Frauen, die einen auch unterstützen. Wenn mir jemand britische Sounds schickt und ich nicht viel darüber weiß, dann schreibe ich [dem in London ansässigen Radio-DJ] Moxie und frage ihn, ‚Was hat es mit dem auf sich: Ist der cool oder nicht?‘. Das ist echt cool.

Kannst du uns zwei Nachwuchshoffnungen nennen, die man auf keinen Fall verpassen sollte?

Ich mag Hi Tom. Er ist Norweger und Teil eines Kollektivs namens Rytmeklubben. Seine Musik ist Club-bereit, aber trotzdem sehr melodisch und geht ins Ohr. Und Swick, der auch aus Australien kommt und mit dem ich regelmäßig zusammenarbeite. Er hat die Kraft, deinen Kopf mit seiner Musik zum Explodieren zu bringen. Er hat die härtesten, unerwartetsten Sounds! Ich liebe es! 

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09 2015 Redbulletin.com

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