DJ Sven Väth on the turntables

Die Party-Götter

Bild (oben): Kidkutsmedia

Die große Kulturform unserer Zeit heißt Party. Feiern als Selbstzweck, Loslassen und Abtanzen als Way of Life. Die Kultur-Ikonen unserer Zeit sind Mega-DJs. Sie definieren globale Trends, füllen Stadien, kassieren Hollywood-Gagen. Wer sind diese Superstars? Was treibt sie, wofür stehen sie, und was lernen wir von ihnen? Teil 1: Von Sven Väth bis Skrillex.
Sven Väth
Sven Väth

Social Media: 1 Mio. Fans auf Facebook
Besitzt: 14 Mio. Dollar (geschätzt)
Auftritte:
106 (2015)

Der Godfather: Sven Väth

Als er 1982 loslegte, räumte man als DJ am Ende der Nacht noch den Club auf – aber er liebte seinen Job genauso wie heute. Väth war Lehrmeister von Tiësto, dem ersten globalen Mega-DJ, feierte 1986 mit „Electric Salsa“ den Durchbruch, eröffnete 1988 in Frankfurt/Main Deutschlands ersten Techno-Club. Und legt auch heute als 51-Jähriger noch jedes Wochenende in den besten Clubs der Welt auf, wenn’s gut läuft, auch mal 30 Stunden am Stück.

Sein Markenzeichen?

Die Selbstverständlichkeit, als über Fünfzigjähriger im DJ-Geschäft mitzumischen – und dank seiner ehrlichen Leidenschaft für Tanzmusik dennoch relevant zu bleiben. Viele seiner Veteranen-Kollegen verwalten nur noch ihr Erbe, Väth entdeckt neue Talente, fördert sie, arbeitet mit ihnen zusammen.

Was lernen wir von ihm?

Egal was die Leute sagen: Wenn es sich richtig anfühlt, dann tu’s. Und du wirst Erfolg haben. 

Cool:

Seine kultigen Bühnenansagen wie „The message is gude Laune, Alda!“. Die besten gibt’s auf Väths Fanseite. 

Uncool:

„Papa Sven“ ist kein Spitzname, auf den man stolz sein muss.

„… sich selbst treu bleiben und das Feiern nicht vergessen!“
Sven Väth
Richie Hawtin

© Carlo Cruz

Richie Hawtin
Richie Hawtin

Social Media: 1 Mio. Fans auf Facebook
Besitzt: 9 Mio. Dollar (geschätzt)
Auftritte: 82 (2015)

Der Visionär: Richie Hawtin

Schon mit seiner ersten Platte unter dem Pseudonym F.U.S.E. löste der damals 19-jährige Kanadier 1989 eine Techno-Revolution aus. Vor 14 Jahren entwickelte er eine Software, die es DJs erstmals ermöglichte, mit MP3s aufzulegen statt mit Vinyl. Anfangs verlacht, schuf er damit einen neuen Standard. 

Sein Markenzeichen?

Musikalisch gilt er als Miterfinder von Minimal-Techno, einer Art von Musik, die auf ihre hypnotische Wirkung und Funktionalität reduziert ist. In technischer Hinsicht entwickelt er neue DJ-Controller und die erste DJ-Twitter-App (Live-Sharing der Playlist auf Twitter).

Was lernen wir von ihm?

Gib dich niemals mit dem Status quo zufrieden. Niemals. Niemals!

Cool:

2015 verlieh ihm die Universität im englischen Huddersfield als erstem DJ überhaupt den Ehrendoktor.

Uncool:

Obwohl sich viele DJs dank seiner Erfindungen den Besuch beim Orthopäden ersparen, gilt Hawtin als Totengräber der guten alten Vinyl-Kultur.

„Für mich gibt es in der Musik keine Regeln.“
Richie Hawtin
Diplo springt

© Ramona Rosales

Diplo
Diplo

Social Media: 2,25 Mio. Fans auf Facebook
Besitzt: 15 Mio. Dollar (geschätzt)
Auftritte: 72 (2015, plus Gigs seiner Band Major Lazer)

Der Entdecker: Diplo

Der Alexander von Humboldt der DJ-Szene reist um die Welt, entdeckt subkulturelle Trends wie brasilianischen Baile Funk und verhilft ihnen zum globalen Durchbruch. 2008 wurde Diplo (mittlerweile 37) an der Seite von Rapperin M.I.A. mit „Paper Planes“ zum Weltstar. Der Song verkaufte sich allein in den USA vier Millionen Mal und lief im Oscar-Film „Slumdog Millionaire“. Seither produziert Diplo Hits für seine Band Major Lazer und Popstars wie Beyoncé, Justin Bieber und Madonna.

Sein Markenzeichen?

Er folgt Trends nicht, er macht sie.

Was lernen wir von ihm?

Inspiration findest du nicht vor der Haustür. Reise um die Welt und hol dir damit neue Perspektiven.  

Cool:

Sein Sound verlieh sogar Justin Bieber Glaubwürdigkeit.

Uncool:

Weil er selbst am meisten vom Aufspüren exotischer Subkulturen profitiert, werfen ihm Kritiker „kulturellen Kolonialismus“ vor.

„Ich habe Erfolg, weil ich Trends früher erkenne als andere.“
DIplo
Skrillex

© Housetribeca.com

Skrillex
Skrillex

Social Media: 19 Mio. Fans auf Facebook
Besitzt: 36 Mio. Dollar (geschätzt)
Auftritte: 81 (2015; 2011 waren es unglaubliche 322)

Der Wunderknabe: Skrillex

Vor 2010 interessierten sich Rock-Fans nicht für Clubmusik. Skrillex änderte das mit einer einzigen Platte: „Scary Monsters and Nice Sprites“. Das Mini-Album, das der damals 22-Jährige in seinem Schlafzimmer aufnahm und eigenhändig via Social Media verbreitete, verkaufte sich zwei Millionen Mal und gewann zwei Grammys. Heute besitzt Skrillex sechs Stück davon, mehr als jeder andere DJ, und arbeitet mit so unterschiedlichen Künstlern wie den Ex-Doors, Justin Bieber und Bob Marleys Sohn.

Sein Markenzeichen?

Pfeift auf die Regeln des Business, veröffentlicht Songs spontan und ohne Werbekampagne, verbreitet seine Musik via Smartphone-Apps.

Was lernen wir von ihm?

Auf Hilfe zu warten heißt Zeit vergeuden. Mach dein eigenes Ding, auch wenn du objektiv keine Chance auf Erfolg hast. „Betrachte Hindernisse als Möglichkeiten, etwas Neues zu erschaffen.“ 

Cool:

Zu Beginn galt Skrillex wegen seines im Vergleich eingängigen Sounds als meistgehasste Person der Clubmusik. Seine Reaktion? „Sorry, für Hater im Internet hab ich keine Zeit.“

Uncool:

Sein Styling: langes Haar mit Under-cut und Hornbrille. Herrliche Persiflage: der Foto-Blog „Girls That Look Like Skrillex“.

„Wenn ich einen Grammy gewinnen kann, dann könnt ihr Genies in euren Kinderzimmern dort draußen die Welt übernehmen.“
Skrillex
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02 2016 The Red Bulletin

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