Steve Aoki Bühnenshow

Die DJ-Superstars

Bild (oben): Erik Voake

Die große Kulturform unserer Zeit heißt Party. Feiern als Selbstzweck, Loslassen und Abtanzen als Way of Life. Die Kultur-Ikonen unserer Zeit sind Mega-DJs. Sie definieren globale Trends, füllen Stadien, kassieren Hollywood-Gagen. Wer sind diese Superstars? Was treibt sie, wofür stehen sie, und was lernen wir von ihnen? Teil 2: Von Steve Aoki bis Annie Mac.
Steve Aoki
Steve Aoki

Social Media: 7 Mio. Fans auf Facebook
Besitzt: 55 Mio. Dollar (geschätzt)
Auftritte: 143 (2015; 2014 waren es 217)

Der Unternehmer: Steve Aoki

Als Achtzehnjähriger organisierte Aoki Konzerte von Hardcore-Punks und betrieb ein 1-Mann-Label. Später wurde er DJ-Unternehmer, heute mit 38 betreibt er vier Restaurants, eine DJ-Managementagentur, eine Modelinie, vermarktet Kopfhörer. Gastauftritte in TV-Serien und Filmen erschließen ihm neue Zielgruppen.

Sein Markenzeichen?

Kapierte als Erster, dass ein DJ im 21. Jahrhundert nicht nur Platten spielen, sondern sich als Marke etablieren, einen Lifestyle verkaufen muss. Wie er sein Business schaukelt, nebenbei Musik produziert und im Jahr 217-mal (2014) auflegt? Mit der Disziplin eines Spitzensportlers: Aoki trinkt nicht, lebt vegan, trainiert täglich. Auch damit definiert er den DJ-Typus neu: Party mit Passion, aber ohne Kater.

Was lernen wir von ihm?

Du kannst zugleich authentisch und reich sein. 

Cool:

Aoki machte den DJ zum Rockstar. Er headbangt auf der Bühne, köpft Champagnerflaschen, Damen in der ersten Reihe kriegen Champagnerduschen. Der große Moment jeder Aoki-Show: die legendäre Tortenschlacht mit dem Publikum.

Uncool:

Weil sich die Satire-Website Wundergroundmusic.com über sein Bühnengehabe lustig machte, drohte Aoki mit Klage.

„Ich fühle mich immer noch wie ein junger Punk mit 200 Dollar am Konto.“
Steve Aoki
DeadMau5 legt auf

© Drew Ressler/Rukes.com

Deadmau5
Deadmau5

Social Media: 9 Mio. Fans auf Facebook
Besitzt: 53 Mio. Dollar (geschätzt)
Auftritte: 34 (2015)

Der Bad Boy: Deadmau5

Seine Songs kennt kaum jemand beim Namen, sein Markenzeichen jeder: den blinkenden Mäusehelm. Daft-Punk-Fan Deadmau5, 35, liebt es, via Twitter zu provozieren. Dass Superstars auf seine Attacken reagieren, hat einen simplen Grund: Mittlerweile ist er selbst einer von ihnen.

Sein Markenzeichen?

Der Bad Boy im Mainstream-DJ-Zirkus sucht die Konfrontation. Er richtete seinem ehemaligen Zögling Skrillex via Twitter aus, dass dessen neue Musik scheiße sei. Madonna warf er vor, Drogenkonsum zu propagieren. Seine Fans, die er „Horde“ nennt, lieben ihn dafür. Und dafür, dass er der erste DJ mit Live-Video-Streaming-Events war. Nach einer dieser Studio-Sessions schickte ein Fan einen Text zum Song. Deadmau5 verwendete ihn. Die Fan-Kollaboration „The Veldt“ wurde zu einem von Deadmau5’ größten Hits.

Was lernen wir von ihm?

Sag deine Meinung gerade heraus. Manche werden Probleme damit haben. Aber du wirst auffallen – und Respekt ernten. 

Cool:

Disney verklagte ihn wegen seines Markenzeichens. Deadmau5 zeigte dem Konzern den Mittelfinger – und man einigte sich außergerichtlich. 

Uncool:

Der Speed-Freak ließ seinen Ferrari 458 Italia hellblau lackieren und mit einem Bild der Regenbogen-furzenden Internet-Meme-Katze Nyan Cat bemalen. Der Wagen sah so schrecklich aus, dass Ferrari ihm eine Unterlassungsklage schickte.

„Fall auf, sei so sichtbar wie irgend möglich.“
Deadmau5
Calvin Harris Konzert

© Getty Images

Calvin Harris
Calvin Harris

Social Media: 13 Mio. Fans auf Facebook
Besitzt: 110 Mio. Dollar (geschätzt)
Auftritte: 77 (2015)

Der Geschäftsmann: Calvin Harris

Er hasse Interviews und könne weder tanzen noch singen, bekennt Calvin Harris, 31. Dennoch ist der Brite mit bis zu 400.000 Dollar pro Auftritt der bestbezahlte DJ der Welt. Harris selbst sagt, sein Erfolg sei einfach Glück. Aber wer sein „We Found Love“ mit Rihanna hört, erkennt Harris’ unglaubliches Talent für Ohrwurm-Melodien.

Sein Markenzeichen?

Geschäftssinn. Jahrelang remixte er Kollegen wie Florence + The Machine – und verlangte statt Honorar einen Studiobesuch. So kann er seine Singles mit dem Gesang von Stars wie Rihanna schmücken.

Was lernen wir von ihm?

Für den großen Erfolg brauchst du Geduld und langfristige Planung.  

Cool:

Models und Pop-Göttinnen reißen sich um ihn. Er ging mit Rita Ora und Anne Vyalitsyna aus, derzeit ist er mit Taylor Swift liiert.

Uncool:

Für Giorgio Armani als Unterhosen-Model posieren und zugleich sagen, man wolle kein Justin-Timberlake-Typ sein: kommt nicht gut.

„Ich weiß, wie ich meine Stimme okay klingen lassen kann – mehr geht nicht. Seine Schwächen zu kennen ist ein wichtiger Schritt zum Erfolg.“
Calvin Harris
Annie Mac
Annie Mac

Social Media: 300.000 Fans auf Facebook
Besitzt: keine öffentlichen Angaben zum Vermögen verfügbar
Auftritte: 48 (2015, plus fünf Radiosendungen pro Woche)

Die Tastemakerin: Annie Mac

Annie Mac, 37, hat selbst nie einen Track produziert. Sie ist ein DJ im ganz traditionellen Sinn, spürt Talente auf, stellt sie dem Publikum vor. Das tut sie in ihrer täglichen BBC-Radiosendung – nach der Plattenfirmen mitunter Veröffentlichungsdaten richten –, in ihren Club-Sets und auf ihrem eigenen Musikfestival.

Ihr Markenzeichen?

Die Britin hat einen unglaublichen Riecher für Hits. Sie macht Talente zu Stars – die bleiben ihr loyal verbunden, geben ihr exklusive Mixes und neue Tracks, was wieder Macs Status als Tastemakerin stärkt.

Was lernen wir von ihr?

Du kannst auch an die Spitze gelangen, indem du dich um andere kümmerst.  

Cool:

Mac setzte sich als Frau in der Männerdomäne Nachtclub durch. An einem Ort, an dem Frauen viel zu oft hinter der Bar stehen oder sich halbnackt auf der Bühne räkeln.

Uncool:

Es ist kein Satz bekannt, in dem die Worte „Annie Mac“ und „uncool“ gemeinsam vorkommen.

„Das Wichtigste in meiner Karriere ist Glaubwürdigkeit. Ich stehe zu hundert Prozent hinter allem, was ich sage.“
Annie Mac
Klicken zum Weiterlesen
02 2016 The Red Bulletin

Nächste Story