Peter Capaldi

Peter Capaldi -
Die Bürde des „Doctor Who“

Text: Holger Potye
Bild: David Venni/BBC

Der preisgekrönte Schauspieler und Regisseur Peter Capaldi ist Erfolg gewohnt. Aber er konnte nicht ahnen, wie außergewöhnlich sein neuer Job als „Doctor Who“ werden würde. Nichts kann dich darauf vorbereiten …

Nach mehr als 50 Jahren im TV-Geschäft ist „Doctor Who“ eine britische Institution geworden. Die Kultshow existiert schon seit mehreren Generationen. Aus der Schauspielperspektive betrachtet, ist die Chance, ein Mal in seinem Leben den Doctor zu spielen eine enorme Herausforderung. Denn die millionenstarke Fangemeinde kann äußerst kritisch und gnadenlos sein, wenn es um ihren zeitreisenden Lieblings-Doctor geht. Peter Capaldi ist der mittlerweile 12. Doctor Who. Er ist nicht nur älter als die meisten seiner Vorgänger, sein Doctor ist auch düsterer und durchtriebener als die früheren Inkarnationen.

Auf Fox bei SKY läuft ab 3. Dezember die 9. moderne Staffel der britischen Kultserie. Aus diesem Anlass haben wir mit dem 57-jährigen Charakterdarsteller über die Risiken der Rolle und den Star-Status, den man als Doctor Who genießt, geplaudert. 

 

THE RED BULLETIN: Peter, Sie sind seit ihrer Kindheit Doctor Who-Fan. Waren Sie nervös wegen der hohen Erwartungshaltung der Fans, als Sie die Rolle des Doctors übernommen haben?

PETER CAPALDI: Ich war nervös, was die Rolle betrifft, aber ich habe nicht darüber nachgedacht, welche Erwartungen die „Doctor Who“-Fans haben könnten. Das ist niemals eine gute Idee. Ich wäre dann nur noch nervöser geworden. Ich wollte einfach nur mein Bestes geben. 

Fox/HD zeigt bei Sky exklusiv die 9. Staffel der Kultserie, auch in der Originalfassung.

© YouTube // Doctor Who 

Aber es erfordert Mut, dem legendären Doctor seinen eigenen Stempel aufzudrücken, so wie Sie es getan haben. Immerhin ist er eine britische Institution.

Ich denke, ich habe ihn nicht all zu sehr verändert. Ich fühle mich privilegiert, weil ich die Rolle ergattert habe, aber die Verantwortung, die mit der Rolle kommt, kann schon manchmal ein bisschen einschüchternd sein. 

Waren Sie sich sicher, dass ein älterer, weniger zugänglicher „Doctor Who“ funktionieren würde?

Nein, das konnte ich nicht wissen. Ich bin einfach ins kalte Wasser gesprungen. Du kannst dich nicht nach dem Publikum richten und eine „Doctor Who“-Version nur fürs Marketing und die demographischen Zielgruppen kreieren. Du musst deine Version von „Doctor Who“ in dir finden – als Schauspieler, als Künstler, als Mensch. Du musst dir und deiner Vision treu bleiben während du gleichzeitig eine Figur spielst, die Drehbuchautor Steven Moffat geschrieben hat. Matt Smith, mein Vorgänger als „Doctor Who“, spielte einen sehr liebenswerten Doctor. Für mich fühlte es sich also richtig an, meine Rolle etwas weniger zugänglich anzulegen.

Sie haben also keinen Gedanken daran verschwendet, dass das Publikum sie vielleicht nicht lieben würde, weil Sie den Doctor zu sehr verändern?

Ich habe mich nicht um die Zustimmung des Publikums gekümmert. Ich halte es für sehr wichtig, sich nicht nach dem Publikum zu richten. Es muss dich nicht lieben. Es muss selbst rausfinden, ob es dich und deine Version des Doctors mag, oder nicht. Es ist natürlich ein Risiko, aber ich war bereit, es einzugehen. 

„Mein Vorgänger spielte einen sehr liebenswerten Doctor. Für mich fühlte es sich also richtig an, meine Rolle etwas weniger zugänglich anzulegen.“
Peter Capaldi
Doctor Who and TARDIS

Peter Capaldi, schottischer Schauspieler, Regisseur und nun der 12. Doctor Who

Nun, da klar ist, dass die „Doctor Who“-Fans Sie lieben: Wie lebt es sich als Star einer so erfolgreichen Serie?

Ich versuche, nicht darüber nachzudenken. Wenn mir mein Promi-und Bekanntheitsstatus zu Kopf steigen würde, wäre es nicht leicht, mit mir zu leben. Ich bin jetzt schon kein Mensch, mit dem es leicht auszuhalten ist. Aber das würde die Sache noch schlimmer machen. Ich habe mit Matt Smith vor kurzem über dieses Thema gesprochen. Es ist alles andere als natürlich, so dermaßen bekannt zu sein in deinem Heimatland. Und ich sprach auch mit einem anderen ehemaligen „Doctor Who“, David Tennant, und er gab mir einige Ratschläge. Dir muss klar sein, dass sich alles verändert, wenn du diese Rolle annimmst. Du stehst praktisch permanent in der Öffentlichkeit. Zuhause in England bedeutet das, dass wenn du in den Supermarkt gehst, oder zum Arzt, dich jeder erkennt und mit dir plaudern will. 

Wie verhält sich „Doctor Who“, wenn er im Arzt-Wartezimmer angequatscht wird?

Das kann schon ein bisschen seltsam sein. Du hast beispielsweise einen Operationstermin und bist in Gedanken ganz woanders und dann sitzt jemand neben dir und spricht dich als „Doctor Who“ an. Aber es ist okay, denn ich bekomme von den Menschen meist viel Liebe und Zuneigung, wenn sie mit mir plaudern.

Mit welchem „Doctor Who“ würden Sie am liebsten auf einen Drink ins Pub gehen?

Hm, mit meinem. Ich hänge gerne mit mir ab. Ich mag eigentlich alle Charaktereigenschaften meines Doctors. Ich mag es, dass er durchtrieben und distanziert ist. Ich mag es, dass er manchmal freundlich, manchmal ungeschickt und ein anderes Mal wiederum sehr elegant und weltgewandt daherkommt. 

„Ich hänge gerne mit mir ab.“
Peter Capaldi

Wie war Ihr erster Tardis-Trip als neuer „Doctor Who“?

Ich durfte schon ein Mal in der Serie mitspielen. Damals war David [Tennant] „Doctor Who“. Die Folge hieß The Fires of Pompeii. Damals dachte ich, dass es mein einziger Auftritt in der Kultshow sein würde und freute mich riesig, da ich die Möglichkeit bekommen hatte, bei „Doctor Who“ mitzuarbeiten. Ich hab nicht einmal das Drehbuch gelesen. Als sie mich gefragt haben, hab ich sofort ja gesagt. Meine Frau meinte: „Nein, Peter. Du bist ein professioneller Schauspieler. Du musst das Drehbuch lesen und schauen, ob es gut ist.“ Also hab’ ich das Drehbuch gelesen und dann sofort zugesagt. (lacht) Damals hat mir David eine Führung durch die Tardis gegeben und ich war echt gerührt. Ich hatte natürlich keine Ahnung, dass ich ein paar Jahre später selbst am Steuer der Tardis stehen würde. Und glauben Sie mir, es ist ein unbeschreibliches Gefühl! 

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10 2015 The Red Bulletin

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